Professor Abdullah Takim von der Goethe Universität Frankfurt - Foto: Heisterkamp/Info3

Professor Abdullah Takim lehrt an der Goethe Universität Frankfurt – Foto: Heisterkamp/Info3

 Herr Professor Takim, was bedeutet eigentlich der Koran für die Muslime? Mir scheint, der Koran gilt ihnen mehr als nur als ein Buch, mehr auch als nur eine Chronik, wie etwa die Evangelien im Christentum als Dokumente von Christi Wirken verstanden werden. Ist der Koran das vom Propheten aufgeschriebene Wort Gottes, das von einem Erzengel vermittelte Wort Gottes oder unmittelbar das Wort Gottes?

Der Koran ist nichts anderes als die Rede Gottes. Gott hat dabei ein Anliegen: Er hat den Menschen erschaffen und er will, dass sich der Mensch vervollkommnet. Gott hat immer mit den Menschen gesprochen, und je nach der geschichtlichen Lage der Menschheit hat Gott verschiedene Gesandte geschickt, denen er Eingebungen schickte. Im Koran gibt es aber sehr verschiedene Ebenen, wie Gott mit den Menschen redet. Er redet zum Beispiel, indem er durch einen Engel spricht, der seine Botschaft in eine Sprache kleidet, die die Menschen verstehen. Am Beispiel des Korans ist das die arabische Sprache. Der Vermittler ist der Erzengel Gabriel, der die Botschaft Gottes ins Herz des Propheten überträgt. Eine zweite Form des Sprechens ist, dass Gott mit dem Menschen, wie bei Moses, hinter einem Vorhang spricht, in der Bibel ist von einem brennenden Dornbusch die Rede. Und eine dritte Form ist die, dass Gott direkt etwas eingibt. Die zuerst genannte Form, über den Erzengel, die hat historisch aufgehört. Das direkte Sprechen zu einem Menschen wie bei Moses hat auch aufgehört. Was weiterhin besteht, ist, dass Gott jedem Menschen durch Inspiration und Intuition etwas eingeben kann.

 

Das wären bestimmte Gedanken?

Ja. Man muss sich ja fragen: Woher kommen eigentlich unsere Gedanken? Wir haben täglich tausende Gedanken, gute und weniger gute. Nach islamischer Auffassung gilt es hier zu unterscheiden, denn nicht nur Gott, sondern auch der Satan oder die Triebseele des Menschen kann Gedanken eingeben. Jesus sagt ja, dass das Böse nicht von Außen, sondern aus dem Inneren des Menschen kommt. Aber es gibt eben auch gute, direkte Inspirationen von Gott.

 

Es gilt also die Inspirationsquellen zu unterscheiden?

Genau darin besteht die Prüfung des Menschen, er hat die Freiheit auszuwählen, dafür ist er verantwortlich. Warum gibt es so viel Böses in der Welt? Weil die Menschen ungeprüft ihren Gedanken folgen, statt die schlechten Gedanken zu kanalisieren und durch gute zu ersetzen. Die schlechten Gedanken haben zur Zeit des Propheten dazu geführt, dass viele Menschen auf der arabischen Halbinsel an allerlei Götter geglaubt und diversen religiösen Praktiken verfallen waren und dadurch drohten, ihr Schöpfungsziel zu verfehlen. Der Koran sagt, dass Abraham den Islam gepredigt hat, dass er die Kaaba erbaut hat, aber dass die Araber der damaligen Zeit mit ihrer Götzenanbetung etwas kultiviert haben, was Gottes nicht würdig war.

 

Der Prophet hat also von seinem Selbstverständnis her eigentlich keine neue Religion begründet?

Nein, er hat die ursprüngliche Religion Abrahams wiederhergestellt. Der Koran behauptet nirgends, dass der Islam eine neue Religion ist. Gleichzeitig nimmt der Islam eine Evolution der Religion an.

