Gustaf_Nagel

Gustaf Nagel, einer der vorgestellten Weltretter. Seinen Versuch, sein Kind in einem Fluss zu taufen, überlebte selbiges bedauerlicherweise nicht.

Die Frankfurter Schirn-Kunsthalle hat in einer kunterbunten Ausstellung eine Galerie der Wanderprediger, Esoterik-Künstler und anderer schräger Vögel vornehmlich aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts zusammengestellt. Barfuß oder auch ganz wie Gott uns schuf, in wallende Gewänder gekleidet und mit reichlich Pathos ausgestattet galt es (auch) damals, die Welt zu retten. Von einigen künstlerisch ernstzunehmenden Ausnahmen abgesehen bekommen es die Besucher mit einer geballten Ladung aus Selbstüberschätzung, Sendungsbewusstsein und Kitsch zu tun. Wie durch ein Wunder ist Rudolf Steiner diesem Ausstellungs-Panoptikum entgangen, dafür hat es aber Joseph Beuys („Die Revolution sind wir“) erwischt.

Man verlässt die Ausstellung nachdenklich: Denn nicht nur da, wo die frühen Visionäre ganz offensichtlich ins nationalistische oder rassistische Fahrwasser kippten ist Vorsicht geboten, sondern ganz grundsätzlich gilt esoterischen Heilsversprechen gegenüber Zurückhaltung. Der Eindruck des Skurrilen drängt sich im historischen Rückblick jedenfalls unbarmherzig auf.

 

Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main: KÜNSTLER UND PROPHETEN. EINE GEHEIME GESCHICHTE DER MODERNE 1872-1972. Noch bis 14. Juni zu sehen.