Logo homeopathy, alternative medicine # VectorEin Lieblingswort von FAZ-Autorin Martina Lenzen-Schulte heißt offenbar „Quacksalber“ und wurde von ihr nicht zum ersten Mal zur Antitelung von Homöopathie-kritischen Texten verwendet. Unter der Überschrift „Ritterschlag für Quacksalber“ präsentiert sie nun in der Ausgabe der FAZ vom 8. Januar (Rubrik Natur und Wissenschaft) einen Artikel von Christian Weymayr zum „Umgang der Evidenz-basierten Medizin mit homöopathischen Arzneimitteln“, der demnächst in einer Fachzeitschrift erscheinen wird. 

Zum Hintergrund: Seit Jahren fordern Schulmediziner, die Homöopathie solle endlich Beweise für ihre Wirksamkeit nach den Regeln der Evidenz-basierten Forschung vorlegen – das heißt also mit Hilfe zufalls-verblindeter Studien, in denen neben den homöopathischen Medikamenten Kontrollgruppen mit reinen Placebos integriert sind. Weil die Homöopathie (ebenso wie die Komplementärmedizin insgesamt) nicht nur immer stärker von Patientenseite nachgefragt wird, sondern weil es in jüngster Zeit  an medizinischen Hochschulen immer mehr durchgeführte Studien genau dieser Art gibt – und zwar teilweise mit dem Ergebnis von Wirksamkeitsnachweisen für die Homöopathie! – , ändern deren Kritiker nun offenbar ihren Kurs: Weymayr, Autor eines Buches mit dem vielsagenden Titel „Die Homöopathie-Lüge“, wirft jetzt die Frage auf, ob es überhaupt sinnvoll sei, „derzeit übliche Nachweismethoden der Evidenz-basierten Medizin auf die Homöopathie zu übertragen“. Im Klartext: Da es sich ohnehin um offensichtlich unwissenschaftliche Ansätze handle, soll künftig die Homöopathie gar nicht mehr als „scientabel“, also wissenschaftlich verhandelbar gelten. Die Strategie ist sonnenklar: Weil die Forderung nach randomisierten Studien offenbar nach hinten losgegangen ist, sollen nicht etwa die bestehenden Feindbilder hinterfragt, sondern die ohnehin als „Betrüger“ Denunzierten von diesen Verfahren ausgeschlossen werden. Und plötzlich sind auch die viel gelobten randomisiert-kontrollierten Methoden gar nicht mehr das Non plus ultra medizinischer Forschung: „Sie (diese Methoden) sind fehleranfällig und als Methode nicht davor gefeit, Ergebnisse zu produzieren die auch dort Wirksamkeit attestieren, wo vielleicht keine ist.“ Aha.

Man muss nicht einmal Anhänger der Homöopathie sein um zu durchschauen, was hier vorgeht. Ein wissenschaftstheoretischer Salto-Mortale wie hier in der FAZ vorgestellt ist ein dreister Schlag ins Gesicht für jedes vernünftige Denken und hat mit Wissenschaft nicht das Geringste zu tun.

Christian Weymayr, Scientabilität – ein Konzept Umgang der Evidenz-basierten Medizin mit homöopathischen Arzneimitteln, in: Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) Bd. 107, S. 606