Become Love

Foto: Become Love Festival

Von Anselm Grün, Gerald Hüther und Maik Hosang

In allen Menschen wohnt eine Sehnsucht danach, sich sowohl als einzigartiges Wesen frei zu entfalten als auch mit anderen Menschen intensiv verbunden zu sein. Diese universelle Sehnsucht hat in jedem Einzelnen eine jeweils ganz individuelle Ausprägung und Stimme.

Diese innere Stimme eines Menschen ist der individuelle Ausdruck des universellen Grundes der Evolution oder Schöpfung, den alle großen Kulturen bzw. Religionen letztlich als Liebe beschreiben. Denn Liebe ist – wie die Seele als ihre individuell-menschliche Stimme – die einzige Qualität oder Energie des Seins, die sowohl verbindet als auch befreit. Und erst wenn Menschen diese oft eher leise innere Stimme der Seele oder Liebe in sich verstehen und von dieser aus ihr Ich-Ego gestalten lernen, beginnen sie, ihr wirkliches menschliches Potenzial zu entfalten.

Um sich seiner Seele als Kern und Stimme des eigenen Potenzials bewusst zu werden, braucht der Mensch einen kulturellen Bezugsraum, der weder nur das eigene Wohlergehen noch nur eine nie ganz erfassbare spirituelle Dimension ist. Dieser Bezugsraum der menschlichen Seelen könnte ihr gemeinsamer Heimatplanet Erde sein.

Er wird aber erst dann für viele verfügbar, wenn er auch in den unterschiedlichen Regionalkulturen und Religionen präsent ist. Die dazu nötige Anerkennung und Wertschätzung kultureller und religiöser Differenzen ist auch aus anderen Gründen wünschenswert:

Auch die ökologischen und sozialen Krisen der modernen Zivilisation werden erst lösbar, wenn die Kämpfe, aber nicht die Differenzen zwischen den Kulturen und Religionen aufgehoben werden. Denn zum einen verschlingt der Kampf um Vorherrschaft erhebliche Ressourcen, die für gemeinsame Lösungen gebraucht würden. Zum anderen blockiert die damit einhergehende Abgrenzung genau das menschliche Potenzial, das es zur Lösung dieser Krisen braucht.

Um die Differenzen der Kulturen und Religionen anzuerkennen, darf deren vielfältiger Reichtum an Traditionen, Formen, Farben und Tönen nicht eingeebnet werden. Vielmehr geht es darum, ihre Differenzen im tiefsten Grund erkennbar und lösbar zu machen. Den tiefsten Grund nennen die einen Gott, die anderen Allah, Jahwe, Brahma, Tao oder anders. Allen Kulturen und Religionen gemeinsam ist jedoch, dass ihre tiefsten Gründe eine letztlich identische Art von universeller Liebe ausdrücken. Entscheidend ist es sich darauf zu verständigen, dass es zwei entscheidende Gemeinsamkeiten gibt: die gemeinsame irdische Lebenswelt und die Liebe als Essenz ihrer Spiritualität.

Eine solche kultur- und religionsverbindende Welt-Liebe darf sich jedoch nicht als Forderung über die Seele der Menschen stellen. Sie ist nur soweit wirksam, wie sie in der inneren Stimme, Kreativität und Freude vieler einzelnen Seelen zum Erleben gebracht werden kann.

Die Entwicklung und kulturelle Etablierung des Begriffs und Phänomens „Welt-Liebe“ ergibt daher doppelten Sinn für eine wünschenswerte Zukunft von Mensch und Erde: Zum einen zur  Aufhebung der kulturell-religiösen Differenzen und zum anderen zur Entfaltung menschlicher Potenziale. Dafür Impulse zu setzen und ersten Austausch zur ermöglichen, ist das zentrale Anliegen und  Thema des diesjährigen Philosophiefestivals der Liebe vom 5. bis 9. September in Berlin.

Mitwirkende der Veranstaltung sind neben dem Autor und Mit-Initiator Maik Hosang u.a. Gerald Hüther, Anselm Grün und Jens Heisterkamp.

Zum Video mit Maik Hosang über den Kongress

Berlin, 5.-9. Septrmber 2015, Programm und Anmeldung