Dem Wasser auf der Spur: Geschäftsführer Gerhard Heid

Im 100. Jahr der Dreigliederung und der Mistel feiert als drittes Glied in der Kette das Unternehmen Sonett gleich zwei Jubiläen. Vor vierzig Jahren wurde es als Reaktion auf die erschreckenden Ergebnisse von Trinkwasseruntersuchungen gegründet. Ende der 1960er Jahre erfasste Johannes Schnorr, ein anthroposophischer Naturwissenschaftler, die Grundwasserverschmutzung in Deutschland durch synthetische Waschmittelrückstände, die biologisch nicht abbaubar waren und schon damals Flüsse, Fische und Organismen vergifteten.

Schnorr entwickelte daraufhin ein Waschkonzept im Baukastensystem mit den drei Komponenten Basiswaschmittel, Enthärter und Bleichmittel, das auf hundertprozentige Abbaubarkeit aller Inhaltsstoffe und durch eine gezielte Dosierung auf größtmögliche Rohstoffsparsamkeit angelegt war. Mit dieser Idee wuchs die Marke Sonett während der aufkommenden Biobewegung zum internationalen Vorreiter für ökologisches Waschen und Reinigen heran. Was Sonett aber nicht davor bewahren konnte, in den Achtzigern in eine gefährliche Schieflage zu geraten. Große Waschmittelhersteller brachten ebenfalls Baukastensysteme heraus, hinzu kamen selbst verschuldete Fehlentwicklungen, sodass Sonett  bei Großhändlern zunehmend ausgelistet wurde. 1992 übernahmen Beate Oberdorfer und Gerhard Heid aus einer dreigliedrigen Sozialinitiative heraus den angeschlagenen Betrieb. Das ist 25 Jahre her und erscheint heute als zweiter Geburtstag der Firma.

 

Partnerschaftliche Führung

 

Von Anfang an richteten sie ihre Unternehmensstrukturen auf Grundlage der Dreigliederung aus, bei der es ihnen vor allem um einen neuen Sozialen Organismus geht. Die Gestaltung des Wirtschafts-, Rechts- und Geisteslebens sei eine Aufgabe, „die als neues Leben zu formen ist“, sagt Gerhard Heid, „wobei die drei Glieder immer jeweils zusammengehören wie im Organismus die Organe.“ Erkrankt ein Organ, ist schnell der ganze Organismus betroffen. Das heißt, hakt es beispielsweise im Sozialen, wirke sich das negativ aufs ganze Geschäft aus. Einfach nur wahrzunehmen und zu modifizieren, genüge dann nicht mehr. „Wenn man aber Dreigliederung versucht zu organisieren, ist man auf dem falschen Feld. Weil ein Organismus nicht zu organisieren ist. Der wächst.“ Wichtiger sei es, sich dem Wesen und nicht nur den Gliedern des Organismus zuzuwenden.

Die beiden Geschäftsführer verstehen ihr Unternehmen und die Unternehmenswerte nicht als Privatbesitz. Beate Oberdorfer, gelernte Lebensmittelchemikerin, sieht sich für die Entwicklung neuer Produkte zuständig, Gerhard Heid, Diplom-Kaufmann, für betriebswirtschaftliche Fragen. Beiden kommt es aber vor allem darauf an, die Prozesse, egal ob chemischer, finanzieller oder anderer Natur, gemeinsam zu regeln. Es sei kein Ideal, sondern gängige Praxis, so Heid, Sonett „partnerschaftlich  zu führen.“ Dies verhindere Kompromisse oder ein Nebeneinanderherwirtschaften mit Ressortaufteilungen.

Verwirbelungs-Phänomene sind für die Herstellung wichtig: Geschäftsführerin Beate Oberdorfer

Potenziell können auch MitarbeiterInnen bei allen Prozessen mitbestimmen. Denn, so Gerhard Heid: „Wir gehen vom Ideal aus: Jeder Mensch ein Unternehmer. Das verstehen wir unter Persönlichkeitsentwicklung.“ Jeder, der seine eigene Initiative entwickelt, ist Unternehmer. Beate Oberdorfer fügt hinzu: „Bei uns stehen dem, der aus Einsicht handeln will, alle Türen offen.“ Einsicht orientiere sich nicht an Meinungen, sondern daran, was das Unternehmen braucht. Das stehe im Zentrum ihres Organismus-Begriffs. „Organismus ist das Geschehen eines Lebewesens.“ Alles, was lebt, sei dreigliedrig. So auch das Wesen Sonett, an dem sich alle betrieblichen Entscheidungen und Entwicklungen orientieren.

