Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) besuchte Anfang Mai die Albrecht-Strohschein-Schule in Oberursel, eine der insgesamt sieben Waldorf-Förderschulen in Hessen. Nach einer Hospitation in der neunten Klasse sprach die Ministerin mit Oberstufenschülern über deren Begegnungen mit Schülern anderer Schulen. Neben einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Freien Waldorfschule Vordertaunus und einer benachbarten Grundschule gab es jüngst auch einen Besuch von Oberstufenschülern des örtlichen Gymnasiums. „Das gemeinsame Schlittschuhlaufen war toll“, waren sich die Förderschüler einig. Sie hätten gerne mehr Besuche und gemeinsame Projekte. Doch sie haben auch Angst, ausgelacht zu werden: „Die anderen sind beim Lernen schneller als wir, die müssten dann warten.“ Fast alle Strohschein-Schüler wollen daher lieber in ihrer kleineren und ruhigeren Schule bleiben, aber mehr Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse mit anderen haben. „Wir wollen auch normal sein und Freunde haben, mit denen wir etwas zusammen machen können.“

Die Inklusion ist auch für Waldorfschulen ein Thema. „Die Waldorfpädagogik ist eine ideale Grundlage für die Inklusion, denn unsere Förderschulen haben denselben Lehrplan wie die Waldorfschulen, wir arbeiten mit demselben Konzept,“ erläutert Norbert Handwerk, Landesgeschäftsführer der Freien Waldorfschulen in Hessen. „Aber auch für uns ist es noch ein langer Weg. Wir erarbeiten gerade einen Zehnjahresplan, um Schritt für Schritt zusammenzuwachsen.“

Kultusministerin Henzler war von den Leistungen der Förderschüler bei ihrem Unterrichtsbesuch beeindruckt. „Das hohe Niveau, das die Förderschulen bei der Unterstützung dieser Kinder und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf haben, darf nicht gefährdet werden. Deshalb wird es auch weiterhin Förderschulen geben, für alle, die diese wünschen.“ Sie verwies auf den Entwurf des Kultusministeriums für das neue Ersatzschulfinanzierungsgesetz: Die Landesbeihilfen für Förderschulen deckten bisher nur etwa die Hälfte der Kosten, ab dem nächsten Jahr soll die Finanzhilfe bei 90 Prozent der staatlichen Schulkosten liegen. „Das neue Berechnungsverfahren bildet die tatsächlichen, vollen Schulkosten so gut ab, wie bisher in keinem anderen Bundesland“,  freut sich auch Norbert Handwerk. „Die Finanzmittel werden gerecht auf die verschiedenen Schulformen verteilt. Über die Zahlenbasis wollen wir aber im Rahmen der Anhörung noch nachverhandeln.“

Die Zuschüsse sollen nämlich bis 2018 nach den staatlichen Ausgaben von 2009 berechnet werden. Damit bekämen die Freien Waldorfschule wie insgesamt etwa ein Drittel aller freien Schulträger fast zehn Jahre keinerlei Erhöhung. Auch danach dürfen die Finanzhilfen jährlich nur um maximal zwei Prozent steigen. „Die reale Finanzhilfe wird sich dadurch immer weiter von dem nominellen Satz entfernen“, befürchtet Handwerk, „die Belastung unserer Eltern durch Schulgelder können wir daher immer noch nicht auf ein zumutbares Maß senken.“

Quelle: LAG Hessen