Teenie Leaks

Paul Bühre räumt auf. Eltern waren doch selbst mal jung, und jetzt glauben sie tatsächlich, alle Teenies seien unpolitische, desorientierte, pornoversuchte Monster, die hochgradig gefährdet Tag und Nacht in ihren Kinderzimmern die Zeit mit Egoshooter-Spielen verplempern, insofern sie nicht gerade dabei sind, sich auf der nächstbesten Party ins Koma zu saufen.

Zugegeben:  Wir fühlen uns zuweilen ertappt von diesem 15jährigen Jungautor, der sich mit „Teenie Leaks – Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ in die Herzen aller – ja welche Herzen eigentlich? – schreibt. Seine Enthüllungen machen Furore; er schreibt charmant und witzig, federt die harten Bälle galant ab,  immer ein wenig so wie beim Ping-Pong-Spiel, bei dem es eigentlich egal ist, wer gerade Aufschlag hat. Denn enthüllt werden hier nicht allein die Gedanken von Teenagern, sondern die Gedanken, die (über)besorgte Eltern sich um ihren Nachwuchs machen. Partys, Mädchen, Mediensucht: Paul Bühler schildert Begebenheiten, wie wir Eltern sie allesamt kennen, immer aber durchkreuzt er die Szene mit einem Hinweisschild, auf dem groß und deutlich „HALT“ steht. Nein: Teenies sind keine Plage, sie sind nicht per se unpolitisch, sie können sehr wohl differenzieren, zwischen Pornos und Verliebtheit, Büchern und Filmen, Eltern und Kumpels, guten und schlechten Computerspielen. Ein Ballerspiel, so Bühre, macht „dich genauso wenig zum Amokläufer, der seine gesamte Schule auseinandernimmt, wie Farmville dich nicht dazu bringt, ein friedliches Bauernleben anzustreben.“

Teenies brauchen, das wird deutlich, heute sehr viel mehr Differenzierungsvermögen als wir selbst es jemals mit 14 oder 16 Jahren brauchten, weil viel mehr von außen an sie herangetragen wird. Und weil sie mit so vielen Dingen aufgewachsen sind, die kennenzulernen wir eigentlich noch gar keine Zeit hatten, differenzieren sie anders, sinnvoller, wohlmöglich besser als wir. Zumindest aber weitaus unaufgeregter.  Dennoch: Gleichwohl wir ja gerne mal die Erleichterung verspüren, wenn uns so nachhaltig der Wind aus den Segeln genommen wird: Wir waren ja auch mal jung. Deshalb wissen wir, dass ein 15jähriger, der von sich aus niemals mehr als eine halbe Stunde Computer am Tag spielt, gerne mal ein alkoholfreies Bier nach dem Sport trinkt, ansonsten aber lieber auf Alkohol verzichtet und immer zur Selbstreflexion fähig ist, das Fiktionale nicht nur streift. Wir denken uns unseren Teil (über den wir jetzt nichts sagen). Unser Herz ist groß.