Quelle: Wikipedia

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Nach welchen Krankheiten suchen Internetnutzer am häufigsten bei Google? Auf Platz 1 der Diagnosen-Hitliste stehen weder Diabetes (Platz 2) noch Bluthochdruck (Platz 10), sondern Erkrankungen der Schilddrüse. Das mag zunächst überraschen. Sollten Schilddrüsenprobleme nicht eigentlich im Rückgang sein, nachdem in Deutschland seit den 1980er Jahren zunehmend Lebensmittel (vor allem Salz) mit Jodzusatz versehen werden, um dem vermeintlich wichtigsten Auslöser von Schilddrüsenerkrankungen, dem Jodmangel, zu begegnen? Schlucken nicht Schwangere, Stillende und Kinder massenhaft Jodtabletten zur Vorbeugung? Es wird sogar das Tierfutter jodiert, selbst bei Demeter soll das so sein, weshalb tierische Produkte erhöhte Jodgehalte aufweisen. Müssten also die deutschen Schilddrüsen heute nicht viel gesünder sein? Dass dem nicht so ist, zeigt auch ein Blick in die Verordnungsstatistiken der Krankenkassen. Jahr für Jahr werden in Deutschland mehr Schilddrüsenhormone verschrieben als jede andere Art von Tabletten – Tendenz steigend. In den letzten Jahren waren es mehr als eine Milliarde Tagesdosen pro Jahr. Das sind mehr als 200 Millionen Tonnen Tabletten – man stelle sich einmal diesen Berg vor.

 

Folgen der Überdiagnostik

Vielfach mag es sich um Folgen der allgegenwärtigen Überdiagnostik handeln, einer Nebenwirkung der medizinischen Überversorgung, die dem Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen hierzulande entgegenkommt. Obwohl in den Vorsorgeprogrammen nicht vorgesehen, lässt sich doch so mancher nicht nur „auf Herz und Nieren“ durchchecken, sondern auch die Schilddrüse untersuchen, eigentlich ohne rechten Anlass. Und die Chance, dass dabei etwas herauskommt, ist sehr groß. Denn rund ein Drittel der Bevölkerung hat (ganz überwiegend harmlose) Auffälligkeiten im Schilddrüsen-Ultraschall, und auch die Laborwerte sind häufig nicht ganz normal. Viele dieser „Zufallsbefunde“ müssten nicht behandelt, sondern lediglich von Zeit zu Zeit kontrolliert werden.

Die Schilddrüse, deren beide Lappen unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre liegen, ist heutzutage nur noch selten so stark vergrößert wie das früher häufig der Fall war – beim weit verbreiteten „Jodmangel-Kropf“. Während starker Mangel an Jod, dem natürlichen „Rohstoff“ für die Schilddrüsenhormone, zu einem vermehrten Wachstum häufig der ganzen Schilddrüse führt, sind einzelne Schilddrüsenknoten weit verbreitet und meist ohne wirklichen Krankheitswert. Natürlich sollte ausgeschlossen werden, dass es sich um einen (sehr seltenen) Fall von Schilddrüsenkrebs handelt. Das geht meist ganz ohne Gewebeprobe und Operation. Wer sich hingegen vorschnell operieren lässt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er durch einen solchen Eingriff unumkehrbar zum Dauerpatienten wird, der lebenslang auf die Verordnung und Einnahme von Schilddrüsenhormonen angewiesen ist. Denn bei der Operation werden meist nicht nur die Knoten, sondern auch das gesunde Schilddrüsengewebe teilweise oder vollständig entfernt. Schilddrüsen-Operationen werde in Deutschland mehr als 120.000-mal pro Jahr durchgeführt, gemessen an der Bevölkerungszahl rund doppelt so häufig wie in den USA und mehr als zehnmal so häufig wie in Großbritannien.

 

Hashimoto – oft lange Zeit übersehen

Andererseits werden Störungen der Schilddrüsenfunktion häufig auch lange Zeit übersehen. Denn es gibt kaum einen Vorgang im Organismus, an dem Schilddrüsenhormone nicht wesentlich beteiligt wären. Sie regen Stoffwechsel und Energieverbrauch an, stimulieren Herz und Kreislauf, Nerven und Gehirn. Daher sind Schilddrüsen-Beschwerden so vielfältig und reichen von Fußschweiß bis Haarausfall, von Schlafstörungen bis Tagesmüdigkeit, von Gewichtsabnahme bis zu dicken Beinen. Je nachdem, ob eine Über- oder Unterfunktion vorliegt, sind Körperfunktionen eher angeregt (Überfunktion) oder abgeschwächt (Unterfunktion). Vor allem leichte Formen der Unterfunktion mit Müdigkeit, Antriebsschwäche, Gewichtszunahme und emotionalen Schwankungen können über lange Zeit übersehen oder als Depression, Burnout oder psychosomatisch verursacht fehlgedeutet werden. Oft dauert es viele Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt ist. Und auch die medikamentöse Einstellung kann sich über Monate hinziehen. Das gilt vor allem für die immer öfter diagnostizierte Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die nach ihrem Erstbeschreiber, einem japanischen Arzt, auch Hashimoto-Thyreoiditis genannt wird. („Thyreoiditis“ beutet Schilddrüsen-Entzündung, „Autoimmun“ bedeutet durch eine Überreaktion des Immunsystems, die sich gegen körpereigene Gewebe richtet, verursacht.) Hashimoto verläuft oft schleichend, ohne dass man an der Schilddrüse selbst etwas spürt. Die übliche Therapie besteht in der Verschreibung von Schilddrüsenhormonen.

Vielen Betroffenen geht es jedoch nicht viel besser, wenn nur die Hormonwerte im Blut wieder stimmen und sonst nichts passiert ist. Denn die Schilddrüse ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein seelisches Organ. In der indischen Heiltradition spricht man vom Hals-Chakra, der sechszehnblättrigen Lotosblume. Dieses Chakra liegt der Fähigkeit der Inspiration zugrunde, die es u.a. ermöglicht, sich in die Gedanken anderer einzuleben, aber auch in die Sprache der Natur. Damit wäre die grobe Richtung für eine mögliche spirituelle Begleitung der Schilddrüsentherapie angedeutet. Eine Brücke zwischen der körperlichen Erkrankung und den geistig-seelischen Herausforderungen stellen anthroposophische Arzneimittel dar, welche auf beiden Ebenen wirken und die schulmedizinische Behandlung ergänzen oder unter Anleitung eines erfahrenen Arztes auch ersetzen können. Ein anthroposophisches Basismittel für praktisch alle Störungen der Schilddrüse sind beispielsweise Colchicum comp. Globuli von WALA. Dabei handelt es sich um eine Zubereitung aus Herbstzeitlose und Schöllkraut, welche die Schilddrüse in ihrer Gesamtfunktion zwischen Körper und Seele unterstützt (3-mal täglich 5-10 Globuli). Anthroposophische Ärzte können darüber hinaus mit einer ganzen Reihe von Spezialpräparaten die Schilddrüse gezielt beeinflussen.

 

 

Dr. med. Frank Meyer (Foto) ist Experte für Naturheilverfahren und Autor von

„Das Geheimnis der Metalle – Vom Mythos zur praktischen Frank MeyerAnwendung in der Anthroposophischen Medizin“ (Info3-Verlag 2012). Er ist seit 1994 als integrativer Hausarzt in Nürnberg tätig. Laufende Veranstaltungen auf der Website des Autors.

Achtung! Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und keine Empfehlungen. Er stellt keine ärztliche Beratung oder Anleitung dar. Autor und Verlag übernehmen keine Garantie oder Haftung für seinen Inhalt.