Zwei große, dunkle Augen mit langen, dichten Wimpern sehen mich neugierig an, während eine riesige, rauhe Zunge versucht meinen Arm samt Hand in ein feuchtes, schwarzes Maul zu ziehen. Ich stehe im Kuhstall des Dottenfelder Hofs, wo die Kühe ihre Hörner behalten dürfen und erst in einem angemessenen Alter zum Melken und Kalben genutzt werden, damit sie sich voll entwickeln können.

Pünktlich zum Frühlingsanfang lud die GLS Bank aus Bochum zur Pressefahrt ein. Zusammen mit der Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Eva Schneeweiß fuhren wir Presseleute zu zwei wichtigen Förderprojekten der GLS Bank in der Region Frankfurt. Als erstes zum „Summenden Wald“. Dabei handelt es sich um eine Aktion der GLS Bank zur Neumitgliederwerbung im letzten Jahr: für jedes neue Mitglied, oder jede höhere Einlage von mindestens 500 Euro spendete die Bank 10 Euro. Fünf davon flossen in das Projekt Mellifera, wo die natürliche Haltung von Bienen erforscht wird. So bauen Bienen ihre Waben ursprünglich in hohle Bäume, wenn sie keine Vorgaben des Menschen vorfinden. Die anderen fünf Euro wurden jeweils für einen neuen Baum gespendet. Insgesamt kamen dadurch 5000 Bäume zusammen, die an ausgesuchten Stellen mit Hilfe des „Bergwaldprojektes“ gepflanzt wurden. Diese Initiative arbeitet mit Förstern im Raum Frankfurt zusammen, um durch Umforstung selten gewordene Bäume neu anzusiedeln. Denn die Dominanz der eigentlich ortsfremden Fichten bietet weder vielfältigen Lebensraum für Tiere noch hält sie das Ökosystem Wald am Laufen. Als Alternative wurde die Wildkirsche favorisiert, die vom Aussterben in den Wäldern bedroht ist und vor allem auch einen engen Bezug zu den Bienen hat, da sie starke Blütenstände entfaltet. Der Vorsitzende des Bergwaldprojektes Stephen Wehner legt bei dem Projekt großen Wert auf Nachhaltigkeit und vernünftigen Umgang mit dem Wald, der für ihn ein Bild unserer Beziehung zur Umwelt insgesamt darstellt, da sich hier jegliche Form von Umweltverschmutzung sofort niederschlägt. Zudem sei der Wald noch ein viel zu unerforschtes Gebiet. So weiß kaum einer, dass ein schon gefällter Baum durch das Wurzelsystem noch Jahre überleben kann, weil er von den anderen Bäumen mit ernährt wird.

Den zweiten  Ort des Tagesausflugs bildete der biologisch-dynamische Dottenfelder Hof. Hier kann man zwischen Kühen und Weizen selbstgebackenen Kuchen und selbstgemachten Käse genießen und an Führungen und Backkursen teilnehmen.

Der Hof wurde 1968 von fünf Familien gegründet, die vom  biologisch-dynamischen Anbau überzeugt waren. 1979 sponserten die Vorläufer der späteren GLS Bank die Gebäude des Hofs und einige Teile des umliegenden Landes, deren Besitz in die Landbauschule Dottenfelder Hof überging. Es wird großer Wert darauf gelegt, dass es hier keinen Privatbesitz an den Feldern gibt. Die fünf Familien teilen sich ein gemeinsames Konto und verdienen kaum mehr als das Nötigste, arbeiten aber rund um die Uhr. Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb gibt es am Dottenfelder Hof auch eine Fachschule für biologisch-dynamische Landwirtschaft, sowie ein Forschungs- und Züchtungsinstitut, wo neues Saatgut entwickelt und getestet wird. Zu den 120 Hektar Ackerland kommt noch Weideland für die zahlreichen Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen hinzu, die ebenfalls nach biologisch-dynamischen Kriterien gehalten werden. Die Kühe behalten beispielsweise ihre Hörner und die Hühner haben ein großes Freilaufgehege zur Verfügung. Weiterhin versucht man eine Lösung zu finden, dass Bullen und Hähne erwachsen werden können, ehe sie aufgrund der zu hohen Kosten geschlachtet werden müssen.

„Nicht ökonomisch, aber ökologisch“ lautet der Leitsatz dieses Bauernhofs, der Tier und Mensch, Natur und Kind wieder zusammenführt und durch jahrelange Zusammenarbeit mit der GLS Bank in Bochum verbunden ist.

Alles in Allem bot die Pressefahrt exemplarische Einblicke in die Arbeit der GLS Bank und zeigte sich zugleich als Beispiel für die hier gepflegte Transparenz. Auch die Pressefahrt selbst folgte übrigens den selbstgesteckten nachhaltigen Kriterien der Bank: der Klima-Abdruck des Wagens, mit dem wir zu den Projekten fuhren, wurde durch Kompensationszahlungen für den Klimaschutz neutralisiert.

Miriam Ziemke ist derzeit Praktikantin in der Info3 Redaktion und studiert in Paderborn.