Mit und ohne Verpackung, regional und saisonal: Blick in einen Alnatura-Markt / Foto: Alnatura

Gemüse im Alnatura Markt/ Foto: Alnatura

„Bizarrer Zwist zwischen dm und Alnatura“ meldet die Süddeutsche Zeitung am Freitag, 11. März 2016. Ist das Kind nach einem knappen Monat schon wieder in den Brunnen gefallen?, fragen wir uns. Im Artikel heißt es: „Wenn Verwandte Konflikte zu lösen versuchen, ist das offensichtlich nicht weniger haarig, als wenn das Geschäftspartner tun, die sich fremd sind. Daran ändert sich offenbar auch nichts, wenn beide Anthroposophen sind.“ Dabei sei der Begriff aus „Mensch“ und „Weisheit“ gebildet und in „allen Zeitungen“ hätte doch „vor Kurzem noch gestanden“, dass Götz Werner und Götz Rehn sich versöhnt haben. Ein „Weiser aus dem Morgenland“ – hier wird die Formulierung der FAS übernommen –, Ibrahim Abouleish, „selber anthroposophischer Geschäftsmann“, hätte die beiden wieder an einen Tisch gebracht. Doch die Kontrahenten „streiten entgegen anderslautender Berichte weiter unversöhnlich miteinander“, behauptet die SZ.

Von dm hören wir auf Nachfrage dazu, dass der Artikel auf Spekulationen des Autors beruhe. Götz Werner selbst will sich derzeit zu den Vorgängen gar nicht äußern, da sie sich auf dem Weg der Versöhnung befänden, der von Ibrahim Abouleish eingeleitet worden sei. Alnatura habe lediglich einen anwaltlichen Schriftsatz an das Gericht in Darmstadt gesendet, auf den dm nicht zu reagieren brauche, da das Schreiben Informationen zum Verhandlungstermin Ende Dezember letzten Jahres beinhalte, keine jedoch zur Zukunftsgestaltung.

Die Lebensmittelzeitung berichtet über die Verhandlung an diesem Freitag in Darmstadt, in der es um die von Alnatura angestrebte Auflösung des Kooperationsvertrages ging: Der Termin habe ohne eine Verkündigung – entgegen den Erwartungen – ein schnelles Ende genommen und wurde auf den 28. Juni vertagt.

„Während es zwischen den beiden Gründern zuletzt persönlich eine Annäherung gegeben hatte, bleiben auf geschäftlicher Ebene die Fronten offensichtlich verhärtet“, merkt die LZ an.

Dm erklärt: Sollen sich Standpunkte und Menschen annähern, braucht es Zeit. Es gäbe keine Kausalität: „Klage weg und dann Versöhnung“ oder „Klage bestehen lassen und keine Versöhnung“. Die Klage werde erst zur Einigung zurückgezogen, dies sei normal. – Alnatura war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wenn Mainstream-Medien das Anthroposophische in der Auseinandersetzung hervorheben, ist das vielleicht sogar verständlich. Weil dies ja allem äußeren Anschein widerspricht. Die SZ endet mit den Worten, dass Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten „den bizarren Zwist zunehmend irritiert“ verfolgen – und: „… das wissen die beiden Erfolgsunternehmer, die ja auch Anthroposophen sind“. Nicht so weise wäre es, wenn Journalisten mit anthroposophischem Hintergrund sich ebenfalls an den Spekulationen beteiligten.

Ronald Richter ist Betreiber von Kultradio.eu.