 

Der Gedanke, dass wir auf die Inspirationsquellen unserer Gedanken achten sollten, teilen viele spirituelle Richtungen und auch die Anthroposophie. Steiner hat auch an die Lehre von Engelhierarchien angeknüpft. Welche Bedeutung hat der Engel Gabriel für den Islam?

Gabriel kommt ja auch im Alten Testament und in den Evangelien vor. Der arabische Begriff dafür im Koran lautet „Dschibril“. Er wird auch als der heilige oder als der vertrauenswürdige Geist bezeichnet. Gabriel ist dem Propheten zuerst in einem Berg in Mekka erschienen, als er die ersten fünf Verse des Korans empfing – heute ist das die Sure 96, die mit der Aufforderung „lies!“ oder „trag vor!“ beginnt. Er hat ihn aber ein anderes Mal auch am Horizont gesehen. Der Kontakt mit dem Erzengel, durch den der Koran empfangen wurde, dauerte über 23 Jahre bis zu Mohammeds Tod 632.

 

Der Koran wurde also nicht von Mohammed als ein Buch in einem Zug geschrieben?

Nein, und es bereitet den Wissenschaftlern bis heute Schwierigkeiten, genau die Chronologie der Koransuren herauszuarbeiten. Wenn man nicht auf die Chronologie achtet, werden manche Aussagen des Korans, wie etwa die Aufforderung, die Polytheisten zu töten, wo man sie findet, verabsolutiert und ihr Entstehungskontext ignoriert. Diese Verse, die zu einem Zeitpunkt in Medina herabgesandt wurden, wo die Muslime einen Verteidigungskrieg führen mussten, müssen vor dem Hintergrund des damaligen Kriegsrechts gesehen werden.

 

Die meisten Nicht-Muslime würden wohl einfach Mohammed als Autor des Korans bezeichnen.

Ist der Prophet Mohammed der Autor? Ist der Koran die Predigt eines Menschen? Wenn Sie das annehmen, wie es viele Wissenschaftler im Westen tun, bekommen sie mit dem Text Probleme, denn der Text des Korans selber sagt, nicht der Prophet Mohammed hat das geschrieben, sondern er ist durch den Engel Gabriel dem Propheten von Gott in sein Herz gesenkt worden. Andernfalls wäre der Prophet ein Lügner. Dass aber ein Lügner eine so wirkungsvolle religiöse Bewegung in die Welt bringt, ist nicht möglich. Ohnehin ist diese enorme Ausbreitung des Islam in knapp hundert Jahren äußerlich kaum erklärbar.

 

Man muss Mohammed nicht als Lügner bezeichnen, aber entsprechend der westlichen Rationalität und Ideologiekritik ist man natürlich daran gewöhnt, solche Äußerungen als Inszenierungen eines Autors zu deuten, mit denen er seinem Text eine größere Autorität geben wollte.

Das kenne ich selbstverständlich. Aber bedenken Sie einmal Folgendes. Im Koran gibt es viele Formulierungen, wo es heißt „sprich!“ oder „trag vor!“ – wenn das nur Selbstinszenierungen gewesen wären, wäre das den Menschen um Mohammed in den 23 Jahren aufgefallen. Der Prophet war aber offensichtlich ein sehr vertrauenswürdiger Mensch, sogar die polytheistischen Mekkaner haben ihm vertraut. Dann gibt es Verse wie den folgenden:

 

Sprich: Gott ist einer

Ein ewig reiner

Hat nicht gezeugt

Und ihn gezeugt hat keiner.

 

Das ist also eine Anweisung an den Propheten, etwas auszusprechen, die er dann vorgetragen hat. Eine solche Selbstinszenierung über einen so langen Zeitraum würde nicht funktionieren. Es gab allerdings damals Vorwürfe der polytheistischen Araber, nicht Gott, sondern die Dschinn seien die Inspirationsquelle dieser Verse, weil man annahm, dass diese Geistwesen Mohammed wie einen Dichter inspiriert hätten. Das lehnt der Koran aber ab. Auch Vorwürfe, dass der Prophet seine Aussagen lediglich aus dem Alten Testament abgekupfert habe, gab es schon damals.

