Unter dem Titel „Weltrevolution der Seele“ fand am 2. Dezember 2012 in der Berliner Urania eine Veranstaltung statt, die einen Gesprächs-, Übungs- und Begegnungsraum für spirituell Suchende eröffnete. Organisiert wurde die Zusammenkunft von der „Stiftung Rosenkreuz zur Förderung hermetischen und gnostischen Gedankenguts“. Es war somit kein Zufall, dass für das von den Veranstaltern gewählte Motto ein gleichnamiges Buch Peter Sloterdijks Pate stand, das sich mit gnostisch-hermetischen Denkweisen seit der Spätantike beschäftigt und das vergessene Potenzial abendländischer Esoterik ans Tageslicht rückt.

Die sich jeweils dem Rosenkreuzertum, der Anthroposophie und der Integralen Bewegung um Ken Wilber verbunden fühlenden Referenten Gunter Friedrich, Sebastian Gronbach und Matthias Ruff schilderten eindrucksvoll ihren inneren Entwicklungsgang, dessen Hintergrund die unterschiedlichen, aber auch viele Gemeinsamkeiten aufweisenden esoterisch-philosophischen Schulungswege bilden. Die Vorträge wurden immer wieder durch Wahrnehmungsübungen und kleinere Gesprächszusammenhänge unterbrochen, was der Veranstaltung ein unkonventionelles, ja erfrischendes Gepräge verlieh.

Religionswissenschaftlich Interessierte hätten sicher noch mehr über die historische Entwicklung und die ideellen Besonderheiten dieser drei spirituellen Richtungen erfahren wollen (von denen das im 17. Jahrhundert erstmals in Erscheinung getretene Rosenkreuzertum das organisations- und ideengeschichtlich am wenigsten zu fassende Phänomen darstellt) – aber dies war in der Kürze der Zeit kaum möglich. Stattdessen konnten die Teilnehmer etwas aus diesem Treffen mitnehmen, was keine noch so detaillierte Darstellung zu vermitteln imstande gewesen wäre: die Erfahrung, mit weltoffenen Menschen verschiedener Orientierungen und unterschiedlichen Alters – darunter einem türkischen Sufi-Meister, einem kurdischen Rosenkreuzer und einer erst 18-jährigen, esoterisch vollkommen unbelasteten Schülerin – in einen Dialog zu treten, der von echtem Interesse am Denken und Erfahren des Anderen gespeist war. – Eine Fortsetzung solcher „interdisziplinären“ Zusammenkünfte wäre gerade für Berlin eine Bereicherung.