Hörsaal VI, alter Campus der Goethe-Universität in Frankfurt. Karten haben wir vorbestellt, denn es wird auch auf dieser vorletzten Station der Roadshow sicher voll werden. Im Hörsaal selbst ist Stimmung. Gerald Hüther fehlt heute, Uli Hauser vom „Stern“ moderiert die Veranstaltung, in der Schüler der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (ESZB), die Schulleiterin Margret Rasfeld, Filmbeispiele, kleine Showeinlagen sowie Publikumsdiskussionen die Zugkräfte einer neuen Lernkultur transparent machen wollen. Im Zentrum stehen die von Rasfeld ins Leben gerufenen Projekte, mit denen sie Schule aus dem engen Korsett des herkömmlichen Unterrichts befreit hat.

An der ESBZ ist Lernen eine Frage der Selbstorganisation, Motivation basiert auf Selbstfürsorge. Selbsteinschätzung ist wichtiger als Bewertung, öffentliches Lob wichtiger als Noten, Aufgabenstellungen können eigeninitiativ gewählt werden. Soziale Projektarbeit bindet die Lernerfahrung in reale Kontexte ein und schafft Raum für individuelle Herausforderungen und die unmittelbare Erfahrung, innerhalb eines selbstgewählten sozialen Bezugs eigenverantwortlich sinnvoll zu handeln. All das ist getragen von den vielfältigen Beziehungen, die innerhalb einer Schulgemeinschaft möglich sind – Beziehungen, die Spielraum für individuelle Gestaltung bieten und sich nicht auf die engen Grenzen eines traditionellen Lehrer-Schüler-Verhältnisses festlegen lassen. Im Hinblick auf die drängenden Fragen der Gegenwart brauche die Gesellschaft heute eine Schule, die keine Pflichterfüller hervorbringe, sondern kreative Zukunftsgestalter. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit – so weiß die Forschung seit geraumer Zeit – ist basale Ressource für alle Lebenslagen.  Damit soll jetzt endlich ernst gemacht werden.

Schulfrust hat historisch betrachtet meist eher destruktive Reaktionen hervorgerufen. Überschwänglich sind die Reaktionen auf die Bresche, die die Roadshow der Lernlust schlägt. Allerorten hat die Initiative von Bildungsstifter und Schule im Aufbruch eine Spur neuer Initiativen hinterlassen und Diskussionen angeregt. Die Zeit ist reif. Transformation, so Rasfeld, sei vor allem eine Frage der inneren Haltung. Die tumultartige Stimmung im Hörsaal VI zeugte von einem vehementen Veränderungswillen.

Buchtipp:
Margret Rasfeld / Peter Spiegel: EduAction. Wir machen Schule. Murmann 2012. 263 S. ISBN 978-3-86774-181-1.

Weitere Infos:

Porträt Margret Rasfeld von Jens Heisterkamp im Magazin „Wir. Menschen im Wandel“

www.bildungsstifter.de

www.schule-im-aufbruch.de

www.roadshow-lernlust.de