Am 23. Mai fand im Rudolf Steiner Archiv in Dornach das in der „Wiener Erklärung“ (mehr Infomation) der Konferenz der Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter und Redakteure aus anthroposophischem Umfeld (KoPRA) angebotene Gespräch mit dem Vorstand der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung statt. Im Vordergrund stand der Austausch über die in Wien mit Sorge vorgebrachten Fragen zur inhaltlichen Ausrichtung der Nachlassverwaltung, zu Personalia und Finanzen.

In der „Wiener Erklärung“ hatten KoPRA-Mitglieder insbesondere Äußerungen des Vorstandsmitglieds Andreas Kühne kritisch kommentiert, wonach zukünftig „nur noch in absoluten Ausnahmefällen Originale das Haus Duldeck verlassen“ sollten. Der Vorstandsvorsitzende der Nachlassverwaltung, Cornelius Bohlen, hatte bereits kurz nach Bekanntmachung der Erklärung diese Aussage korrigiert: „Leihgaben für interessierte Museen oder Ausstellungen in Form von Zurverfügungstellen von Originalen wird es weiterhin geben, es sind hier vom Vorstand keinerlei prinzipielle Einschränkungen geplant“, hieß es in einem Schreiben an die KoPRA. „Im Gegenteil, der Vorstand versteht auch die weitere langfristige Ausrichtung der Kernaufgaben eines zugänglichen Forschungsarchivs, der Edition des Werks von Rudolf Steiner etc. in gesteigerter Weise als eine öffentliche Aufgabe.“

Während des Treffens mit den drei KoPRA-Delegierten Ruth Bamberg, Detlev Hardop und Walter Hiller unterstrich der Vorstand die im Sinne Marie Steiners verstandene Aufgabe der Nachlassverwaltung, die Anthroposophie durch Öffentlichkeit zu schützen – eine Aufgabe, die mit zunehmend beschränkten Mitteln umgesetzt werden müsse. Gefordert sei nicht nur die Pflege eines der Forschung zugänglichen Archivs und die Herausgabe von Steiners Werken, sondern auch die Bearbeitung externer Anfragen nach Exponaten und Materialien. Aller gerade auch durch die verschiedenen Ausstellungen erreichten erfreulichen medialen Aufmerksamkeit zum Trotz sei die Frage ungeklärt geblieben, wie mit den beschränkten Mitteln wenigstens die Einrichtung an sich erhalten werden kann. Interne Diskussionen hätten dieses Dilemma nicht lösen können. Hintergrund der kritisch kommentierten Vorgänge sei die unzureichende Finanzierung der für die anthroposophische Bewegung zentralen Aufgabenwahrnehmung der Nachlassverwaltung.

Neben den aktuellen Versuchen des Vorstands, regelmäßige Mittelzuflüsse aus dem Bereich der „organisierten Anthroposophie“ zu generieren, wird nach Auffassung der KoPRA-Delegation auch eine Bemühung des Vorstands selbst stehen müssen, die Situation der Nachlassverwaltung offener, vielleicht auch in erweiterter, internationaler Besetzung zu kommunizieren. Erfreut reagierten die KoPRA-Delegierten auf die Ankündigung des Vorstands, dass auch zukünftige Ausstellungsprojekte – evtl. auch unter Inanspruchnahme des bewährten Fachmanns Walter Kugler – möglich sind, wenn die Eigenfinanzierung solcher Unternehmungen gesichert ist. Zum Abschluss des von wachsendem wechselseitigem Verständnis geprägten Gesprächs haben die KoPRA-Mitglieder ihre weitere Unterstützung zugesagt.

Quelle: Walter Hiller (KoPRA)/Red.