Im Herzen des Stadtteils Bornheim, gleich nebenan weht vom Wochenmarkt der Geruch von Bratwürstchen herüber, hat der erste vegane Supermarkt Frankfurts aufgemacht. Sprühsahne, Currywurst, Aufbackpizza und Milchreis – hier gibt es das, was sich sonst auch bei Rewe und Aldi in den Regalen stapelt, aber alles ohne tierische Inhalte. Der Cappuccino an der Bistro-Theke wird wahlweise mit Soja- oder Mandelmilch angeboten. Ein Paradies also für Veganer, die im gewöhnlichen Supermarkt zu kaum mehr als Kokosmilch und Naturtofu greifen können. Im „Veganz“, das schon in Berlin erfolgreich seine erste Filiale eröffnet hat, gibt es Eiscreme aus Reis- und Mandelmilch, Steaks aus Tofu und Seitan und Süßigkeiten, die nach Gummibärchen schmecken, natürlich ohne Gelantine.

„Wir lieben Leben“ – das Motto des Supermarkts spiegelt sich nicht nur in den tierfreien Produkten wieder, sondern auch im überragenden bio- und fairtrade Sortiment. Obwohl der Laden gleich mit zwei Bio-Supermärkten in direkter Umgebung um Kundschaft buhlt, ist hier am Samstag Vormittag kaum ein Durchkommen mehr. Der kleine, relativ enge Laden ist gut besucht, ob das nun alles eingefleischte Veganer oder auch nur neugierige Marktbesucher sind, lässt sich schwer sagen. Die beschrifteten Schürzen der VerkäuferInnen und die „anti-Fleisch“-Aufkleber an der Kasse lassen allerdings die politische Aussage des Supermarkts klar erkennen. Die Produkte, die hier angeboten werden, zeichnen sich eben vor allem durch das aus, was sie ablehnen: Wurst ohne Fleisch, Feta ohne Käse. Ob den Betreibern klar ist, dass es das Demeter-Brot, das hier breit beworben wird, ohne die Mithilfe von (Dung liefernden) Kühen nicht geben würde? Ein leicht belehrender Unterton, der einem manchmal auch im Gespräch mit Vollblutveganern begegnet, schwingt hier mit. Dafür können BesucherInnen endlich ihre heimlichen Gelüste auf Hacklasagne stillen, ohne dabei von einem schlechten Gewissen gequält zu werden – und hier ist auch garantiert kein Pferdefleisch drin!

Wer nach dem Einkauf draußen an der Würstchenbude sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit da tote Tiere auf dem Grill liegen, schätzt sich doppelt glücklich über die Tofuwürstchen in der Tasche. Angesichts der ganz gewöhnlichen Realität von Massentierhaltung und alltäglicher Tiermisshandlung ist es ein gutes Gefühl, einmal ganz bewusst einkaufen zu gehen, ohne dabei das Leid verdrängen zu müssen, das sonst so oft mit unseren Nahrungsmitteln verbunden ist.

Dieser Text erschien in der März-Ausgabe der Zeitschrift Info3.