Bio reagiert schnell, kompetent und überzeugend

Von Info3 Berlin-Korrespondentin Astrid Hellmundt

Schon seit Wochen hatte man beim Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) erwogen, sich in die aktuelle Diskussion zur EHEC-Krise einzubringen, beobachtete aber einen überwiegend sachlichen Verlauf der Diskussion und nahm bisher davon Abstand. Das änderte sich schlagartig mit der Identifikation eines Bio-Sprossenbetriebs in Niedersachsen als Beteiligter des Ausbruchsgeschehens. Wenn daraus Rückschlüsse auf ein ganzes System gezogen werden, muss etwas dazu gesagt werden.

Auf Einladung des BÖLW fand am 15. Juni in Berlin ein Hintergrundgespräch statt, in dem die wichtigsten Fakten und der aktuelle Forschungsstand aus der Perspektive der ökologischen Landwirtschaft präzise, verständlich und wissenschaftlich fundiert vorgestellt wurden. Zur Verfügung standen Prof. Dr. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (Schweiz), Prof. Dr. med. Michael Krawinkel, Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Gießen, und Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW.

Die Experten stellen klar: EHEC ist kein Thema einer spezifischen Anbaumethode. Vom Öko-Anbau einer besonders streng kontrollierten und auf dem neuesten Stand der Forschung basierenden Methode geh erwiesenermaßen kein besonderes Risiko für die Kontamination von Lebensmitteln mit EHEC-Erregern aus. Dies sei eher auf ungenügende Einhaltung der Hygienevorschriften zurückzuführen, welche systemunabhängig sind und für konventionelle wie Bio-Betriebe gelten. Gerade der betroffene Betrieb in Bienenbüttel aber ist mehrfach zertifiziert und hält seit 25 Jahren hohe Standards der Qualitätssicherung ein. Der Ausgangspunkt für den Ausbruch der Infektionen ist nach wie vor nicht bekannt, deswegen könnten auch noch andere Verbreitungswege nicht ausgeschlossen werden, so die Experten.

Der BÖLW fordert eine weitere intensive Suche nach der tatsächlichen Quelle. Außerdem dürften für künftige Warnungen bei Verdachtsmomenten keine diskreditierenden, vorverurteilenden Formulierungen verwendet werden. Der Verband verlangte schließlich die Einrichtung eines behörden- und ministerienübergreifenden Krisenstabs, bei dem alle Informationen zusammenfließen, ausgewertet werden und die Information der Öffentlichkeit koordiniert wird.

http://orgprints.org/18904/4/fibl-2011-ehec-deutsch.pdf