So sieht der kostbare Rohstoff aus: Kaffeebohnen-Auslese vor Ort auf den Philippinen.

So sieht der kostbare Rohstoff aus: Kaffeebohnen-Auslese vor Ort auf den Philippinen.

Von Christina Spieß

„You have to accept it, then you can enjoy it“. „Wenn du es annimmst, kannst du es genießen“, das war einer der ersten Sätze, mit denen mich meine Gastgeberin in einer Bambushütte mitten im Dschungel im Norden der Philippinen-Insel Palawan begrüßte. Keine Elektrizität, kein fließendes Wasser, keine Straße – die pure Einsamkeit. Hier sollte ich den Taifun Yolanda erleben, hier lauschte ich nachts beim Klang der Dschungelgeräusche Geschichten über Naturgeister wie den menschenfressenden Aswang, hier erlernte ich bei Kerzenschein das philippinische Kartenspiel Tongits und half schließlich beim Sammeln der Exkremente einer wild lebenden Katze. Das Produkt, das aus deren Kot gewonnen wird, gehört zu den teuersten Rohstoffen der Welt – es ist der Schleichkatzen- oder Civet-Kaffee.

Dieser Kaffee ist weltweit nicht nur für seinen einzigartigen Geschmack bekannt, sondern auch wegen seiner Besonderheit, eben aus Katzenkot gewonnen zu werden. So amüsierte sich bereits Morgan Freeman in einer Filmszene von Das Beste kommt zum Schluss über den begeisterten Jack Nicholson, dass der Luxuskaffee, den er da so genüsslich trinkt, das verarbeitete Produkt aus den Ausscheidungen einer wilden Baumkatze ist.

Ich war auf die Philippinen gegangen, um dort einem Projekt zu helfen, dem die Gründer Walter Siegfried und Grace Zozobrado-Hahn den deutschen Namen „Koberwitz 1924 Inc.“ gegeben haben, bezugnehmend auf jenen Gutshof in Schlesien, wo Rudolf Steiner einst die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begründete. Mir wurde dabei unter anderem das Civet-Kaffee-Projekt zugeteilt. „Koberwitz 1924“ will die Bevölkerung der Philippinen in Sachen Ökologie, Ernährung, Gesundheit, Landbau und Erziehung umfassend bilden und voranbringen. Vor knapp zwei Jahren startete man hier ein Projekt für einen nachhaltigen und bewussten Umgang der Bauern mit der Natur: Das Sammeln der Civet-Kaffeebohnen soll den Bauern eine gute und gesicherte Einkommensquelle schaffen.

Die manchmal vereinzelten, manchmal plantagenartig zusammenwachsenden Kaffeegebiete liegen im Norden Palawans. Hier ist die Landschaft noch relativ unerschlossen, über weite Teile erstreckt sich dichter Dschungel. Wer zu den Kaffeeplantagen will, muss Trampelpfade benutzen oder mit der Banca, einem kleinen Holzboot, auf dem Fluss dorthin gelangen. Die Wälder stehen wie der Großteil des Palawan-Archipels unter Naturschutz, doch um ihre Familien zu ernähren, greifen viele Bauern auf illegales Baumfällen zurück. Die in den Wäldern lebenden Wildkatzen – in der Größe von Luchsen – dienen ihnen als gelegentliche Fleischbeilage. Das Civet-Kaffee-Projekt eröffnet neue Alternativen: Die Bauern werden zu Beschützern dessen, was sie zuvor zerstörten.

Aufwändige Produktion

Die Produktion des Civet-Kaffees ist sehr aufwändig und erfordert viel Genauigkeit und Zeit. Die nachtaktive Civet-Katze, von der der Kaffee auch seinen Namen hat, frisst nur die süßesten und reifsten Kaffeefrüchte und scheidet diese dann aus. Der braune, zu kleinen Haufen zusammengepresste Kot kann dann von den Bauern am nächsten Morgen eingesammelt werden. Die im Magen der Katze stattfindende Fermentation entzieht den Kaffeebohnen die Bitterstoffe, wodurch der Civet-Kaffee seinen einzigartigen, milden Geschmack erhält.

Die Bohnen-Sammler müssen täglich auf großen Arealen auf Kaffeesuche gehen, um so eine gute Qualität garantieren zu können, denn bereits nach zwei Tagen beginnen die Kaffeebohnen zu faulen und der Kot wird von Würmern befallen. Eine andere Herausforderung besteht in der Unterscheidung von Civet- und  Vogelkot: Auch Vögel laben sich an den süßen Früchten, doch ihr Kot findet sich eher verstreut am Boden liegend. Das Sammeln erfordert also ein gewisses Know-how, das den Bauern zuvor vermittelt werden muss. Regelmäßige Kontrollen helfen, Verunreinigung auszuschließen und ein qualitativ hochwertiges Produkt zu gewährleisten.

Nach dem Sammeln des Civet-Kaffees wird er zweimal sorgfältig mit Flusswasser gewaschen und das Rohprodukt in der Sonne oder an der Luft getrocknet. Im Anschluss werden die Kaffeebohnen mit einem Holzstößel und einem Holzmörser gestampft, um sie von den Spelzen zu befreien. Auf Trampelpfaden gelangen die zum Export bereiten Kaffeebohnen von den Bergen ins Tal und zur Hauptstraße, entweder auf  von Carabaos, den philippinischen Wasserbüffeln, gezogenen Karren oder auf dem Wasserweg.Von dort geht es mit dem Bus weiter in das zwei Stunden entfernte Puerto Pricesa, die Hauptstadt Palawans. Nun kann der Kaffee die Schiffsreise in die deutsche Kaffeehauptstadt Hamburg antreten.

In Deutschland angekommen, wird der Rohstoff in der anthroposophischen Lebensgemeinschaft Kehna in Thüringen zu wertvollem Kaffee geröstet. So können auch wir in Deutschland einen Schluck Dschungel genießen – und einen Schluck Nachhaltigkeit. Durch die Zusammenarbeit von Koberwitz 1924 und der Gemeinschaft in Kehna – und durch den Kauf des Kaffees – wird auch eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd angestrebt: Durch die direkte Beziehung der Projektbeteiligten entsteht eine enge Beziehung zwischen Produzenten/Sammlern und Verarbeitern/Vermarktern. Die Protagonisten haben sich übrigens vor 33 Jahren auf dem Dottenfelderhof kennengelernt, wo ich aufgewachsen bin. ///

 

Die 100 Gramm-Dose kostet 20,- Euro ist ist direkt hier im Online-Shop der Khena-Rösterei bestellbar.