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Am Tag nach Donald Trumps Triumph in den USA, während die Wellen rings herum hochschlugen, schickte mir eine Freundin ein kleines Gimmick: eine virtuelle Taste, die, wenn man sie bedient, dafür sorgt, dass alles ok ist. Eine RESET-Taste also, auf der steht: „Make everything ok“. Einmal gedrückt, geht auf dem Bildschirm ein Fenster auf, das den Ladevorgang wie üblich mittels eines von links nach rechts verlaufenden Balkens anzeigt und mitteilt: „Making everything ok is in process“. Ich musste herzhaft lachen, denn die Vorstellung war so überzeugend wünschenswert wie abwegig: Wie wunderbar, sich für einen kleinen Augenblick, der Illusion hinzugeben, eine Comupterapplikation könne dafür sorgen, dass alles gut wird. Ich schaute gebannt auf den Verlauf des grünen Balkens. Ist der Vorgang abgeschlossen, teilt das System mit: „Everything is ok now.“ Ich lehnte mich zurück und war schlagartig wieder allein mit meinen Sorgen.

Mein kindliches Gemüt möchte, dass es eine höhere Macht gibt, die dafür sorgt, dass alles gut ist. Eine kleine RESET-Taste wäre ja durchaus praktisch, leicht zu integrieren in den Alltag. Der Triumph wäre dann nicht, ein Ziel erreicht zu haben, sondern jederzeit wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren zu können. Mein erwachsener Verstand schüttelte den Kopf, durchaus etwas ärgerlich. Wir wollen, dass alles gut ist, gleichzeitig aber wissen wir, dass genau das niemals der Fall sein will. Die virtuelle RESET-Taste paraphrasiert unser menschliches Bedürfnis nach Erneuerung, sie zeigt, dass Abkürzungen nichts bringen, dass es so einfach nicht geht. Wir müssen uns schon selbst auf den Weg machen und für diesen gilt: Alles braucht seine Zeit, Gefühle zu beeinflussen ist schwierig. Wir können sie nicht einfach up- oder downloaden. Meist kommen und gehen sie, ohne dass wir dies genau steuern könnten.

Das ist in etwa das Problem mit Weihnachten. Das Fest bezieht seine Färbung meist aus der grundlegenden menschlichen Ambivalenz zwischen kindlichem Wunschdenken und Realität. Friedlich soll es sein, familiär, harmonisch, warmherzig, reich an Nahrung – ein Licht in der Dunkelheit, das für den Neuanfang steht. Selten gelingt er, und wenn, dann nicht unbedingt datumsgerecht. Insofern hat die RESET-Taste einen bemerkenswerten Effekt: Sie ruft die Gefühle auf den Plan, die seit frühester Zeit mit diesem tief verwurzelten Wunsch nach „Alles ist gut“ in Zusammenhang stehen. Genau das scheint mir so wichtig zu sein an Weihnachten: Die Gefühle dürfen ihren Platz haben – so diffus und unordentlich und weit entfernt von „everything ok“ sie auch sein mögen. Was sie brauchen, ist ein Rahmen, der dafür sorgt, dass sie nicht haltlos werden. Wenn wir vorausschauend handeln, könnten wir das Weihnachtsfest ja in genau diesem Sinne gestalten, als ein Fest, an dem niemand in unserem Kreis mit seinen Gefühlen und Erfahrungen allein bleiben muss.

Das Geburtliche erweist sich für mich in dem Moment, in dem ich alles so lasse, wie es ist. Nur so können auch das Unglück, Verluste und Schmerzen umfriedet werden. „If everything is still not OK, try checking your settings of perception of objective reality“, sagt mir die Anwendung abschließend. Für dein Kind ist es nicht wichtig, dass alles gut ist, für dein Kind ist alles gut, wenn DU da bist.