www.waldorfkindergarten.de

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Anlässlich des 100. Geburtstages ihres Gründers Helmut von Kügelgen hatte die Vereinigung der Waldorfkindergärten für den 19. November unter dem Motto „Recht auf Kindheit! Die Verantwortung liegt bei uns“ zum Kongress nach Hannover eingeladen. Als Pädagoge und Redakteur –  von Kügelgen war Waldorflehrer in Stuttgart und seit 1948 Schriftleiter der Erziehungskunst – setzte er Impulse für die Bewegung der Waldorfkindergärten, die auch heute noch richtungsweisend sind.

Etwa 600 Gäste und TeilnehmerInnen füllten die Eilenriedehalle im Congress Center Hannover. Der Journalist und Fernsehmoderator Markus Brock moderierte die Veranstaltung. Beim Festakt am Vormittag war die Familie Kügelgen durch drei der Töchter – Elisabeth von Kügelgen, Angelika Fried und Michaela Glöckler – sowie einen Enkel, Martin McKeen, vertreten. Klavierspiel und Gedichte von Helmut von Kügelgen rahmten die Grußworte der Gratulanten.

Die Gründung der Vereinigung der Waldorfkindergärten 1969 war Antwort auf eine Zeit politischer und gesellschaftlicher Unruhen. Ihre zentrale Intention war und ist der Schutz des kleinen Kindes, die Wahrung und Entfaltung seiner Individualität. „Es geht nicht um methodische Systeme, vorgeprägte Programme und die Zwangsvollstreckung ihrer Erfolge – es geht darum, Leben zu erwecken, die Geburt der Individualität in einem gesunden Leib, in einer gesunden Seele vorzubereiten“ – so zitierte Michael Wetenkamp, Vorstand der Vereinigung, den Gründer Helmut von Kügelgen. Gegen Frühintellektualisierung, Früheinschulung und Medienkonsum setzte die Bewegung den Schutzraum, in dem die „Fähigkeit zur Selbstbefähigung“, die das kleine Kind – so Michaela Glöckler – in die Welt mitbringe, bewahrt bleibe. Die Kindergartenzeit, so Wolfgang Sassmannshausen, dürfe nicht als eine Vorbereitung auf die Schule verstanden werden. Im Zentrum der Kindergartenpädagogik stehe der Umgang mit den Lebenskräften: Die Frage, was das kleine Kind brauche, könne nur durch ein stetes ehrliches selbständiges Ringen beantwortet werden. Dieses Anliegen Helmut von Kügelgens müsse auch heute wieder stark gemacht werden.

Weltweit gibt es 2000 Waldorfkindergärten. In den asiatischen Ländern wie etwa China und Südkorea ist derzeit ein Boom der Waldorfpädagogik zu verzeichnen. Individuelle Freiheit und gesellschaftlicher Anpassungsdruck: Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder vor dem Zugriff starrer Anforderungen und rigider Zwänge bewahren. Wie aber kann das gelingen, ohne sich gesellschaftlich zu isolieren?

Die Vorträge am Nachmittag öffneten den Horizont in verschiedene Richtungen. Johannes Stüttgen buchstabierte in seinem Vortrag „Das Kind, das geboren werden will“ persönliche Biografie als künstlerischen Prozess, der einer inneren Notwendigkeit, aber keinem vorgegebenen Ziel folge, und Freiheit entsprechend als einen Zustand der Potenzialität, der gegenwärtig neu begriffen werden müsse und könne. „Ein Werdender bleiben“ – dieses Motto ihres Vaters Helmut von Kügelgen nahm Michaela Glöckler als Ausgangspunkt ihres Vortrages über die „Bedingungen für eine gesunde Kindheit“ aus Sicht der langjährigen Kinderärztin und Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum in Dornach/Schweiz. Manfred Spitzer rundete die Reihe der Vorträge mit einem abendfüllenden Beitrag zum Thema „Digitale Kindergärten? Warum digitale Medien im Kindergartenalter besonders schaden“ ab, auf den im Hinblick auf den geplanten „Digital-Pakt“ von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka eine längere Podiumsdiskussion folgte. Die Vereinigung der Waldorfkindergärten wird ein Memorandum zum Schutz des kleinen Kindes verfassen, das über die Homepage der Vereinigung www.waldorfkindergarten.de abrufbar ist und verbreitet werden kann.