Die Pläne für eine Übernahme des Ökotextil-Pioniers hessnatur durch die Mitarbeiter-Genossenschaft hnGeno scheinen zerschlagen: Am 1. Juni meldete die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis den Kauf den Unternehmens. In einer Pressemitteilung schreibt das Unternehmen: „Mit grossem Respekt vor der geschaffenen und gelebten Vision des Gründers Heinz Hess möchten wir gemeinsam mit den Führungskräften und Mitarbeitern das Unternehmen am Standort Butzbach in seiner spezifischen Identität mit seinen Werten bewahren und perspektivisch mit Augenmass weiter entwickeln.“

Zweifel an nachhaltigem Interesse

An einem nachhaltigen Interesse der Private Equity-Gesellschaft Capvis an hessnatur gibt es  allerdings Zweifel. Johannes Mosman, der seit einigen Monaten mit dem Konsumentenportal wir-sind-die-konsumenten.de für die Unterstützung der hnGeno wirbt, hat die bisherigen Geschäfte des Schweizer Unternehmens analysiert. Auf der Website des Instituts für soziale Dreigliederung schreibt er: „Die Laufzeit einer ‚Investition‘ dieser Gesellschaft beträgt in der Regel drei bis fünf Jahre, danach wird das Unternehmen weiterverkauft. Bis dahin muss es profitabler gemacht werden, d.h.: die Rendite muss vergrößert, die Lohnkosten gesenkt, Arbeitsplätze müssen verlegt werden, und vieles mehr.“ Mosmanns ernüchternde Bilanz: „Von den 26 Unternehmen, die Capvis in den vergangenen Jahren ‚in die Zukunft‘ führte, hat keines eine Gegenwart mehr, zumindest nicht im Sinne eines eigenständigen Unternehmens.“

Noch am 30. Mai hatte die zur genossenschaftlichen Übernahme hessnaturs gegründete hnGeno den Zusammenschluss mit der Deutschen Industrie Holding DIH bekannt gegeben – beide Partner hofften, in der nächsten Verkaufsrunde hessnatur erwerben zu können. Im vergangenen Jahr war das Bieterverfahren um das Vorzeige-Öko-Unternehmen, das sich im Besitz der Primondo Speciality Group (PSG) befindet, gescheitert. Im Frühjahr 2011 hatten Kunden und Mitarbeiter gemeinsam mit Vertretern von Attac, dem Netzwerk Solidarische Ökonomie und der Kampagne für Saubere Kleidung die hnGeno als Genossenschaft zur Weiterführung von hessnatur gegründet, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen an den Private Equity Fonds Carlyle verkauft werden sollte. Mitarbeiter und Kunden empfanden es als unzumutbar, dass der ursprünglich anthroposophisch geprägte Vorreiter in Sachen Ökomode künftig unter dem Dach eines Konzerns weitergeführt werden könnte, der unter anderem auch im Rüstungsgeschäft aktiv ist. Carlyle hatte schließlich von seinen Kaufabsichten Abstand genommen.

Protest geht weiter

Auch angesichts der jüngsten Entwicklung will sich die hnGeno nicht geschlagen geben, Unterstützer Johannes Mosmann ruft die hessnatur-Kundinnen und Kunden zum Protest auf: „Viele Kunden haben sich auf wir-sind-die-konsumenten.de unmissverständlich über ihr Kaufverhalten in Bezug auf hessnatur-Produkte im Falle einer Übernahme durch einen Spekulanten ausgesprochen. Falls diese Kunden auch meinen, was sie sagen, wird es für Capvis ungemütlich“, schreibt er. „Es wäre also möglich, dass der Wert der Beute jetzt unter den Händen des Spekulanten zerrinnt.“

Dennoch: Die Erfolgsaussichten sind fraglich, denn die PSG schließt Nachverhandlungen aus. Laut dpa-Meldung reagierte ein Unternehmenssprecher „erstaunt“ auf die Ankündigung der hnGeno, auch nach dem Verkauf noch weiter bieten zu wollen. „Man sei rechtlich an den Kaufvertrag mit dem Schweizer Investor Capvis gebunden und nehme kein Angebot mehr an, erklärte der Primondo-Mann. ‚Hessnatur ist verkauft.‘“ Die kartellrechtliche Zustimmung stehe zwar noch aus, sei aber „nur eine Formsache“, man rechne damit, dass das Geschäft in „vier bis sechs Wochen“ abgeschlossen sei.