 

Wie stellt man sich im Islam vor, dass die ursprüngliche Authentizität Gottes trotz aller Bearbeitung in den Koran eingegangen ist?

Die primäre Überlieferung ist die mündliche. Der Prophet hat die Suren nach der Offenbarung durch den Erzengel Gabriel den Menschen vorgetragen, sie wurden immer auch im Gebet vorgetragen, und ein großer Kreis um ihn herum nahm diese Verse auf und lernte sie auswendig. Zusätzlich dazu wurde der Koran auf Anweisung des Propheten auf die damaligen, unterschiedlichen Schreibmaterialien aufgezeichnet. Die Offenbarungen, die der Prophet im Laufe von 23 Jahren erhielt, konnten nicht zu einem Band oder Buch zusammengetragen werden, weil die Herabsendung des Korans bis zum Tode des Propheten andauerte. Aber Abu Bakr, der erste Kalif, hat dann nach dem Tod des Propheten dafür gesorgt, dass die Verse, die auf verschiedenen Schreibmaterialien und mündlich vorlagen, zusammengetragen und in einem Buch aufgeschrieben wurden. Es heißt, dass Abu Bakr den Prophetengenossen Zaid ibn Thabit beauftragt hat, den Koran unter anderem „aus den Brüsten oder Herzen der Menschen“ zu sammeln. Anlass dazu war übrigens, dass in einer Schlacht damals zahlreiche Menschen gefallen waren, die den Koran auswendig kannten und man Sorge hatte, der Text könne verlorengehen.

 

Die Verschriftlichung geschah also weit früher, als es vergleichsweise bei den Evangelien der Fall war. Dann erfolgte die endgültige Redaktion des Textes unter dem dritten Kalifen Uthman – wie kann man sichergehen, dass dabei keine subjektiven Einflüsse Eingang gefunden haben?

Unter Uthman wurde nur die Schreibweise beziehungsweise die Lesart vereinheitlicht, da es zuvor noch verschiedene Dialekte gegeben hatte, die zu Streitigkeiten beim Vortrag des Korans führten; allerdings wurde nichts an den Inhalten geändert. Die Tatsache, dass es in der arabischen Schrift keine Vokale gibt, erlaubt allerdings an vielen Stellen verschiedene Lesarten. Die islamische Tradition hat aber mit einer eher pluralen Auslegung des Korans keine Probleme – es ist doch ganz selbstverständlich, dass es in der weiten islamischen Welt zwischen Nordafrika und Indonesien sehr verschiedene Auslegungen gibt.

 

Im Westen erwartet man überwiegend vom Islam, dass er den Prozess der Entzauberung, den alles Religiöse und Heilige im Abendland durchgemacht hat, ebenfalls vollziehen muss. Wie steht der Islam zu den Ansprüchen der Vernunft?

Im Koran steht nichts, was der Vernunft grundsätzlich widersprechen würde. Es existieren aber Wahrheiten, die über der Vernunft stehen, die man aber durchaus rational nachvollziehen kann – die Existenz der Engel zum Beispiel.

 

Für die heutigen Menschen ist allerdings ein Engel nicht etwas, was man ohne weiteres mit der Vernunft in Verbindung bringen würde – wie kann man sich da herantasten?

Die Existenz der Engel ist selbstverständlich eine Glaubensfrage, aber in diesem Rahmen ergeben sich dann durchaus nachvollziehbare Gedanken. So gibt es im Koran ein großes Spektrum von Aufgaben, die den Engeln zugeschrieben werden – nicht nur dem Erzengel Gabriel, es gibt auch Engel, die bei der Erschaffung des Menschen zugegen waren und immer noch sind, aber auch in der Natur wirken Engel. Im Koran heißt es auch, dass die Engel den Thron Gottes tragen. Sie sind geflügelte Lichtgestalten, geschaffen aus reinem Licht. Engel können sich gegen Gott nicht auflehnen – anders als der Mensch. Der Mensch ist also ein Zwischenwesen, er kann aufgrund seiner Freiheit sogar mehr werden als ein Engel, er kann aber auch auf eine tierische Stufe zurückfallen, wenn er schlechten Gedanken folgt.

