© Theodor Hundhammer

© Theodor Hundhammer

Vor ein paar Jahren schon, im Winter 2010, begannen Theodor Hundhammer und seine Partnerin Monika Birkhofer mit den ersten Experimenten zur Eurythmie auf Skiern. Hundhammer, gebürtig aus Oberbayern und nach einer skifreien Lebensphase in Norddeutschland mittlerweile wohnhaft in der Schweiz, probierte zunächst eher spielerisch aus, ob er seinen Spaß am Skifahren nicht mit seiner Profession, der Eurythmie, verbinden könnte. Schon bald hatte er den Eindruck, einer lohnenden Spur zu folgen: Bestimmte eurythmische Gebärden intensivierten nicht nur sein Fahrerlebnis, sondern schienen ihm auch in ihrer Wirksamkeit unmittelbar erlebbar. Seitdem beschäftigt er sich systematischer mit den Möglichkeiten, Skifahren und Eurythmie zu verknüpfen.

Sein eigener Weg zur Eurythmie war alles andere als geradlinig. Die Leidenschaft fürs Segelfliegen führte ihn zunächst zu einem Maschinenbau-Studium, das er jedoch „auf der Suche nach dem Sinn des Lebens“, wie er selbst sagt, für längere Zeit unterbrach. Auf Stationen als Bühnenhelfer am Goetheanum (wo er die Anthroposophie kennenlernte), ein Jahr in der Heilpädagogik und eine Ausbildung zum Waldorf-Erzieher folgte dann doch der Abschluss des Studiums. Hundhammer arbeitete einige Jahre als Ingenieur bei der WALA, doch seine Suche ging weiter: 1994 begann er ein Eurythmie-Studium in Holland und Amerika. „Schon damals hatte ich das Gefühl: Wenn ich Eurythmie studiere, dann muss ich die Eurythmie finden, die mich selbst interessiert“, erzählt er. Nach einer Zeit als Eurythmielehrer an einer Waldorfschule schloss er noch eine Heileurythmie-Ausbildung an; schließlich gründete er eine Heileurythmie-Praxis im schweizerischen Bern und Biel.

Mit dem „I“ die Kanten schräger setzen

Skifahren und Eurythmie zusammenzubringen – wie kam ihm diese Idee? „Man muss sich schon ein bisschen überwinden“, gibt Hundhammer zu. „Einfach nur den Hang runterzubrettern ist zunächst einmal das, was am meisten Spaß macht. Nimmt man die Eurythmie dazu, dann kommt da plötzlich der Kopf mit herein.“ Nach einer ersten Phase des Ausprobierens und der Vorbereitung war er jedoch überrascht: „Das Erstaunliche war, dass ich gemerkt habe, dass sich alle Gebärden unterschiedlich verhalten. Wenn ich auf einer vereisten Piste ins Rutschen gerate und die Bewegung für das I in Richtung des Hangs mache, dann setze ich die Kanten automatisch schräger in den Boden, ohne die Knie stärker einzusetzen – die Wirkung kommt aus der Gebärde heraus.“ In seinen Augen erfordert die Ski-Eurythmie geradezu zwangsläufig einen Dialog zwischen unten und oben – und hilft damit, die eigene Mitte zu finden. „Die Eurythmie wendet sich an den oberen Menschen, an das Geistige in uns“, erläutert er. „Um in die Mitte zu gehen brauchen wir jedoch auch die körperliche Seite, die beim Skifahren im Vordergrund steht.“

© Theodor Hundhammer

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Nun gilt das (Abfahrt-)Skifahren nicht gerade als besonders achtsame oder meditative Sportart – wie verträgt sich das Image von Pisten-Halligalli und Après-Ski mit einer sich oftmals eher „heilig“ gebenden Ausdruckskunst wie der Eurythmie? Hundhammer zumindest hat keine Berührungsängste: „Mein Grundanliegen ist es, mich mit der Eurythmie auseinanderzusetzen und zu ihrer Verbreitung beizutragen“, unterstreicht er. „Eurythmie auf Skiern ist einer von vielen denkbaren Bausteinen für einen neuen Zugang.“ Im Gespräch wird deutlich: Für Hundhammer ist die Eurythmie mehr als nur ein ästhetisches Phänomen, ihm geht es vor allem darum, die Wirksamkeit der ihr innewohnenden Kräfte zu vermitteln. „Viele Menschen können diese Kräfte heute erleben. Man sagt immer so leicht dahin, dass die Menschen heute über die Schwelle gegangen seien, doch die damit verbundene neue Wahrnehmungsfähigkeit wird methodisch kaum aufgegriffen.“ Andere Vermittlungsformen seien nötig, deshalb ist es ihm wichtig, das Konzept der Skieurythmie soweit darzustellen, dass jede und jeder einfach selbst ausprobieren kann, wie sich die Sache anfühlt. Videos und ausführliche Beschreibungen auf der Website helfen auch Anfängern schnell auf die Sprünge, ein Übungsbuch liefert weitere Hintergrundinformationen und Anregungen.

Instant-Eurythmie für Individualisten?

Die Ski-Eurythmie zeige, so Hundhammer, dass man auch ohne langjährige Eurythmie-Ausbildung ausdrucksstarke und „wirklich schöne“ Eurythmie machen könne. Seine Partnerin Monika Birkhofer etwa habe auch ohne größere Vorkenntnisse überraschend schnell zu formvollendeten Gebärden gefunden: „Das ist das Neue an der Ski-Eurythmie, sie zeigt uns: Jeder Mensch ist ein Eurythmist! Man muss Eurythmie nicht lernen, sondern sie nur entdecken, sie ist sofort da.“ Handelt es sich also um eine Art Instant-Eurythmie für uns Individualisten im Zeitalter der Bewusstseinsseele? Hundhammer lacht, der Ausdruck „Instant-Eurythmie“ gefällt ihm. Und er scheut sich nicht, mit seiner Idee in die Offensive zu gehen: Vor ein paar Wochen hat er auf seiner Website jede Menge Info-Material sowie ein längeres Video eingestellt, mehrere kostenlose Schnupper-Events in den nächsten Wochen wollen die Neugierde wecken, ein Video-Wettbewerb und eine Facebook-Seite laden zur Vernetzung ein. „Mein Projekt heißt ‚Eurythmie für Millionen‘ – das schaffe ich nicht alleine!“, gibt er nicht ohne Selbstironie zu. „Es geht mir nicht darum, die Sache an mich zu reißen, sondern die Idee so zu verbreiten, dass an möglichst vielen Orten möglichst viele Menschen das Ganze weiterentwickeln.“

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Mehr Informationen und Termine von Kennenlern-Events an verschiedenen Orten, darunter auch im Schwarzwald gibt es auf der Website http://skieurythmie.ch/

 

1. Einführung from Theodor Hundhammer on Vimeo.

Zum Weiterlesen:
Theodor Hundhammer: Eurythmie auf Skiern. BoD – Books on Demand, ISBN 978-3-7392-1781-9