Laut Medienberichten hat eine Schülerin die Infektion aus Bayern mitgebracht, die Zahl der Infektionen stieg auf aktuell 29 Fälle. Da zum Zeitpunkt der ersten Erkrankungen nur ein Viertel der rund 400 Schülerinnen und Schüler gegen Masern geimpft war, schloss die Schule für einige Tage. Mittlerweile läuft der Schulbetrieb wieder – mit allen Kindern, die per Impfpass oder Bluttest ihre Immunisierung gegen Masern belegen können.

Ärztliches Beratungsgespräch / © DAMiD

Ärztliches Beratungsgespräch / © DAMiD

Angesichts der aktuellen Debatte um die Masern-Impfung haben sich sowohl der Dachverband der Anthroposophischen Medizin in Deutschland (DAMiD) als auch der Bund der Waldorfschulen (BdFWS) zu Wort gemeldet. Einer Impfpflicht, wie sie Gesundheitsminister Daniel Bahr kürzlich als „letztes Mittel“ ins Gespräch gebracht hatte, stehen beide Verbände kritisch gegenüber – sie machen sich für die freie Impfentscheidung der Eltern stark.

„Um es noch einmal klarzustellen: Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte sind nicht gegen Impfungen. Sie sind aber für die Respektierung der individuellen elterlichen Impfentscheidung“, heißt es in einer Mitteilung des DAMiD. Dies sei nach geltendem Recht auch die einzig rechtskonforme ärztliche Haltung, zu der auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema sowie die Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen gehöre.

Besonders wichtig sei das Alter des Impflings, da Kinderkrankheiten vor allem dann problematisch seien, wenn sie zum falschen Zeitpunkt – zu früh oder zu spät – auftreten. Vor diesem Hintergrund stehe die Anthroposophische Medizin standardisierten Impfvorgaben kritisch gegenüber und empfehle stattdessen, die Entscheidung vom individuellen Risiko, etwa Alter, Gesundheitszustand, mögliche Unverträglichkeit etc., abhängig zu machen (aktuelle Stellungnahme des DAMiD).

Auch der BdFWS appelliert an die Eltern, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und eine bewusste Entscheidung unter Einbeziehung aller Gesichtspunkte zu treffen. „Es ist immer eine Abwägung, die auch das Alter und die Gesamtkonstitution des Kindes berücksichtigen muss“ wird Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick zitiert. Eine Beratung in diesen Fragen sei Aufgabe der Ärzte, nicht der Schule. An vielen Waldorfschulen gebe es jedoch eine Schulärztin oder einen Schularzt, die als Ansprechpartner infrage kämen.