bluetenpollen

Heuschnupfen ist eine Zivilisationskrankheit, unter der heute rund jeder Fünfte in Deutschland leidet. Sie wurde erstmals 1872 in den USA und 1900 in England und Deutschland beschrieben und ist vor allem in den städtischen Räumen der industrialisierten Länder weit verbreitet. Dort nimmt sie beständig zu und beginnt häufig schon im Kindesalter. Sie ist oft mit weiteren Erkrankungen wie Bronchialasthma, Neurodermitis, Nahrungsmittelallergie und chronischer Nasennebenhöhlenentzündung vergesellschaftet. Zugrunde liegt öfter eine konstitutionelle Schwäche, die man auch „allergische Diathese“ nennt. Betroffenen fällt es schwer, sich mit Haut und Schleimhäuten ausreichend abzugrenzen. Sie reagieren daher überschießend auf Umwelteinflüsse; beim Heuschnupfen sind Pollen (Blütenstaub) der Auslöser die Entzündung.

Allergieneigung wird häufig geerbt, aber durch Umwelt und Lebensweise begünstigt. Auf der einen Seite sind es kaum vermeidbare Luftschadstoffe wie Feinstaub, Abgase und Zigarettenrauch, auf der anderen Lebensstilfaktoren wie Über- und Fehlernährung (Fast Food), Bewegungsmangel und Stress, welche die Allergie-Entwicklung begünstigen. Positiv wirkt es sich hingegen aus, wenn Kinder gestillt wurden. Bereits Rudolf Steiner hatte darauf hingewiesen, wie wichtig Bewegung bei Heuschnupfen ist. Regelmäßiger Sport, Wandern und andere Freiluft-Aktivitäten schützen. Stubenhocker und Couch-Potatos dagegen sind besonders gefährdet, denn körperliche Inaktivität und Reizüberflutung, z.B. bei übermäßigem passivem Medienkonsum, wirken sich negativ aus. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich der Organismus mit dem Heuschnupfen nicht nur gegen die Pollen wehrt, sondern auch gegen die Überforderung durch zu viele Reize und Informationen auf einmal.

Die wichtigsten Pollen sind (in Klammern die Pollenflugzeit):

  • Weide, Erle, Haselnuss (Januar – März, manchmal bereits Dezember)
  • Birke (April/Mai)
  • Gräser und Roggen (Juni – August)
  • Beifuß und Wegerich (August/ September)

Darüber hinaus können ganzjährige Beschwerden ausgelöst werden durch vielfältigste Stoffe wie Kot von Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilzsporen,

Nahrungsmittel und Berufsallergene wie Mehl und Holzstaub. So weit wie möglich sollten die auslösenden Allergene gemieden werden.

In der Schulmedizin stehen zahlreiche Mittel zur Verfügung, welche die allergische Reaktion unterbinden, außerdem Immuntherapien, bei denen Allergie-auslösende Stoffe in steigenden Dosen gespritzt oder eingenommen werden, was nach monate- oder meist jahrelanger Anwendung zu einer Besserung führen kann. Allerdings entwickeln sich in den Folgejahren häufig Allergien gegen andere Stoffe, da die zugrundeliegende Disposition („allergische Diathese“) ja nicht behandelt wurde.

Die Anthroposophische Medizin hat für allergische Erkrankungen, vor allem Heuschnupfen, ein Mittel zur Verfügung, das noch von Rudolf Steiner entwickelt wurde. Es handelt sich um ein Ampullenpräparat, das heute unter den Namen Gencydo (Weleda) oder Citrus e fructibus/Cydonia e fructibus (Wala) angeboten wird. Beim Heuschnupfen (und anderen Allergien) kommt es zu einer Entzündungsreaktion mit Ausschüttung verschiedener Botenstoffe. Dabei treten die Körperflüssigkeiten in unkontrollierter Weise „über die Ufer“, was sich als Schleimhautschwellung und vermehrte Flüssigkeitsbildung (Schleim und Tränen) zeigt. Diesem Prozess des zentrifugalen Auseinandergehens ist die zusammenziehende Wirkung von Gencydo bzw. Citrus e fructibus/Cydonia e fructibus polar entgegengesetzt. Es handelt sich um eine Komposition aus Zitrone und Quitte.

Die Zitrone (Citrus limon) ist eine alte Kulturpflanze, die wie die anderen Zitruspflanzen aus Asien stammt und seit dem Mittelalter am Mittelmeer kultiviert wird. Zitrusfrüchte grenzen sich mit ihren festen, lederartigen Schalen deutlich nach außen ab. Die Fruchtbildung erfolgt von außen nach innen (zentripetal), indem die Saftschläuche von einem die Fruchtsegmente umgebenden dünnen Häutchen (Endokarp) zum Mittelpunkt der Frucht hin wachsen. Unter den Zitrusfrüchten zeichnet sich die Zitrone durch ihren sehr sauren, zusammenziehenden Saft auf. Während andere Früchte während der Reife Süße entwickeln, bleibt die Zitrone sauer. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich Zitronensaft als Abgrenzung und Zusammenziehung fördernde Substanz bei allergischen Reaktionen von Schleimhäuten und Atemwegen. Auch die Quitte hilft, überschießende Flüssigkeitsprozesse zu begrenzen. Schon Hildegard von Bingen hat sie bei  übermäßigem Speichelfluss empfohlen. Im Gegensatz zur kühlenden und erfrischenden Zitrone hat die Quitte wärmende, trockene und entlastende Qualitäten. Außerdem stabilisiert der Quittenschleim die Säure des Zitronensafts. Somit verstärkt und ergänzen sich die Wirkungen von Zitrone und Quitte.

Gencydo ist in verschiedenen Konzentrationen verfügbar und wird unter oder in die Haut gespritzt, meist in den Nacken durch den Arzt. Für die Selbstinjektion (nach ärztlicher Anleitung) eignen sich besonders die Oberarme. Im Januar oder Februar werden Ampullen der niedrigsten Konzentration von 0,1 % injiziert, in der Regel einmal wöchentlich. Die Injektionen können brennen. Der Organismus wird so schon im Winter angeregt, sich ausreichend abzugrenzen. Wenn dann, sobald es wärmer wird, die ersten Beschwerden einsetzen, wird auf höhere Konzentrationen übergegangen und häufiger gespritzt – bis zu täglich. Diese nebenwirkungsfreie Behandlung führt in vielen Fällen zum Erfolg – bis hin zum langfristigen Verschwinden von Allergie und Allergieneigung.

Ergänzend oder alternativ zur Spritzentherapie kann Heuschnupfenspray Weleda  (ebenfalls Zitrone + Quitte) eingesetzt werden und bei Augensymptomatik Gencydo 0,1 % Augentropfen. In der beschwerdefreien Zeit vorbeugend 1 x täglich Heuschnupfenspray in beide Nasenlöcher geben und 3 x wöchentlich Gencydo 0,1 % Augentropfen.

Achtung! Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Weder der Autor noch der Verlag übernehmen eine Garantie oder Haftung für seinen Inhalt.

 DR. MED. FRANK MEYER ist integrativer Hausarzt in Nürnberg und Gesundheitsautor.

Bücher zum Weiterlesen und Vertiefen: „Das Geheimnis der Metalle“ (Info3-Verlag 2012) und „Besser leben durch Selbstregulation. Ein heilsamer Begleiter durch Gesundheit und Krankheit“, (Info3-Verlag 2013).