Cartoon: Pia Guerra

Steve Bannon signalisiert schon durch sein Äußeres Distanz zum Establishment: Fast nie sieht man ihn mit Krawatte oder Anzug, dafür stets mit offenem Hemd und nicht selten in legerer Freizeitjacke. Die Sturmfrisur und seine schwarze Hornbrille lassen eher an einen Intellektuellen denken denn an einen Polit-Profi.

Während der großen Finanzkrise 2008 hatte Bannon ein Schlüsselerlebnis, das er auch in dem Dokumentarfilm „Generation Zero“ verarbeitet hat. Er verachtet seither das rücksichtslose Verhalten der Wallstreet, die sich ihr Versagen auf Staatskosten noch vergolden ließ. Bannon fand Anschluss an die Tea-Party-Bewegung (dem amerikanischen Vorbild für Pegida) wo Bannon bei einer Rede aus dem Jahr 2010 sagte, kein Gegner in den letzten hundert Jahren von Hitler, Stalin und Mao bis Osama bin Laden habe den USA so geschadet wie die eigene Finanzelite, die sich über Jahre selbst bereichert und beim drohenden Crash mit Milliardensummen habe retten lassen.  Das System des liberalen Amerika produziere „Sozialismus sowohl für die Armen wie auch für die Oberschicht“. Staatliche Gelder zur Bekämpfung der (für ihn gar nicht existierenden) globalen Erwärmung oder für ein staatliches Gesundheitssystems sieht er als „wahre Bedrohung“ der USA an. Die Zeche dafür müsse die ausgeraubte Mittelklasse und die Arbeiterschaft zahlen. Mit solchen Reden zieht Bannon vor allem Menschen der sogenannten Alt-Right an, der Neuen Rechten in den USA, die auch in seiner Breitbart-News-Plattform eine Heimat gefunden hat. Bannons Verachtung gilt allem Etablierten und Elitären, vor allem den Medien und den Parteien. In seinen Reden beschwört er dagegen die patriotische Kraft des einfachen Volkes.

Bannon denkt in großen Zeiträumen. Er orientiert sich dabei wesentlich an der von den Autoren Strauss und Howe verfassten Theorie der „Vierten Wende“. Bannon kam mit den Urhebern dieser Idee während eines Filmprojekts über die Finanzkrise von 2008 in Kontakt. Demnach geraten die USA etwa alle 80 Jahre in eine tiefe Krise, in der sie sich bewähren müssen: Der amerikanische Bürgerkrieg und der 2. Weltkrieg waren solche Wendepunkte, heute stehe wieder eine welthistorische Auseinandersetzung im Kampf gegen den Islam und China bevor:  „Der Islam und China sind auf dem Vormarsch. Beide sind motiviert und arrogant. Die denken, dass der jüdisch-christliche Westen auf dem Rückzug ist … Deshalb wird die Zukunft etwas ungemütlich. Wir werden in den kommenden Jahren einen neuen, großen Krieg im Nahen Osten bekommen und gegen China Krieg führen müssen“, so Bannon beispielsweise auf einer Konferenz im Dignitate Humanae Institute im Vatikan vom Juli 2014, wo er per Skype zugeschaltet war. Bei dieser Rede lobte er offenbar auch den Faschisten Alexander Dugin, der in Russland für ein Eurasien unter russischer Führung agitiert. Die Unfähigkeit Europas, sich gegen Flüchtlinge abzuschotten, sieht Bannon als Versagen des Westens und Vorboten eines Desasters, das die USA unbedingt verhindern müssen. Seine Rede von der „Rückeroberung“ Amerikas trägt apokalyptische Züge. Den Urhebern der „Vierten Wende“ zufolge wird während der letzten Krise „ein unerwartete Führer der älteren Generation auftauchen und die Nation führen, sie bezeichnen diese Person als den „Grey Champion“, wie Paul Blumental in der Huffington Post zusammenfasst.

Bannon liebt Kriegs- und Kampf-Metaphern: „Ich bin Leninist. Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will das ganze System zu einem krachenden Kollaps bringen und das gesamte heutige Establishment zerstören,“ zitiert ihn die Website „The Daily Beast“ vom November 2013. „Steve ist ein strenger Militarist, er liebt den Krieg – er ist fast poetisch für ihn“, beschreibt ihn Julia Jones ebenfalls in „The Daily Beast“.

Ein viel diskutiertes Zitat Bannons, hier im englischen Original wiedergegeben, scheint dies zu unterstützen: „Darkness is good … Dick Cheney. Darth Vader. Satan. That’s power. It only helps us when they get it wrong. When they’re blind to who we are and what we’re doing.“ Diese Worte erinnert der Kolumnist Brad Meltzer vom „Hollywood Reporter“ aus einer Begegnung mit Bannon im Trump Tower am 15. November, kurz nach dem Wahlsieg.

Bannons Weltbild ist das eines starken, weiß geprägten Amerika wie in seinen besten Jahren, befreit von den sozial-grün-demokratischen Werten, die seiner Ansicht nach die USA nur schwächen. Seine massive Kritik an den Finanzeliten und am politischen Establishment machen ihn auch über rechte Kreise hinaus anschlussfähig. Möglicherweise ist Bannons Sendungsbewusstsein sogar metaphysisch überhöht: Das US-Magazin „The Diplomat“ beruft sich auf einen früheren Freund Bannons, der sich erinnert, dass der Trump-Berater „eine Menge über Dharma sprach – er fühlte sehr eindringlich gegenüber Dharma, einem der stärksten Prinzipien aus der Bhagavad Gita“, die Bannon offenbar sehr schätzt.

 

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