Karmakonsum Biokisten„Unity in Diversity“ – Einheit in der Vielfalt: Spätestens als am Ende des Veranstaltungstages dutzende von Yoga-Freunden den Saal in der alten Börse in Frankfurt „stürmen“, ist dieses Motto der inzwischen 7. KarmaKonsum-Konferenz eingelöst. Ein junges Publikum übernimmt  kurzzeitig die Halle des Kapitals, Yoga meets Business. Initiator Christoph Harrach hat es – wieder einmal – geschafft: Dem Nachhaltigkeits-Vordenker, Blogger, Yoga-Lehrer und Waldorf-Vater gelingt es jedes Jahr, die unterschiedlichsten Menschen für seine Vision einer neuen Wirtschaft zusammenzubringen.

Da war etwa der Vertreter der Frankfurter Messe, der stolz über die Umrüstung der Ausstellungshallen mit Energiesparlampen berichtete, neben der integralen „Roadshow“, die auf humorvolle Weise die unterschiedlichen Werte-Entwicklungsstufen in der Gesellschaft auf die Bühne brachte. Die Migros-Sprecherin für Nachhaltigkeitsfragen diskutierte mit dem ehemaligen Greenpeace-Leiter über die Frage, wie radikal Unternehmen in der Einhaltung von Umweltauflagen sein müssen. Die Organisationsentwicklerin Roswitha Königswieser sprach zwar von nachhaltiger Unternehmensentwicklung, meinte aber, dass in den oberen Führungsetagen das Thema Nachhaltigkeit immer noch eher belächelt werde. Dagegen zeigte sich der Marken-Experte Achim Feige, der unter anderem die GLS Bank berät, davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit immer mehr zum Kern zukunftsfähiger Unternehmen werde.

Den spirituellen Lehrer Thomas Hübl an den Anfang des Tages zu setzen, schien zunächst gewagt. Ob das gut geht oder nicht doch zu esoterisch daherkommt? Aber Hübl hat mit seinen einfühlsamen Ausführungen über die Chancen und Hindernisse menschlicher Entwicklung überzeugt. Als er die Angst als mächtigste Blockade für Veränderung sowohl in Unternehmen als auch auf persönlicher Ebene ansprach, wusste wohl jeder, was gemeint ist. Hübl ließ es aber nicht dabei, sondern deutete auf  Wege, wie man diese Angst nicht „erfolgreich“ weg-erklärt, sondern sie anerkennen und für den nächsten Entwicklungsschritt nutzbar machen kann.

Hübls Überzeugung, dass wahrer Wandel von innen komme, wurde wohl am deutlichsten noch einmal ganz am Ende der Veranstaltung anschaulich, als Helmy Abouleish von der Sekem-Initiative in Ägypten berichtete. Der Sohn des Sekem-Gründers Ibrahim Abouleish erzählte die wundersame Geschichte von der Verwandlung ägyptischer Wüste in eine bio-dynamische Kultur-Oase und berührte auch mit einem persönlichen Bekenntnis: Nach der Auszeichnung von Sekem mit dem Alternativen Nobelpreis im Jahr 2003 sei er als eine Art Außenminister des Projekts weltweit unterwegs gewesen, weil sich hochrangige Wirtschaftsführer und Politiker für das Erfolgsmodell Sekem interessierten. Auch für ägyptische Politiker sei er Tag und Nacht erreichbar gewesen. Dass er sich in Ausschüssen für die Zukunft seines Landes engagiert hatte, drohte ihm dann in den Wirren der ägyptischen Revolution zum Verhängnis zu werden, als er wegen seiner Nähe zum System Mubaraks zeitweise inhaftiert wurde. Die Erste, die ihn während seiner Untersuchungshaft besucht hatte, war seine Tochter und sie meinte, es sei doch ein Glück, dass sie endlich einmal ungestört zwei Stunden miteinander sprechen könnten. Da erst sei ihm aufgegangen, dass Erfolg auch eine Gefahr sei könne, sagte Helmy Abouleish. Aus dieser Erfahrung habe er die Konsequenz gezogen, immer wieder bewusst sein Mobiltelefon abzuschalten und jeden Tag Zeit für Familie, Freunde und für Lektüre einzuplanen.

Informationen und Videos zur Tagung auf http://www.karmakonsum.de

Unser Bild oben: Karmakonsum ganz praktisch – die Kisten mit bio-dynamischem Gemüse vor der Frankfurter Börse hat der bio-dynamische Dottenfelderhof in Bad Vilbel bereitgestellt.