Judith von Halle hatte in den letzten Jahren in Vorträgen und Büchern zahlreiche Beiträge zu Fragen des Christentums und zur Biographie Steiners vorgelegt, die nach ihren Angaben auf direkte spirituelle Eingaben bzw. Einblicke zurückgehen und für heftige Debatten gesorgt hatten. Auch dass sich bei ihr seit dem Jahr 2004 gleichzeitig das Phänomen der „Wundmale Christi“ zeigte und von Halle zudem von einer anhaltenden Nahrungslosigkeit spricht, hatte für erhebliche Kontroversen in der Anthroposophischen Gesellschaft geführt. Dabei seien auch Fehler gemacht worden, gestand zu Beginn Hartwig Schiller von der AGiD wohl im Blick auf eine seinerzeit von ihm mitverfasste Distanzierung ein, die Judith von Halle einleitend noch einmal zitierte. In ihrem kurzen Input bat die Autorin unter anderem darum, weniger aufgrund ihrer Stigmatisierung und mehr im Blick auf ihre Inhalte beurteilt zu werden. Auch ihr ginge es um eine Normalisierung der Beziehung, so die heute Vierzigjährige.

Wolf Ulrich Klünker vom Vorstand der AGiD warb, ohne dabei von Halle direkt anzusprechen, in seinem Beitrag für eine verwandelte Anthroposophie, die sich nicht auf Wortlaute reduzieren lasse, wie sie Steiner vor hundert Jahren hinterlassen habe. Der Unternehmer Wolfgang Gutberlet (Tegut), neben Benediktus Hardorp einer der Unterstützer Judith von Halles auf der insgesamt schwach besuchten Veranstaltung, sprach sich dafür aus, sich gegenseitig weniger mit Urteilen und mehr mit Aufmerksamkeit zu begegnen.

Judith von Halle regte zum Ende der Veranstaltung an, den Austausch fortzusetzen, ein Anliegen, das von Hartwig Schiller ausdrücklich unterstützt wurde.