Es wächst zusammen, was zusammengehört

Von Natascha Hövener (DAMiD)

„Die Komplementärmedizin ist heute aus einem Brustzentrum nicht mehr wegzudenken, weil die meisten Frauen Mittel und Verfahren aus dieser Therapierichtung anwenden“ – dieses Statement von Prof. Dr. Marion Kiechle, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum rechts der Isar in München, ist ein Beweis dafür, dass sich Komplementär- und Schulmedizin heute auf Augenhöhe begegnen. Noch vor mehreren Jahren wäre ein solcher Kongress undenkbar gewesen: In dieser Größenordnung und unterstützt von den großen medizinischen Fachgesellschaften und der Deutschen Krebshilfe.

Angeregter Austausch beim ersten Integrativen Brustkrebskongress (© DAMiD)

Knapp 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen, um sich auf dem Ärztekongress am 4. Februar 2012 sowie auf dem Patientinnentag am 5. Februar über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Integrativen Onkologie zu informieren. Die Leiterin der Berliner Geschäftsstelle der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr, Irmhild Harbach-Dietz, sprach vielen Teilnehmern aus dem Herzen:„Ich bin sehr froh über diesen Kongress – die Zeit ist reif dafür, aus Patientinnensicht sogar überreif.“

Gut 90 Prozent der Brustkrebspatientinnen wenden Komplementärmedizin an, allerdings meist ohne mit ihren behandelnden Onkologen darüber zu sprechen. Die Ärztin und Brustkrebspatientin Rita Rosa Martin, Berlin, wünschte sich deshalb „eine Entheimlichung der komplementären Medizin, damit die Patientin offen mit ihrem Arzt über ihre Behandlungswünsche sprechen kann und die Wertschätzung zurückbekommt, die sie benötigt, um Vertrauen in die Therapie zu haben.“ Der Begriff ‚Integrative Onkologie‘ ist ihrer Meinung nach jedoch noch nicht klar genug definiert: „Die Formulierung ‚dialogische Onkologie‘ trifft den Sachverhalt in meinen Augen besser, weil sie die Perspektive der Patientin mit einschließt.“ Und Dr. Marion Debus, Leitende Ärztin der Onkologischen Schwerpunktstation am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin, ergänzt: „Integrieren heißt Wiederherstellung eines Ganzen, und wir müssen uns fragen, ob nicht auch die Medizin einer neuen Ganzheit bedarf.“

Dass sich Komplementär- und Schulmedizin heute auf Augenhöhe begegnen, bestätigt auch Dr. Thomas Breitkreuz, Geschäftsführender Vorstand der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland: „Wir sind dabei, eine neue Gesprächskultur zu entwickeln. Nicht mehr das Entweder-Oder steht im Vordergrund, sondern der Dialog, das macht Mut!“

Der Kongress wurde ausgerichtet von der Gesellschaft für Anthroposophische Ärzte in Deutschland (GAÄD) und dem Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD), zu den Mitveranstaltern gehörte die Frauenselbsthilfegruppe mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. sowie die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr. Als Schirmherren und Programmpartner haben sich unter anderem die Deutsche Krebshilfe, die Bundesärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Senologie und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie beteiligt.