Die Zukunft des Wirtschaftens ist derzeit Gegenstand vieler Debatten, Diskussionsrunden und Leitartikel. Nicht erst seit der Finanz- und Eurokrise stellen sich viele in Deutschland die Frage, wie der Geld- und Wirtschaftskreislauf in einen ethischen und gemeinwohlkonformen Rahmen gebracht werden kann. Neun Unternehmen aus Süddeutschland geben darauf ihre eigene Antwort: Sie haben sich der Initiative „Gemeinwohl-Ökonomie“ angeschlossen. Diese Reformbewegung wurde von einem Kreis österreichischer Unternehmerinnen und Unternehmer entwickelt und beruht auf nachhaltigen Grundwerten: Die „Systemspielregeln der Wirtschaft werden von Gewinn-streben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation umgestellt“, erklärt Wirtschaftspublizist Christian Felber, der das Konzept ins Leben gerufen hat. Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie, ihre Ziele und die nächsten Schritte der Initiative wurden Anfang Oktober 2011 von den Pionierunternehmern Helmut Lind (Sparda-Bank München), Harro Colshorn (Bioland-Gärtnerei Bruckmühl) und sieben weiteren Mitstreitern in München vorgestellt.

Ökonomie mit Maß
Die Initiatoren haben ihre Veranstaltung unter das Motto „Wirtschaft neu denken“ gestellt. Künftig solle der Erfolg eines Unternehmens nicht mehr auf monetärem Profit beruhen, sondern auf dem Engagement und den Investitionen für Mitarbeiter, Gesellschaft und Umwelt. Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München eG und Unter-stützer der Gemeinwohl-Ökonomie, führt aus: „Solidarität, Ökologie und Demokratie müssen in einer Geschäftsstrategie mit der Ökonomie auf gleicher Stufe stehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Wirtschaft ohne Ethik und Maß nicht funktioniert.“ Harro Colshorn fügt hinzu: „Um die ökologischen und sozialen Herausforderungen in den Griff zu bekommen und die Macht der Finanzmärkte zu bändigen, brauchen wir neue Werte für die Wirtschaft. Wir als Pionierunternehmen wollen damit anfangen und andere ermutigen, mit uns zu gehen.“

Junge Bewegung mit Zukunft
Die auch von Politikern und Wirtschaftsforschern getragene Initiative „Gemeinwohl-Ökonomie“ startete vor einem Jahr in Österreich. Seither ist die Bewegung auf 400 unterstützende Unternehmen aus acht Staaten angewachsen. Ein Viertel davon erstellt 2011 erstmals freiwillig eine sogenannte Gemeinwohl-Bilanz. Diese beleuchtet die unternehmerische Situation und Entwicklung anhand von 18 ethischen Generalkriterien wie Mitbestimmung und Gerechtigkeit und spart dabei auch Lieferanten und Geldgeber nicht aus. Die Gemeinwohl-Bilanz soll in den nächsten Jahren von einer wachsenden Zahl an Akteuren weiterentwickelt werden, bevor sie im besten Fall rechtsverbindlich wird. Weitere angestrebte Reformierungen des wirtschaftlichen Ordnungsrahmens drehen sich um Gewinnverwendung, den Ausgleich von Einkommens- und Vermögensungleichge-wichten und die Reduktion der Regelarbeitszeit.

Regionale „Energiefelder“
In Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland haben sich bereits rund 20 regionale Untergruppen, sogenannte „Energiefelder“, aus branchenübergreifenden Akteuren gebildet. Deren Ziel ist es, die Idee der „Gemeinwohl-Ökonomie“ im eigenen Umfeld zu bewerben und andere Unternehmen zum Mitmachen einzuladen. Zudem wurde ein „Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ gegründet, um die Gemeinwohl-Ökonomie auch in der Breite bekannt zu machen.

(Presseinformation Gemeinwohl-Ökonomie)

Mehr Information:
www.gemeinwohl-oekonomie.org