© Gemeinschaft Altenschlirf

© Gemeinschaft Altenschlirf

Ein anspruchsvoller Goethe-Klassiker, rund 80 Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen, mit und ohne Hilfebedarf – das Faust-Projekt der Gemeinschaft Altenschlirf ist schon jetzt ein außergewöhnliches Erlebnis für alle Beteiligten. 40 Bewohnerinnen und Bewohner der anthroposophischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft machen den größten Teil der Mitwirkenden aus, die zweitgrößte Gruppe stellen etwa 20 Mitarbeitende. Hinzu kommen rund zehn Teilnehmer aus der Suchthilfe-Einrichtung Melchiorsgrund in Schwalmtal-Hopfgarten sowie ebenso viele aus der Region. Regie führt die Theatertherapeutin und Regisseurin Almut König, der Filmemacher Benjamin Kurz begleitet die Probenarbeit und später auch die Aufführungen mit einem kleinen Film-Team. Als Schirmherrin konnte Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, gewonnen werden.

Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt wie diesem möchte neue Räume öffnen – für die Begegnung mit anderen und auch für Überraschungen. „Wir reden immer von Inklusion, aber was meinen wir damit eigentlich?“, fragt die Regisseurin Almut König und fügt hinzu: „Ich finde es wichtig, dass wir uns im individuellen Erstaunen begegnen.“ Das geht nicht immer gleich gut, ist ein fortwährender Prozess. „Das sind einzelne Momente, in denen das wie heraus blitzt. Momente, in denen es einfach um das Spiel geht. Das Stück erlaubt uns, über das Eigene hinauszuschauen“, ist sie überzeugt. „Alle Beteiligten, wirklich alle, stoßen an ihre Grenzen und müssen sich immer wieder neu orientieren. Ich erlebe unser Faust-Projekt auch als Möglichkeit einer umgekehrten Inklusion: Die Bewohner als größte Gruppe nehmen die anderen Mitwirkenden auf.“

 

Viele Bewohner der Gemeinschaft haben das Stück durch die Waldorfpädagogik kennengelernt, wo es fester Bestandteil des Lehrplans ist – an Regelschulen ebenso wie an Förderschulen. „Der ‚Faust‘ wirkt durch die Bilder“, glaubt Almut König. „Es geht darin um das volle Leben, wie es ja schon im Vorspiel heißt. Und wir werden eine bunte Inszenierung anstreben, wo hoffentlich alle schon allein über die Bilder viel mitnehmen können, auch wenn nicht jedes Detail für jeden intellektuell zu begreifen sein wird.“ Nicht nur der bekannte erste Teil des Werkes, sondern auch ausgewählte Passagen des zweiten Teils werden in Altenschlirf und Fulda gezeigt. Neben den großen Hauptrollen Faust und Mephisto, die auf verschiedene Spieler aufgeteilt werden, gibt es auch viele kleinere Rollen – etwa das „bunte Volk“ beim Osterspaziergang, die Wirtshausbesucher in Auerbachs Keller, Meerkatzen und Hexen. Auch Tanz-, Eurythmie- und Gesangseinlagen werden für Abwechslung sorgen.

Auch wenn es bis zu den Aufführungen noch einige Monate dauert und manche praktischen Fragen noch zu klären sind – die Vorfreude wächst von Woche zu Woche. Etwa bei Andreas Willert, der schon seit vielen Jahren in der Gemeinschaft lebt und arbeitet. „Ich spiele eine Meerkatze in der Hexenküche“, erklärt er. „Am meisten freue ich mich darauf, dass das irgendwann richtig klappt und wir das hinkriegen!“

Mehr Informationen, Termine und Tickets: www.faustprojekt.de