 

Sorge um Wasser und Rohstoffe

 

Wobei das eigentliche Anliegen von Sonett jedoch nicht die Sozialprozesse sind, sondern die Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln. In Anlehnung an Rudolf Steiners landwirtschaftliche Präparate wurde ein eigenes im Oloid rhythmisiertes Waschmittelpäparat entwickelt, erläutert Beate Oberdorfer. Sinn dieses Präparates ist es, Lebenskräfte wieder in die Natur zurückzuführen, „da wir für das Kulturgut ‚Waschen‘ die Oberflächenspannung des Wassers erst einmal zerstören müssen.“

Weder die Natur noch die Mitarbeiter sollen ausgebeutet werden, sondern das Unternehmen ist für die Natur, die Mitarbeiter und die Kunden da. So können sich ehemalige Gegensätze zu einem neuen Aggregatzustand verdichten.

Seit Jahren ist ihnen bewusst, dass die Plastikflaschen, in denen sie ihre Produkte abfüllen, die ökologische Schwachstelle ist. Beate Oberdorfer: „Wir versuchen, das Polyethylen in den Flaschen durch Kalk- und Holzanteil wenigstens zu verringern.“ Das sei aber nicht die Lösung. „Im Grunde müssten wir die Flaschen recyceln.“ Doch über den gelben Sack kämen synthetische Duftstoffe in die Flaschen. Um dieses Rezyklat auszuwaschen oder geruchsneutral zu machen fänden momentan Versuche statt. Auch aus Zuckerrohr könne Polyethylen hergestellt werden. Das Verfahren fördere jedoch Monokulturen und Gentechnik, so dass die frühere Zauberformel „nachwachsende Rohstoffe“ zum Schimpfwort avanciere.

Selbstverständlich will und muss ein Unternehmen Gewinn machen. Es sei seine Aufgabe im Sozialen Organismus Überschuss und Wohlstand zu bilden. Der Gewinn gehöre allerdings weder den Unternehmern, den Kapitalgebern noch den Mitarbeitern. Er gehöre allen, die am Wertentstehungs- und Verbrauchsprozess beteiligt sind, insbesondere auch den Kunden, sei also eine Gemeinwohlangelegenheit.

Beate Oberdorfer, Gerhard Heid und Peter Tontsch haben ihre Anteile an der Sonett GmbH der gemeinnützigen Stiftung Sonett übertragen, so dass die Gewinne im Betrieb bleiben oder in die Gemeinnützigkeit überführt werden und das Unternehmen von Vererbung und Verkauf befreit ist.

 

Neue Schritte

 

In Zusammenarbeit mit der Delos Forschungsstelle und Wolf-Ulrich Klünker entsteht zurzeit ein gänzlich neues Tätigkeitsfeld: das Verfahren zur Mistelverarbeitung im fluidischen Oszillator zu kosmetischen Hautölen und Lotionen (siehe auch „Eine neue Natur aus geistiger Übernatur schaffen“ in „Info3“ Februar 2017). „Mit den Mistelölen greifen wir in einen Bereich, der traditionell durch die anthroposophische Krebstherapie belegt ist“, sagt Gerhard Heid. „Doch wir wollen Produkte herstellen, die allgemeinmenschlich wirken, also nicht an sich, sondern nur, wenn ihnen etwas entgegengebracht wird. Nicht der Stoff allein, sondern sein Aufschluss mittels der Oszillationstechnik bildet ein Resonanzfeld für das, was in jedem Menschen lebt: das Potenzial individueller Ich-Aktivierung. Durch die Sensibilisierung und Zusammenführung ursprünglicher Polaritäten entsteht neue Wirklichkeit. Der Oszillator bildet für dieses Geschehen eine Repräsentanz und führt dadurch die Mistel in einen neuen Zustand über.“ Alles organische Leben der Natur verliere aber zunehmend seine Lebendigkeit. „Unsere Aufgabe ist es, neues Leben zu schaffen“, sagt Gerhard Heid. Beate Oberdorfer ergänzt: „Ich-geführt.“ Auch dieser Schritt ist dreigliedrig. ///

 

 

Sympathisches Filmporträt der Deutschen Welle über Sonett: