Die Frage, wie wir angesichts sinkender Renten, bröckeliger Generationenverträge und mühsamer Versuche der privaten Vorsorge im Alter tatsächlich leben und wohnen können, versuchen mancherorts bemerkenswerte Eigeninitiativen für sich selbst zu beantworten. Mit von der Partie in Hannover waren Projektgruppen aus verschiedenen Regionen der Republik – vom Land und aus der Stadt –, die sich in ganz unterschiedlichen Phasen der Projektplanung bzw. -realistion befinden. Wissen, so wurde schnell deutlich, ist nicht allein eine Sache der Expertise, sondern ein schöpferischer Prozess des gemeinsamen Austauschs, in dem individuelle Erfahrung sich wechselseitig erhellt und befruchtet.

Die Projektinitiativen – das sind Menschen mit einer gemeinsamen Vision, die sich auf den Weg gemacht haben, ein Vorhaben umzusetzen. Das orientiert sich zuweilen an bereits vorhandenen Modellen – so etwa dem britischen Modell der Abbeyfield Houses, den Beginenhöfen oder dem Bielefelder Modell – oder wagt zum Teil auch ganz Neues. Die Kasseler Initiatve „Gemeinsam ins Alter“ beispielsweise verzichtet lieber auf den Keller und ein paar Fenster des geplanten Wohnhauses als auf die beiden fest eingeplanten Sozialwohnungen. Die Projektgruppe vom Bauckhof in Amelinghausen fand einen Paten in Ludger Schule-Remmert aus Dedinghausen, wo ein ganzes Dorf sich als Zukunftsprojekt versteht. Alle eint der Gedanke der Solidarität: Niemand soll auf der Strecke bleiben, und so ist der Ansatz vieler, gesellschaftlich Benachteiligte zu integrieren: Behinderte Menschen, kranke Menschen, pflegebedürftige Menschen, arme Menschen.

Die zentralen Probleme kamen ad hoc auf den Tisch: Baukostensteigerungen etwa, die es schwierig machen, vertretbare Mietpreise zu schaffen. Was kann getan werden, um die Baukosten – und auch später die Betriebskosten – zu senken? Eigenleistung, Zusatzökonomie, Muskelhypothek – hier erlebte man eine Generation, die ein wahres Feuerwerk an Ideen abfackelte: Hausmeisterdienst, Buchhaltung, Gartenarbeit, Repaircafé – alles selbst machen, sich einbringen, Geld sparen. Die Generation, die es ohnehin gewohnt sei, gesellschaftliche Entwicklungen anzustoßen – so Hilmar Dahlem von den Hannoverschen Kassen –, gehe auch hier voran. Das war ermutigend, machte aber auch deutlich: Diese Generation hat die Zeit und die Mittel, sich allmählich auf den Weg zu machen. Der nachkommenden Generation werden mit 60+ Zeit und finanzielle Mittel in einem weitaus geringeren Maße zur Verfügung stehen, weshalb sie eigentlich heute, jetzt, beginnen muss, ihre Haltung zum Thema Altersvorsorge zu überdenken.

 

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