Traub hatte Steiner eine verfehlte Einordnung des Philosophen Baruch de Spinoza nachgetragen. Steiner habe Spinoza zu Unrecht als Freiheitsgegner dargestellt und dies lediglich durch einen Brief Spinozas begründet, statt dessen Hauptwerk (die „Ethik“) einzubeziehen. Steiner habe durch selektives Zitieren sogar Aussagen des Spinozabriefs unterschlagen. Spinozas Freiheitsbegriff sei im Gegenteil zutiefst mit dem der Philosophie der Freiheit verwandt. Fagard hat nun nachgewiesen, dass Steiner Spinoza nicht falsch zitierte, sondern auf eine lückenhafte Übersetzung von Spinozas (ursprünglich lateinischem) Brief  zurückgegriffen. Auch die von Traub verwendete Übersetzung des Briefs sei allerdings nicht fehlerfrei, Resultat sei eine verfehlte Einordnung von Steiners Spinoza-Kritik. Traubs Vergleich zwischen Spinozas und Steiners Freiheitsbegriff sei ungerechtfertigt, so Fagard weiter. Spinoza glaube an eine Vereinigung von Freiheit und Notwendigkeit, sei also „Determinist“. Der Freiheitsphilosoph Steiner habe mit seiner Stilisierung Spinozas zum Freiheitsgegner also recht gehabt.

In einer Antwort auf dem Waldorfblog sprach Traub seine ausdrückliche Anerkennung für Fagards philologische Funde aus. Dies ändere aber nichts an Steiners falscher Spinozarezeption. Spinozas Begriff der Notwendigkeit sei kein Ausdruck von Determinismus. Stattdessen sei die „notwendige“ Herleitung von Freiheit aus dem „Weltzusammenhang“ eine Gemeinsamkeit von Steiner und Spinoza. Traubs Studie „Philosophie und Anthroposophie“ ist die erste kritische Diskussion der philosophischen Frühschriften Rudolf Steiners aus nicht-anthroposophischer Perspektive. In Abgrenzung zu vielen herkömmlichen Interpretationen hebt Traub die hohe Bedeutung des Deutschen Idealismus, insbesondere J. G. Fichtes, für Steiner hervor.