Probenmotiv von What Moves You

Probenmotiv von What Moves You

Anfang August in Berlin: schwüle Abendstimmung, über der Spree ein Feuerwerk, das wie bestellt schien zur Feier des eben erlebten Eurythmie-Traums, der die Reise 79 junger Menschen zu sich selbst abbildete. Geträumt wurde er an gleich zwei Abenden nebenan in der weiten Halle der Arena Berlin, die bis auf wenige Stühle ausverkauft war. Er bestand aus den vier Sätzen von Antonín Dvoráks Neunter Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und eurythmisierten Texten von Rumi, Ingeborg Bachmann, Mary Oliver und Detlef Dippe.

Den Abenden vorausgegangen waren vier intensive Sommerprobenwochen der TeilnehmerInnen im Alter von 17 bis 23 Jahren aus 20 Nationen und vier Kontinenten auf dem Campus der Rudolf Steiner Schule in Berlin-Dahlem.

Die Jugendlichen, ihre Künstlerischen Leiter, die Sprachgestalter und viele andere waren zusammen gekommen zur zweiten Auflage des Jugend-Eurythmie-Projekts WHAT MOVES YOU (WMY).

Beim ersten Mal, 2012, hatte es WMY geschafft, zur umjubelten Sensation bei den Jubiläumsfestivitäten zum 100-jährigen Bestehen der Eurythmie zu werden. Und obwohl die TeilnehmerInnen im gleichen Alter wie beim ersten WMY waren, schien diesmal alles gereifter. Nicht nur die Waldorfschule hatten sie als Location hinter sich gelassen, waren ins Zentrum, ganz im Sinne des Projektleiters André Macco vorgerückt, der die Eurythmie mitten hinein ins Leben holen will. Auch der ätherische Sturm und Drang, der den Ursprung inmitten Neuer Welten beschwor, fand bei aller sich steigender Rasanz immer harmonisch in die Form zurück. Dvorák wurde aus der Ohrwurmecke geholt – erfrischt, klar und schlicht, ohne Sentiment. In der Eurythmie sichtbar gemacht und gespielt von den glanzvollen Gnessin-Virtuosen Moskau unter Leitung von Mikhail Khokhlov erblühten die vertrauten Klänge in belebender Farbigkeit.

Natürlich dachte man auch mal an den Olympia-Auftakt oder an große Education-Projekte wie Rhythm Is It, auf die WMY sich ja beruft. Dennoch: Bei aller Event-Haltigkeit wurde es nie Eurythmie light. Und so sprang am Ende alles zu Ovationen von den Stühlen, um den gemeinsam geträumten Traum zu ehren, bevor er wieder in der Erinnerung verschwand.

Zum ausführlichen Podcast-Interview mit Projektleiter André Macco.