Jahresbilanz der GLS Bank

Grundbetrag wird von Kunden positiv aufgenommen

Genosschenschaftlich organisierter Wohnraum in Berlin: Die GLS hat das Projekt Moeckernkietz mit finanziert. Mehr Infos: www.moeckernkietz.de Foto: Bernd Seidel

Dass die GLS Bank noch immer etwas anders ist als andere Banken, merkt man auch, wenn die Bochumer schon traditionell in Deutschlands Geldmetropole Frankfurt zur Jahresbilanz-Pressekonferenz antreten. Denn bevor Vorstand Christina Opitz zu den Zahlen kommt, nimmt sich Thomas Jorberg viel Zeit, erst einmal auf die Weltlage einzugehen: An positiven Indikatoren fehle es nicht, meint Jorberg, er zählt als Beispiel die Klimavereinbarungen von Paris auf, den Appell von Christine Lagarde zur Verminderung der ungleichen Verteilung von Vermögen oder die Selbstverpflichtung von 100 führenden CEOs auf dem Weltwirtschaftsforum Davos, ihre Unternehmen künftig mehr an langfristiger Nachhaltigkeit denn an kurzfristigem Output zu orientieren. Trotzdem herrsche nach wie vor das Mantra vom Wachstum um jeden Preis. Besorgt weist Jorberg außerdem auf die jüngsten weltpolitischen Tendenzen hin, wenn von England bis in die USA wieder ein nationaler Wirtschaftsegoismus die Überhand zu gewinnen droht.

Von diesem globalen Problemfeld stechen die Projekte für den Wandel ab, die mit Hilfe von GLS-Krediten die Welt ein wenig besser machen wollen: Rund 10.000 Menschen etwa werden künftig im „Möckernkiez“ in Berlin zusammenleben, wofür die GLS über 90 Millionen Euro bewegt hat. Erneuerbare Energien, vielfältige Kulturprojekte und nachhaltige Wirtschaftsunternehmen bilden weitere Schwerpunkte der Finanzierung.

Ein GLS-internes Thema ist der im vergangenen Dezember eingeführte „GLS Beitrag“, ein zusätzlich zu den Kontoführungsgebühren erhobener Grundbetrag für alle Kunden in Höhe von pauschal fünf Euro im Monat. Mit den daraus erwarteten Einnahmen von rund zehn Millionen Euro jährlich will die Bank angesichts der Nullzins-Situation einen verlässlichen Baustein für die Finanzierung ihrer Infrastruktur sicherstellen. Die Bochumer haben diesen Schritt bisher als einzige Bank gewagt und die Reaktionen darauf dürften auch für andere von Interesse sein. Diese Mehrkosten haben bisher offenbar nicht zu einem nachlassenden Kundeninteresse geführt: Kündigungen aufgrund des neuen Beitrags gebe es fast gar nicht, der Zugang von knapp 2.000 Neukunden pro Monat sei ungebrochen, so der Vorstand. Im Kundengeschäftsvolumen hat die GLS im vergangenen Jahr um satte 14 Prozent zugelegt. Trotz allem liegt der Marktanteil sämtlicher ethischer Geldinstitute in Deutschland immer noch bei lediglich einem halben Prozent. „Als Bürger gefragt, sehen die Menschen die Schwächen des konventionellen Banken, als Kunden verhalten sie sich aber meist anders“, erklärt Jorberg dieses Auseinanderklaffen.

 

 

 

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