Ausstellungsbesuch

Vor den Touristenbussen

Berlin hat Museums-Highlights genug. Jetzt lockt in Potsdam das Palais Barbarini mit seinen Schätzen. Zwischen Monet und DDR-Kunst spannt sich ein weites Feld, das sich in ansprechendem Ambiente präsentiert.

 

Alle Fotos: Ronald Richter

Am Ende war der Berichterstatter trunken. Trunken von Monet. Von seinen Getreideschobern und Seerosenbildern, die hier in Serie hängen, obwohl neben der aktuellen Impressionismus-Ausstellung auch Andy Warhols „Mona Lisa“, Gerhard Richter, DDR-Kunst, Rodin und Edvard Munch vertreten sind. Dessen „Mädchen auf der Brücke“ befindet sich darunter. Es kam erst kürzlich bei Sotheby’s für schlappe fünfzig Millionen Dollar unter den Hammer.

Munchs „Mädchen auf der Brücke“

Warum ist es so erhebend, durch die weitläufigen Gänge und Ausstellungsräume zu flanieren, die Treppen empor und wieder hinabzusteigen in diesem einzigartigen Geschenk des SAP-Gründers, Kunstsammlers, Mäzen, Wahl-Potsdamers und Neu-Ehrenbürgers Hasso Plattner an die Potsdamer? Der Rezensent fühlte sich zu Hause wie schon lange nicht mehr in einem Museum, das sich in die Barockform des Palais Barberini vom Alten Fritz nach römischem Vorbild hüllt.

Gut, wir hatten Glück. Obwohl das Barberini noch keine Woche geöffnet war, standen nicht wie die Tage zuvor lange Schlangen bis nach draußen. Zudem sind eigentlich nur Einheimische präsent.

Oder liegt es an den Materialien, die hier verwendet wurden: Naturstein und edle Hölzer? Alles nicht protzig sich in den Vordergrund drängend, sondern den erstklassigen Ausstellungsstücken dienend, von denen sich eins an das andere reiht. Oder daran, dass wir die Bilder sämtlich bis auf den Warhol ohne Verglasung bewundern dürfen, nicht ständig zurückgepfiffen werden vom Wachpersonal? So stellt sich ein Kunst-Erlebnis beinahe wie von früher ein. Es herrscht andächtige Stille, die sich noch zu steigern scheint, blickt man zwischen den Kunstwerken hindurch auf die Silhouette von Potsdams Altem Markt, von dem jetzt dieses Museum der Edelstein in der architektonisch gelungenen Fassung ist.

 

Noch stiller ist es – zu Unrecht – in der Abteilung für DDR-Kunst. Zu nennen sei hier nur Werner Tübkes „Der Narr und das Mädchen“,

 

Willi Sittes „Selbstbildnis mit Tube und Schutzhelm“

oder Bernd Heisigs monumentale „Straße der Kommune“ aus dem Jahr 1989. Frühere Versionen hatten die Funktionäre stets als nicht heroisch genug abgelehnt.

Barberinis Eröffnung fand ausgerechnet am Tag der amerikanischen Präsidenten-Inauguration statt. Angela Merkel war da und demonstrierte, vertieft vor den Exponaten, alternative Wertigkeiten. Ebenso kamen Regisseur Volker Schlöndorff, Modeschöpfer Wolfgang Joop, beides Bewohner dieses an betuchten Promis nicht armen Städtchens – aber auch Bill Gates. Zusammen mit dem Multimilliardär Hasso Plattner und anderen Milliardären setzt der reichste Mann der Welt einen Super-Fonds auf, der durch saubere Technologien die Industrienationen aus der Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas befreien soll. Was im krassen Gegensatz zur Politik des neu Inaugurierten steht.

Man sollte den ersten Besuch dieses Museums nicht zu lange aufschieben, sollte es erleben, bevor die Touristenbusse einfallen. So lange kann man hier noch in einer Kontemplation verweilen, die durch die Politik und das City-Marketing großer Städte wie Berlin unmöglich gemacht wird. Wo Kunst mehr und mehr in die Mitte gezwängt als Massenereignis Geld in die Kassen spülen soll. Stille ist im Preis nicht inbegriffen.

Apropos Preise. Die sind im Barberini äußerst besucherfreundlich gestaltet. Die Tageskarte kostet happige 14 / 10 Euro. Aber: Kinder und Jugendliche unter 18  haben freien Eintritt und die Jahreskarte ist mit 30 Euro veranschlagt. Deren Erwerb findet an den Kassen ausgiebig statt.

Palais Barbarini von Ernst Eichgrün (1907) aus der Sammlung des Museums

 

 

 

 

 

Mehr Informationen über das Museum Barbarini finden Sie hier.

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