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Von Petra Kühne

„Gut fürs Herz“ oder „stärkt die Knochen“ konnte man früher auf manchen Lebensmittel-Etiketten lesen. Solche unklaren werblichen Aussagen, die oft gar nicht begründbar waren und selten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhten, sind seit etlichen Jahren nicht mehr zulässig. Um aber weiterhin den Verbrauchern konkrete Informationen über nachweislich gesundheitliche Wirkungen von Lebensmitteln zu geben, wurde 2007 die Health-Claims-Verordnung geschaffen.

 

Nur geprüfte Gesundheitsaussagen sind zulässig

Gesundheits- und auch nährwertbezogene Aussagen dürfen seitdem nur noch dann gemacht werden, wenn die EFSA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, dies mit der Vergabe eines sogenannten „Health Claims“ erlaubt. Die Firmen müssen dazu ihre Werbeaussagen mit entsprechenden wissenschaftlichen Studien einreichen. Nach Inkrafttreten der Verordnung wurde die EFSA von Anträgen überschwemmt – bis zu 80 Prozent wurden abgelehnt. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von zulässigen Health Claims. Man unterscheidet zwei Arten: die gesundheitsbezogene Aussage, die sich auf die Wirkung eines Nährstoffs bezieht, der Bedeutung hat für „Wachstum, Entwicklung und Körperfunktionen oder deren physiologischen Funktion“, und zum anderen die Aussage, dass durch ein Lebensmittel mit bestimmten Nährstoffen ein Krankheitsrisiko vermindert werden kann. Hafer etwa hat einen Health Claim erhalten, da seine Kleie lösliche Ballaststoffe (Beta-Glucane) mit positiven Wirkungen aufweist: „Beta-Glucan verringert nachweislich den Cholesteringehalt im Blut.“ Ergänzend muss darauf hingewiesen werden, dass ein hoher Cholesterinwert ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen ist und dass täglich mindestens drei Gramm Hafer-ß-Glucan gegessen werden müssen, um die positive Wirkung zu erreichen – was 80 Gramm Haferflocken oder 40 Gramm Haferkleie entspricht. Der Health Claim hat den Verkauf von Haferkleie gesteigert.

 

Gewinnträchtige Grauzone

Es gibt aber weiterhin etliche umstrittene Health Claims. So kann der Zusatz eines Nährstoffs, etwa von Eisen, zu einem Fruchtsaft den Health Claim begründen – den gleichen Effekt hat aber auch ein zugesetztes Vitamin in einem zuckerreichen Bonbon. Zwar sollen ernährungsphysiologisch ungünstige Lebensmittel laut Verordnung keine positive Gesundheitsaussage erhalten, doch dazu müssten „ungünstige Lebensmittel“ zunächst verbindlich definiert werden. Seit Jahren gibt es Pläne für entsprechende Nährwertprofile, die Höchstwerte z.B. für den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt festlegen, doch wurden diese bisher nicht erstellt.

Diese Lücke nutzen Firmen, die den werbewirksamen Health Claim wegen einzelner Nährstoffe auch für ansonsten fragwürdige Produkte verwenden. Ebenfalls bedenklich ist, dass zwar der Gehalt einzelner Nährstoffe geprüft wird, nicht aber die Wirkung des gesamten Lebensmittels. Und schließlich bleiben viele natürlich gesunde, unverarbeitete Lebensmittel außen vor: So könnte zwar ein Apfel durchaus einen Health Claim erhalten, doch dazu müsste erst einmal jemand einen Antrag einreichen, entsprechende Studien vorlegen und die damit verbundenen Kosten tragen. Dies wird also eher für den Vitaminbonbon geschehen als für ein unverarbeitetes Lebensmittel. ///

 

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Dr. Petra Kühne ist Expertin für anthroposophische Ernährung und im Arbeitskreis für anthroposophische Ernährungsforschung aktiv, wo man zahlreiche weitere Beiträge zu Fragen einer bewussten Ernährung findet.