Im September 2010 wurde von dem derzeitigen Schatzmeister der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG), Cornelius Pietzner, eine Stiftung mit dem Zweck gegründet, dringend benötigte Finanzmittel für das Goetheanum zu beschaffen. Diese „Goetheanum-Stiftung“ – juristisch unabhängig von der Anthroposophischen Gesellschaft – soll einerseits Spenden einwerben, anderseits durch die Kooperation mit einer intentional verbundenen, aber gewerblich operierenden Investmentgesellschaft, der Alterra AG, aus Differenzgewinnen gespeist werden, die die Alterra AG im „private equity“-Sektor generieren will. Im Klartext bedeutet das, es soll unter Nutzung des Namens und des Ansehens des Goetheanums ein möglichst niedrig verzinster Kapitalstock von 30 bis 50 Millionen Schweizer Franken von Investoren eingeworben werden, der dann, höher verzinst, anderweitig angelegt wird; der Differenzgewinn fließt in die Stiftung, beziehungsweise dem Goetheanum zu.

Vier prominente Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft – Wolfgang Gutberlet, Dr. Benediktus Hardorp, Prof. Dr. Götz Rehn und Prof. Götz Werner – haben sich aus diesem Anlass zu einer „Initiativgruppe Namensschutz“ zusammengetan und kritisieren die beabsichtigte Verquickung der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Praxis des Investmentbankings. Gegenstand der Kritik ist auch die Übertragung des Namens „Goetheanum“ auf die von Cornelius Pietzner gegründete Stiftung, die ohne eigentlich notwendige Zustimmung der Mitgliedschaft der AAG vorgenommen wurde und von den Initiativmitgliedern als Eingriff in de spirituelle und vermögensrechtliche Substanz der Gesellschaft verstanden wird.

Auf der am 16. April stattfindenden diesjährigen Mitgliederversammlung der AAG wird die Initiativgruppe einen entsprechenden Antrag stellen, der sich formal auf die Namensnutzung bezieht. In einem Info3 vorliegenden Entwurf des Antrages wird der Vorstand der AAG aufgefordert, „alles in seiner rechtlichen und sonstigen Macht Stehende zu tun, um die Übertragung des Goetheanum-Namens auf die Goetheanum-Stiftung (…) unverzüglich zurückzunehmen“. In der ausführlichen Antragsbegründung heißt es unter anderem mit Blick auf das beabsichtigte Equity-Geschäft: „Solche ‚Abschöpfungs-Ergebnisse’ stammen allerdings aus den Lebens- und Arbeitsleistungen zumeist nicht mit den Zielen des Goetheanums und der Anthroposophischen Gesellschaft verbundener Menschen. Sie werden ohne deren Kenntnis oder Einverständnis auf diese Weise für die anthroposophischen Ziele des Goetheanums verfügbar gemacht. Das dürfte anthroposophisch-sozialwissenschaftlich wie menschlich zweifelhaft sein.