Ausbildungsstätte für Lehrer: Das Institut für Waldorfpädagogik in Witten

Ausbildungsstätte für Lehrer: Das Institut für Waldorfpädagogik in Witten

Die Holzpavillons des Instituts für Waldorf-Pädagogik in Witten waren schon für den Einzug von Flüchtlingsfamilien bereit. Nachdem die Stadt immer wieder in der Presse um Hilfe bei der Unterbringung gebeten hatte, wurden die Gebäude mietfrei zur Verfügung gestellt. Zum 1. Februar sollten 25 Menschen aus Syrien und Irak einziehen. Freudig und gespannt war die Erwartung von Studierenden und DozentInnen. Sie wollten sich der Gegenwart stellen, Kooperation, Integration und gemeinsames Lernen erproben. Die Stadt Witten ließ die Sanitäranlagen und die Küche auf Vordermann bringen. Stockbetten und Schränke waren aufgestellt. Einige Studierende planten, Sprachkurse oder im Rahmen ihrer pädagogisch-praktischen Diplomarbeit künstlerische Kurse anzubieten. Die Blote Vogel Waldorfschule nebenan wollte Kinder im Schulalter in ihren Klassen aufnehmen. Von der Idee bis zur Bereitstellung war ein halbes Jahr vergangen.

In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar brannte dann aber der Gebäudekomplex, der diesen Menschen ein neues Zuhause in einem friedlichen Umfeld hätte sein können. Bald war klar, dass dieser Akt der Zerstörung sich in die wachsende Zahl von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in unserem Land einordnen lässt.

 

Welle der Hilfsbereitschaft

So sah es am Morgen nach dem Brand aus (Foto: Institut)

So sah es am Morgen nach dem Brand aus (Foto: Institut)

Die erste Reaktion: Bestürzung, Resignation, Trauer und Wut, aber auch eine beeindruckende Welle von Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Schon am nächsten Tag kam vom „Help-Kiosk“ Witten, einem städtischen Verein für Flüchtlingshilfe und Willkommens-Kultur, der konkrete Vorschlag, mit Hilfe von Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen die Unterkunft wiederaufzubauen. Zwei Tage später traf sich im Institut für Waldorfpädagogik ein großer Kreis von aktiven und wachen Zeitgenossen, die über die Idee einer solchen Bauhütte beraten wollten: Die benachbarte Waldorfschule war vertreten, MitarbeiterInnen und Studierende des Instituts, einige Nachbarn, der Präsident und Studierende der Uni Witten-Herdecke sowie die Hauptakteurinnen der Flüchtlingshilfe und des „Help-Kiosk“ der Stadt Witten. Man tauschte sich besonnen darüber aus, was nun zu tun und was der Ruf der Stunde sei. Vielen ging es nicht nur darum, ein Zeichen zu setzen, sondern auch einen sinnvollen Beitrag zur Integration zu leisten. Angesichts des gerade frischen Beschlusses des Stadtrates, kaum zwei Kilometer entfernt jenseits der Autobahn, zwischen einem Baumarkt und den Bahngleisen ein Flüchtlingsdorf für 720 Menschen zu bauen, gewannen die gestellten Fragen noch einmal an Brisanz.

Witten ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für eine aktive Willkommenskultur, und so war es nicht verwunderlich, dass am Freitag, den 29. Januar am frühen Abend an die tausend Menschen dem Aufruf zu einer Demonstration folgten, die für eine Stadt der Toleranz und Menschlichkeit warb.

 

Wiederaufbau begonnen

 

Kurz darauf beschloss die Instituts-Mitarbeiterkonferenz, auf die Initiative aus dem Umkreis positiv zu antworten und „zusammen mit der ganzen Stadt“ den Wiederaufbau anzugehen. Die Instituts-Mitarbeiter Gerhard Stocker und Stephan Nussbaum wurden delegiert, das Institut in der Initiativgruppe zu vertreten. Am 5. Februar konnte den Wittener Einwohnern in der Lokalpresse mitgeteilt werden, dass mit der „Bauhütte Witten“ ein Bündnis für den Wiederaufbau geschlossen worden ist. Erste Planungsschritte sind inzwischen bereits getan. Zu einem Nachbartreffen wurde zeitnah eingeladen. Es lebt die Hoffnung, dass diese Aktion viele Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen wird, sich mit Fragen, die sich durch die bei uns Zuflucht suchenden Menschen stellen, differenziert und konstruktiv auseinander zu setzen.

Griet Hellinckx ist Dozentin am Institut für Waldorfpädagogik Witten Annen.

 

Zur Verwirklichung des anstehenden Projektes wird es Unterstützung jeglicher Art brauchen, nicht zuletzt finanziell.

Ein Spendenkonto ist eingerichtet:

Kontoinhaber: Help-Kiosk für Bauhütte Witten

IBAN: DE18452500350000708511

BIC: WELADED1WTN