Till Kraemer ist GLS Bank-Kunde, Demeter-Biokisten-Bezieher, Buddhist – und war einige Jahre als Pornodarsteller erfolgreich, bis er aus gesundheitlichen Gründen und der Liebe wegen ausstieg. Sein kürzlich erschienenes Buch Pornojahre bezeichnet er selbst als „Philosophisches Ficktagebuch“ – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Während die Rückblenden in seine Pornozeit mit szeneüblich-deftigem Vokabular Einblicke in das Treiben vor (und hinter) den Kulissen der Pornobranche bieten, überraschen die eingestreuten philosophischen Betrachtungen des überzeugten Vegetariers und chronisch zweifelnden Lebenskünstlers mit viel Humor und feiner Selbstironie.

pornojahreDazu gehören Erinnerungen an seine Waldorfschulzeit inklusive Revolte während des Landbau-Praktikums oder die Sinnsuche zwischen Tibet-Demo und Alnatura-Reismilch – alles in allem eher unerwartete Facetten eines Pornostars. „Vom Buddhismus habe ich zum ersten Mal in der Waldorfschule gehört. (…) Irgendwann war ich konkret auf der Suche nach spiritueller Erfüllung. (…) Ein buddhistischer Schauspiellehrer nahm mich dann mal mit in ein Zentrum, in dem der Tibetische Buddhismus, Mahayana, gelehrt wurde, genauer die Gelug-Linie, und dort bin ich dann geblieben. Gelug bedeutet ‚die Schule der Tugendhaften‘, passt doch super für einen Pornodarsteller.“

Dennoch soll hier deutlich ausgesprochen werden, dass das Thema Sex in verschiedenen Variationen weite Strecken des Buches dominiert – das Ganze ist definitiv nichts für Menschen, die sich daran, am Gebrauch des Ausdrucks „Lachs“ für das männliche Geschlechtsteil oder detaillierten Beschreibungen eines Pornodrehs stören. Allen anderen sei das Buch als lockere Sommerlektüre empfohlen.

Till Kraemer: Pornojahre.
Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013, 288 S., 9,95


Anmerkung der Redaktion:
Till Kraemer ist der Bruder von Info3-Redakteurin Laura Krautkrämer. Diese Information wollen wir keinesfalls unter den Tisch fallen lassen
nicht dass uns eine publizistische „Amigo-Affäre“ unterstellt wird …