Bringen den Zug aufs Gleis: Peter Daniell Porsche und Vera Koppehel (Foto: Info3)

Bringen den Zug aufs Gleis: Peter Daniell Porsche und Vera Koppehel (Foto: Info3)

 

Zu Pfingsten fährt der Kulturgutexpress zu Steiners Geburtsort, Sie beide sind die Initiatoren. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Vera Koppehel: Der Impuls ist auf einer längeren gemeinsamen Autofahrt entstanden …

Peter Daniell Porsche: … von Donji Kraljevec nach Salzburg …

Vera Koppehel: … natürlich in einem Porsche …

 

Herr Porsche, was verbindet Sie als Auto-Mensch mit der Bahn?

Peter Daniell Porsche: Die Gleise der Eisenbahn sind etwas, über das man wirklich philosophieren kann. Das Eisen der Schienen als etwas Totes und Starres, verbunden mit dem Holz der Schwellen als etwas Lebendigem und Warmem, was spiegelt sich darin eigentlich? Und natürlich auch das Verbindende durch ein Schienennetz, das steht. Wenn ich ein Gleis in Salzburg anfasse, dann weiß ich, es gibt eine durchgehende Verbindung bis nach Kraljevec, die bildlich gesprochen nirgends abreißt – ich fasse hier Metall an, das dort ankommt.

Vor drei Jahren gab es schon einmal einen Zug nach Kraljevec …

Vera Koppehel: … ja, aber der Kulturgutexpress ist kein Revival des Steiner-Gedächtniszugs von 2011. Der Kulturgutexpress kommt aus der Zukunft, es geht um die Erde, um die Landwirtschaft.

Was ist das Besondere an Kraljevec?

Vera Koppehel: Dieser Ort ist das Verbindende zwischen uns, ein Ort, an den wir beide unser Herz verloren haben. Seit neun Jahren entfaltet dort die Anthroposophin Sandra Percač ihre Initiative und baut ein Steiner-Kultur-Zentrum auf. Sie ist so eine Art Johanna von Keyserlingk von Donji Kraljevec, was die michaelische Tatkraft angeht. Das Haus, das sie von der Gemeinde bekommen hat, war eigentlich abbruchreif. Es ist erstaunlich, was sie inzwischen daraus gemacht hat! Bevor sie zur Arbeit geht, gärtnert sie frühmorgens in ihrem biologisch-dynamischen kleinen Garten in der Nähe.

Ich möchte sagen: Wer den festgefahrenen Anthroposophen in sich mal loswerden möchte, der sollte nach Donji Kraljevec fahren. Offen, frei, von Herz zu Herz, die Menschen erzählen einfach. Es geht weniger intellektuell zu, dafür mehr menschlich. Gut ist auch, dass dort nicht die anthroposophische Gesellschaft das Ganze organisiert, sondern die Gemeinde. Das nimmt die Berührungsängste. So reist z.B. oft das kroatische Fernsehen an und sendet dann eurythmische Einblicke zwischen Tages- und Sportschau …

Peter Daniell Porsche: Das Besondere für mich dort ist zu erleben, wie den Menschen, die dort aufgewachsen sind, erst seit dem Rudolf Steiner-Express bewusst geworden ist, was für einen Schatz sie in Rudolf Steiner haben, was für eine berühmte Persönlichkeit in ihrem Ort auf die Welt gekommen ist. Das ist eine Chance. Auf dieser Grundlage kann man ihnen Mut machen, wieder Hand anzulegen, auch in der Landwirtschaft, wo viele denken, das lohne sich nicht mehr.

 

Der Porsche-Erbe Peter Daniell fuhr bereits 2011 mit nach Kraljevec

Der Porsche-Erbe Peter Daniell fuhr bereits 2011 mit nach Kraljevec

Und wie ist Ihre Beziehung nach Donji Kraljevec entstanden?

Peter Daniell Porsche: Ich wollte immer schon einmal dorthin, wo Rudolf Steiner geboren ist. So bin ich im Jahr 2011 in den Rudolf Steiner-Express in Salzburg eingestiegen, als Interessent, und seither gibt es eine enge Beziehung für mich nach Kraljevec, besonders zu Sandra, die dort unten alles organisiert. Ich habe auch finanziell dazu beigetragen, dass das Rudolf-Steiner-Zentrum zustande kommen kann, und auch schon Vorträge dort gehalten. Ich finde es wichtig, dass man diesen Ort nicht vergisst und mehr und mehr zu einer Zusammenarbeit mit Land und Leuten kommt, weil man da gegenseitig viel voneinander lernen kann.

