Wie gerne hätte ich daher heute bei Kopp oder auch auf manchen anderen Webseiten und auf Facebook, wo besorgte ZeitgenossInnen vor dem Ereignis gewarnt hatten, den Satz gelesen: „Wir haben uns wohl geirrt“. Aber Eitelkeit ist, wie schon der ehrwürdige Bob Dylan sang, die größte Krankheit unter den Menschen. Die dunklen Mächte im Hintergrund haben sich sicher was anderes überlegt.
Dennoch eine Gelegenheit sich zu fragen, warum so manche ansonsten so liebenswürdige ZeitgenossInnen bei diesem und manch anderem Thema geneigt sind, sich derart undurchschaubaren Verweisen hinzugeben. Der verpasste Anschlag von gestern sollte ja sogar in einer Folge der Simpsons und in verschlüsselten Botschaften von Angela Merkel angekündigt worden sein – na, wer da noch zweifelt! Wie kommt es, dass so viele gerade engagierte und unkonventionelle Menschen sich kritiklos derart undurchschauten Gefühlslagen hingeben nach dem Motto: „Irgendwas wird schon dran sein!“ Welche Disposition liegt einem Verhalten zu Grunde, in Vorstellungen geradezu zu schwelgen, wonach irgendwelche stets ungenannten Mächte „uns“ belügen, mit falschen Informationen und geheimen Strahlungen manipulieren, Erdbeben auslösen oder den Himmel mit Chemikalien versauen?

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die nächste Party: Wenn Sie mal richtig mit einer schrägen Position auftrumpfen wollen müssen Sie nur mal naiv in die Runde fragen, wer eigentlich hinter den Anschlägen vom 11. September steckt – und dann, nachdem die üblichen Verdächtigungen abgelassen wurden, mit gespielter Überraschung sagen: „So? Ich haben nach reiflicher Prüfung der Fakten eine ganz andere Überzeugung und denke, dass eine von Bin Laden instruierte islamistische Gruppe aus Hamburg dahinter steckt.“ Ein unterhaltsamer Abend wird Ihnen sicher sein.