„Auch wenn es damals nicht so bezeichnet wurde, hat die Inklusion bereits bei der Gründung der ersten Waldorfschule 1919 in Stuttgart Pate gestanden“, erläuterte dazu Vorstand Henning Kullak-Ublick. In Waldorfschulen bildeten immer die vorhandenen Fähigkeiten der Kinder den Ausgangspunkt für die pädagogische Arbeit, während ein auf Selektion ausgelegtes Schulwesen notwendig die Vermeidung von Defiziten in den Vordergrund stelle. „Inklusion und Selektion schließen sich aus. Hier ist ein Paradigmenwechsel im Bildungswesen notwendig, für den der BdFWS bereits in den ‚7 Kernforderungen an die Bildungspolitik’ plädiert hat. Wir müssen von dem alten Gedanken der Schulpflicht zum umfassenden Recht auf Bildung gelangen und dies auch im Grundgesetz verankern.“

Dr. Thomas Maschke vom Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität in Mannheim betonte, dass der notwendige Paradigmenwechsel auch für die Lehrerbildung gelte. Hier müsse der Fördergedanke ebenfalls stärker verankert werden. Inklusion erfordere einen Wandel in der Gestaltung des Unterrichts im Sinne der methodischen Vielfalt. Außerdem müsse den Schülern – aber auch den Eltern – die Unterschiedlichkeit von Lernwegen und Ergebnissen vermittelt werden. „Hier ist ein Wandel in den Köpfen notwendig, der vermutlich langwierig und nicht linear sein wird,“ meinte Maschke. Darauf müssten die Lehrer in der Ausbildung angemessen vorbereitet werden.

Quelle: BdFWS