 

Vera Koppehel auf den Gleisen in Kraljevec

Vera Koppehel auf den Gleisen in Kraljevec

Was verbinden Sie persönlich mit diesem Ort?

Vera Koppehel: Ich habe noch nie einen Ort gesehen, wo die Gleise derart eindrücklich in die Unendlichkeit nach Westen und in die Unendlichkeit nach Osten verschwinden. Die Energie am Bahnhof ist inspirativ und das Wartebänkchen für mich meine Visionsbasisstation.

Peter Daniell Porsche: Etwas Besonderes für mich war: Als bei der Geburtstagsfeier 2011 in Kraljevec zwei Tauben losgelassen wurden, sind diese Vögel siebenmal über das Geburtshaus von Rudolf Steiner  geflogen, bevor sie sich entfernt haben. Die ganze Stimmung dort hat etwas Urtümliches, Gesundes, Ruhiges, was ich mir auch für mein eigenes Leben und das vieler Menschen hier bei uns wünsche. Es lebt dort noch vieles, was wie aus einem Dornröschenschlaf aufgeweckt werden könnte. Die Landwirtschaft liegt dort heute vielfach brach oder ist industriell geprägt.

 

Stichwort Landwirtschaft: Eigentlich hätte der Zug nach Koberwitz fahren sollen, dem Geburtsort der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, denn der Anlass der Reise ist ja ihr 90-jähriges Jubiläum?

Vera Koppehel: Ja, aber in Koberwitz haben wir noch keine konstruktiven Partner vor Ort. Da schwebt mir noch was für später vor: Jahrhunderthalle Breslau…

Peter Daniell Porsche: Aber auch Salzburg ist ein guter Ausgangsort für das Projekt. In Österreich, einem immer noch stark landwirtschaftlich geprägten Land, sind heute Bio und Demeter sehr gut vertreten; Österreich ist auch ein Verkehrs-Scharnier zwischen Süd und Nord, und speziell von Salzburg aus ist man ebenso schnell in Stuttgart wie in Dornach oder eben auch in Kraljevec. Nicht zuletzt haben wir in einer Zugorganisation aus der Region auch einen entgegenkommenden Partner für das Ganze gefunden.

Was erwartet nun die Mitfahrenden am Zielort in Kroatien?

Vera Koppehel: Koberwitz 1924, das war vor allem auch ein Pfingstereignis, viele haben diese Atmosphäre damals empfunden – wie kann man so etwas heute festlich begehen? Offen und frei, aber auch so, dass sich eine neue Gemeinschaft bilden kann? Bei diesem Projekt finden wirklich wunderbare Dinge zusammen. So ist zum Beispiel die Terra Parzival-Initiative von Miha Pogacnik dazugestoßen, die mit einem Orchester unter der Leitung von Elmar Lampson ein Konzert geben wird, bei dem die Teilnehmer inmitten der Musiker sitzen werden. Wir haben den Eindruck: aus dem Umkreis heraus bildet sich die Tagung selbst.

Wer wird sonst noch mit an Bord sein?

Vera Koppehel: Zum Beispiel der Bürgermeister des slowenischen Maribor, der seine Doktorarbeit über die Dreigliederung geschrieben hat und sich auch mit dem Theorie-U-Ansatz von Otto Scharmer beschäftigt – und deswegen Bürgermeister wurde. Dann wird Tadeu Caldas als international tätiger Demeter-Berater berichten, wie Bio-dynamisch heute weltweit vertreten ist; Walter Hahn wird dabei sein, der dabei ist, den Koberwitz-Impuls auf die Philippinen zu tragen; ein Team von Denkmal-Film aus München wird die Fahrt zu einem Dokumentarfilm verarbeiten; die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Save our Seeds und die Kulturstiftung Saatgut, die Ernst Michael Kranich Stiftung kommen ebenfalls mit und natürlich die Lichtwurzel.

Vera Koppehel: Es ist ein Lebensfreude-Projekt, kein Zug gegen etwas, sondern ein Zug für etwas, für das Leben!

Die Fragen stellten Jens Heisterkamp und Ramon Brüll. Gekürzter Text aus der März-Ausgabe von Info3 – Anthroposophie im Dialog.

Der Kulturgutexpress fährt in Salzburg am 6. Juni ab und kehrt am 9. Juni zurück. Ein Ticket kostet inklusive Bahnfahrt im historischen Zug, drei Übernachtungen und Pfingsttagung in Kraljevec Euro 590,-. Reiseroute, Mitwirkende und ständig aktualisierte Informationen zum Kulturgutexpress RST 153 gibt es hier: http://www.kulturgutexpress.com/