dm-LogoBereits in der vergangenen Woche deckte die Bloggerin Pia Drießen auf, dass dm seine beliebten Pfand-Stoffbeutel offenbar neuerdings in Indien produzieren lässt – ohne darauf explizit hinzuweisen und im gleichen Design wie die bisherigen Taschen, die von Sina Trinkwalders manomama-Label in Deutschland gewebt und genäht wurden. Die Nachricht machte die Runde, schnell war im Netz gar von #Taschengate die Rede. Auch wenn die reflexartigen Vorwürfe, dm greife nun wohl aus Kostengründen lieber auf Kinderarbeit zurück, unberechtigt waren – die neuen Taschen sind nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert, entsprechen also ebenfalls hohen ökologischen und ethischen Ansprüchen – ist der Unmut über die zunächst dürftige Unternehmenskommunikation verständlich. Mittlerweile hat dm bekannt gegeben, weiterhin parallel auch die manomama-Taschen im Programm behalten zu wollen. „Dass sich die Taschen aus Deutschland und Indien ähneln hat einen guten 
Grund: Wir haben in der Vergangenheit unterschiedliche Formen, Farben und Muster produzieren lassen und angeboten. Das aktuelle Design ist bei unseren Kunden am beliebtesten“, heißt es etwas lapidar in einer Presseerklärung.

Einige Tage später berichtete die Lebensmittelzeitung über Pläne bei dm, eine eigene Bio-Linie einzuführen – die bisherige Hausmarke Alnatura sei „erheblich irritiert“. Die taz griff das Thema mit Bezugnahme auf den nur Abonnenten zugänglichen Artikel auf: Die dm-Zentrale wolle ihr Sortiment ausbauen, dabei könne es laut Geschäftsführer Erich Harsch zu „unterschiedlichen Auffassungen zwischen Partnern, auch mit Alnatura, kommen“. Ein ebenfalls zitierter Branchenexperte schätzt die Entwicklung einer vermutlich preisgünstigeren Bio-Eigenmarke als „harten Schlag“ ein, der Alnatura „mit Sicherheit Anteile kosten“ werde. Dies ist umso erstaunlicher angesichts der engen auch persönlichen Verflechtungen zwischen der Geschäftsführung beider Unternehmen, bei der auch der gemeinsame anthroposophische Hintergrund der Firmengründer eine Rolle spielt.

Am vergangenen Dienstag bestätigte dm nun gegenüber der taz die Pläne für eine eigene Bio-Eigenmarke. Man komme damit dem wachsenden Bedürfnis der Verbraucher nach Markenvielfalt nach. Die Kritik an diesen Pläne könne Harsch nicht verstehen: „Als wir unsere ersten Eigenmarken in den Verkehr gebracht haben, sind die Hersteller auch nicht begeistert gewesen, denn es ist ja ein neues Produkt in den Wettbewerb um die Gunst der Kunden dazugekommen“, wird Harsch zitiert. Auch die Tatsache, dass dm mit den Alnatura-Herstellern verhandle, sei wenig überraschend, da die Anzahl in Frage kommender Produzenten „sehr überschaubar“ sei.

Alnatura-Chef Götz Rehn gab sich im Rahmen der heutigen Jahrespressekonferenz seines Unternehmens gelassen: „Wir schätzen die exzellente Zusammenarbeit, die wir in der Vergangenheit mit dm hatten.“ Alnatura-Produkte würden weiterhin in den dm-Filialen angeboten, auch wenn sich die Drogeriekette offenbar mit ihren Eigenmarken breiter aufstellen und unabhängiger werden wolle. „Die Kunden können ja weiterhin wählen“, betonte er.