12. Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft:
Ökologische Pflanzenzüchter gewährten Einblick in ihre Arbeit

Er ist „jung und europäisch“ und muss dringend vom Retro-Look des „Hildegard von Bingen-Marketings“ befreit werden: Dinkel, das einzige Getreide, das ursprünglich in Europa beheimatet ist und aus einer Kreuzung von Emmer und Weizen entstand. „Wenn wir den Dinkel nicht züchterisch bearbeiten, wird er in 50 Jahren nicht mehr da sein“, prognostizierte Catherine Cuendet von der Getreidezüchtung Peter Kunz. Sie gehört zu den wenigen Dinkelzüchter/innen weltweit.

© Demeter

Um diese und andere grundlegende und aktuelle Fragen der ökologischen Pflanzenzüchtung ging es bei der Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, die Ende Januar in Kassel stattfand. Vom Saatgutfonds der Stiftung geförderte Getreide-, Gemüse und Apfelzüchter/innen gewährten den über hundert TeilnehmerInnen Einblick in Werte und Besonderheiten der ökologischen Pflanzenzüchtung.

„Ernährungsqualität, Vielfalt und Schönheit und die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes zu einem individuellen Organismus“, nannte etwa Dr. Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof als zentrale Züchtungsaspekte. So gehören regional angepasste Sorten zu den Besonderheiten der ökologischen Züchtung. Daneben gibt es aber auch Sorten, die die Prüfung des Bundessortenamtes auf 14 verschiedenen Standorten bestanden haben.

Von neuen Wegen, die Qualitäten einer Pflanze schon im Zuchtgarten umfassender wahrzunehmen, berichtete Dr. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung Darzau. Er vermittelte einen ersten Eindruck von Bildekräfteuntersuchungen. Der Züchter müsse lernen, sich in die Pflanze wie in ein Kunstwerk hineinzuversetzen. Es gelte, mit geschärftem Züchterblick Farben, Formen und Gesten der Pflanze als ihre künstlerische Sprache zu verstehen, um aus Tausenden von Pflanzen genau die richtige für die Entwicklung einer neuen Sorte auszuwählen.

Eine Zusammenfassung der Tagung gibt es bei der Zukunftsstiftung Landwirtschaft:
Johanna Zellfelder, Christstr. 9, 44789 Bochum
Tel. 0234-5797-5153, E-Mail: bochum@zs-l.de

(Quelle: Zukunftsstiftung Landwirtschaft / GLS Treuhand)