Von Andreas Meyer

Autor Andreas Meyer. Foto: privat

Autor Andreas Meyer. Foto: privat

Der Weg zu innerem Wachstum, sei es im Alltag oder bei Meditation und Konzentrationsübungen, führt letztlich immer in Richtung Selbst-Werdung. Alles, was uns innerlich den ganzen Tag über prägt, beeinflusst und seine Wirkungen in uns hinterlässt, vollzieht sich über unsere Aufmerksamkeit. Entscheidend ist deshalb vor allem, womit und in welcher Weise sich die Aufmerksamkeit verbindet.

 

Beim Betrachten der Struktur unseres Alltagsbewusstseins stellen wir fest, dass unsere Aufmerksamkeit sich normalerweise in einer Überfülle von Eindrücken, Gedanken und Tätigkeiten zerteilt, bis hin zum Getriebensein von den vielen, vermeintlich notwendigen Aufgaben. Eine radikale Selbstbesinnung, wie sie oft äußerlich durch Lebenskrisen, Krankheit oder das Wissen um eine begrenzte Lebensdauer eintritt, kann helfen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen.

 

Will man herausfinden, welches die eigentlich wichtigen, unverzichtbaren Tätigkeiten sind, die ganz zum eigenen Weg gehören, dann frage man sich, was man tun oder lassen würde, wenn man nur noch einige Wochen zu leben hätte. Es gibt letztlich keinen Grund und kein überzeugendes Argument, diese wesentlichen Betätigungen auf den Sankt Nimmerleinstag („bessere Zeiten“) zu verschieben. So, wie die in den bisherigen Teilen beschriebenen Übungen die Aufmerksamkeit konzentrieren und zu sich selbst führen, kann man auch durch die Beschränkung auf das Wesentliche im Alltag viel stärker zu sich selbst kommen.

 

Ein anderer Aspekt liegt im Hier und Jetzt verborgen. Sinnbedeutung und erfüllte Lebensmomente vollziehen sich immer jetzt und in genau diesem Moment. Immer sind wir umgeben von Möglichkeiten, ganz Eins mit dem Augenblick zu werden. Die Blume vor mir wartet darauf, dass ich mich mit ihr verbinde; das Gespräch und die Verbindung mit einem Menschen entfaltet jetzt seine Strahlkraft; und der Geschmack des Essens oder die Stimmung der Natur sind Ereignisse, die im Hier und Jetzt zutiefst erfüllen können. Gewöhnlicherweise planen wir aber beim Essen schon wieder weiter, sind wir im Gespräch schon wieder beim nächsten Termin und bei den nächsten Aufgaben und wir beachten die Schönheit der Blume und die Stimmung der Natur nicht. Die tägliche Übung, sich ganz leer zu machen, gehört hier zu den Hilfen dazu, sich das volle, pralle Leben zu erschließen, welches tiefe Eindrücke in uns einprägt, die zu unvergänglichen Früchten in der Seele werden.

 

 

Ganz einfach

Wenn du schläfst, stehst du schon auf.

Wenn du aufstehst, gehst du schon.

Wenn du gehst, dann isst du schon.

Wenn du isst, dann schaffst du.

Wenn du schaffst, dann planst du schon.

Wenn du planst, dann sprichst du schon.

Wenn du sprichst, dann hörst du schon.

Wenn du hörst, dann schläfst du.

 

Wenn ich schlafe, schlafe ich.

Wenn ich aufsteh’, steh ich auf.

Wenn ich gehe, gehe ich.

Wenn ich esse, ess ich.

Wenn ich schaffe, schaffe ich.

Wenn ich plane, plane ich.

Wenn ich spreche, spreche ich.

Wenn ich höre, hör ich.

 

Auszug aus einem Liedtext von G. Schöne