Von Albert Vinzens

Wanja, der Hund, beobachtet schwanzwedelnd den Unterricht. Er hat sich an die Studentinnen und Studenten gewöhnt. Sie gehören inzwischen dazu wie Thomas Mauer, der Betriebsleiter, und die Gärtnerinnen und Gärtner. Wenn es regnet oder zu kalt ist, steht ein einfacher Raum aus Holz zur Verfügung, ansonsten wird im Freien unterrichtet und gearbeitet. Der ehemalige Schlossgarten in Kassel Wilhelmshöhe ist ein stiller Ort der Einkehr, Wirtschaftsbetrieb und Bildungseinrichtung in einem. Weiden, Obstwiesen, Hecken, Äcker, Baumhaine – eine Vielfalt eng miteinander verbundener Landnutzungsformen prägt das Erscheinungsbild: Ackerbau und Streuobstbau mit Weidewirtschaft mit ostfriesischen Milchschafen, Gänsen, Hühnern und der Imkerei. Aus intensiver Mist- und Kompostbereitung werden betriebseigene Anzuchterden und Kompostdünger bereitet. Auch Heu und Silage werden auf den Flächen des Waldhofes gewonnen.

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© Rudolf Steiner Institut Kassel

Die angehenden Sozialassistenten, Erzieherinnen und Heilpädagogen, die im Rudolf Steiner Institut studieren, pendeln zwischen den Ausbildungsräumen im Anthroposophischen Zentrum und dem Waldhof hin und her. Das Institut ist Pächter des Hofes. Der Samenzuchtbetrieb verbindet den von England und den USA nach Deutschland eingewanderten Trend zur multifunktionalen Landwirtschaft mit Aspekten der Ausbildung. Die Zukunft braucht Menschen, die auf Hofkindergärten und Natur-Schulinitiativen, wie sie überall entstehen, vorbereitet sind. Auf dem Waldhof erüben die Studierenden den Umgang mit der Natur und lernen dabei sich selber kennen. Der gärtnerische Schwerpunkt des Produktionsbetriebs liegt in der biologisch-dynamischen Saatgutvermehrung und Erhaltungszüchtung einer Vielzahl unterschiedlicher Blumen-, Kräuter- und Gemüsesorten. Oft wird aus der Arbeit der Unterricht generiert. Die pädagogischen Inhalte passen sich dem Arbeitsstrom vor Ort und den Erfordernissen der Jahreszeiten an, nicht umgekehrt.

Obwohl die Natur ständig im Wandel ist, begrüßt die Studierenden eine bekannte Welt. Das gibt auch Erwachsenen Sicherheit und Lebensfreude. Hingabe und Empathie, Rhythmus und Vertrauen, Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit, diese wichtigen Lerninhalte werden auf dem Waldhof nicht gelehrt, sondern gelebt – und so erst recht gelernt. Seit PISA und Bologna ist Atemlosigkeit in die Ausbildungen gekommen. Darunter leidet das Klima zwischen den Menschen. Vieles ist stressiger, lebensfeindlicher, überwachungsanfälliger, kurzatmiger geworden. Sogar in Grundschulen und Kindergärten herrscht inzwischen ein rasendes Tempo. Auf dem Waldhof ist das anders. Hier gehen die Uhren langsamer – und ebenso die Lernmodule. Der Waldhof ist das kleine intakte Dorf, das, wie Neurowissenschaftler betonen, immer noch die besten Voraussetzungen für die Entwicklung des Menschen bereithält, seien es kleine Kinder, Schüler oder Studierende an Berufsschulen, Fachhochschulen oder Universitäten.

 

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