Foto: Silke Mondovits

Foto: Silke Mondovits

Zum zweiten Mal hat die Stiftung Lauenstein ihren Förderpreis für Projekte vergeben, die sich in besonderer Weise um das Thema Sport und Bewegung für Menschen mit Assistenzbedarf verdient gemacht haben. „Sport und Bewegung ist ausschlaggebend für eine gute Gesundheits­vorsorge“, erklärte Lauenstein Vorstand Manfred Barth bei der Preisvergabe. „Wichtige Kriterien für uns waren, dass es Angebote für Menschen mit höherem Hilfebedarf sein sollten, dass sie Vorbildfunktion hatten und dass im Sinne der Inklusion niemand ausgeschlossen sein durfte.“

Am überzeugendsten erschien der vierköpfigen Jury, zu der auch Info3-Chefredakteur Jens Heisterkamp gehört, die Hermann Jülich Werkgemein­schaft mit ihrem jährlichen Radevent „Rund um Hamfelde“. Dort hat sich eine Radsportgruppe etabliert, die aus rund 25 behinderten Bewohnern und den Radsport-Profis des Teams Hamfelder Hof besteht und die jährlich eine öffentliche Radrundfahrt organisiert.  Genauso wie beim wöchentlichen ganzjährigen Training handelt es sich um eine Partner-Rundfahrt, in der die Betreuten das Tempo angeben und jeweils von einem Radsportler des Teams Hamfelder Hof begleitet werden. In diesem Jahr starteten 60 behinderte Radsportler jeweils mit einem Profi-Partner. Die Radsportler mit Behinderungen und ihre Partner wählen dabei aus einem Angebot von Zweirad, Dreirad, Tandem, Paralleltandem oder Rollfiets selbstbestimmt nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen ihre Fortbewegungsmittel aus. Am Ende des Events ist jeder Sieger – egal, ob er selbständig gefahren ist oder auf einem Fahrradanhänger begeistert seinen Partner angefeuert hat. Ein beeindruckender Film zeigte, wie hier jeder nach seinen Möglichkeiten sein Bestes gibt.

Als zweiter Preisträger wurde der Werkhof am Park Schönfeld in Kassel ausgezeichnet, der für die Preisübergabe auch die Rolle des Gastgebers übernommen hatte. Überzeugend an dem Kassel Angebot erschien die große Breite des Angebots und die Integration von Bewegung in den Alltag der hier lebenden und arbeitenden Menschen. „Selbst diejenigen, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung an den verschiedenen Bewegungsangeboten nicht eigenaktiv teilnehmen können, werden ihren Möglichkeiten entsprechend unter­stützt“, begründete Manfred Barth die Entscheidung.

Als dritter Preisträger durfte sich die Gemeinschaft ODILIA für seelenpflegebedürftige Menschen aus Halle in Westfalen freuen. Sie bietet unter dem Titel „Pferd bringt Bewegung“ seit fünf Jahren das heilpädagogische Reiten für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen an. „Wir haben einen 12jährigen Jungen bei uns, von dem wir nicht genau wissen, was er sieht, hört und fühlt. Er kann nicht sprechen, als er zu uns kam schrie er viel und schlug die Türen. Auf Amey, unserer großen Stute, reagierte er unvermutet still, sensibel und einfühlsam. Während er sich zunächst nur zu zweit aufs Pferd traute, sitzt er zwischenzeitlich voller Stolz  aufrecht allein entspannt auf dem Pferderücken – gern auch rückwärts“, erzählte die Reittherapeutin.

Der Stiftung Lauenstein-Preis 2015 soll für Sport- und Bewegungs-Projekte für ältere Menschen mit Behinderung vergeben werden. Näher zur Bewerbung bei der Geschäftsstelle der Stiftung.