Grundsätzlich gilt aber für uns Muslime, dass wir von einer Wirklichkeit überzeugt sind, in der es nicht nur die materiellen Dinge gibt. Das wird ja übrigens inzwischen auch von Vertretern der Naturwissenschaft wie dem Physiker Hans-Peter Dürr und anderen vertreten: Wir erleben mehr, als wir begreifen. Es gibt verschiedene Schichten der Welt, nicht nur die sichtbare, und eben auch eine Welt der Engel, die uns Menschen begleiten, uns beschützen und unsere Taten gleichsam aufschreiben. Als Lichtgestalten können sie uns auch beispielsweise in Träumen erscheinen – das sind reale Wesen. Dürr sagt sinngemäß, die sinnliche Wirklichkeit ist nichts anderes als die Oberfläche eines Meeres aus Energie. Ein islamischer Mystiker, Ibn Arabi (gest. 1240), ist zu demselben Ergebnis gekommen und sagt sich auf den Koran stützend: „Jeder Moment des Seins wird durch Gott aufrechterhalten und kein Moment des Seins gleicht dem anderen.“

Aus dem Koran lässt sich auch eine Evolution des Universums ableiten – der Islam ist nicht gegen das Prinzip der Evolution, im Gegenteil. Die Evolution hört aber nicht mit dem Körperlichen auf, sondern geht im Geistigen weiter. Der Mensch trägt in sich verschiedene Selbste, wie Yunus Emre, der Mystiker im 13. Jahrhundert sagt: „Ich habe ein Ich in meinem Ich innerhalb meines Ichs.“ Wir alle tragen weitere, geistige Welten in uns. Und wenn man evolutiv diese geistigen Welten verfolgt, dann kann man auch besser verstehen, dass es so etwas wie Engel gibt. Denken wir auch an C.G. Jung, der von Archetypen gesprochen hat.

 

Gibt es im Islam auch eine Entsprechung zu dem, was im jüdischen und christlichen Denken heilige Menschen sind oder im buddhistischen oder hinduistischen Denken die Erleuchteten?

Das gibt es. Der Koran geht davon aus, ähnlich wie es auch Schiller gesagt hat, der Mensch ist frei, auch wenn er in Ketten geboren wäre. Selbst wenn sie im Gefängnis sind, vielleicht ungerechtfertigt, können sie eine geistige Evolution durchmachen. Solche innerlich freien Menschen nennt der Koran „Freunde Gottes“, und jeder Mensch kann sich dahin entwickeln, durch den Glauben und gute Werke. Rumi sagt: Ich war ein Mineral, wurde dann zur Pflanze, zum Tier und wurde zum Menschen. Du musst keine Angst haben vor dem Tod, du wirst dich noch höher entwickeln, zu den Engeln. Der Geist kann nicht sterben, er entwickelt sich und kann sich noch höher entwickeln. Die Engel führen nur aus, was Gott sagt – der Mensch kann aus Freiheit selbst entscheiden.

 

Wenn doch der Mensch frei ist – was hat es denn mit den vielen Androhungen von Bestrafung durch Gott im Jenseits auf sich, die im Koran zu finden sind? Und steht das nicht im Widerspruch zur Barmherzigkeit Gottes?

Zunächst ist ja der Koran auf der arabischen Halbinsel herabgesandt worden, wo wir uns vorstellen müssen, dass es dort gar keine richtige Rechtssprechung und viele barbarische Bräuche gab, beispielsweise unerwünschte Mädchen in manchen Stämmen nach der Geburt lebendig zu begraben. Bei der Heirat gab es keine gerechten und beide Geschlechter gleich behandelnden Regeln und es gab Blutsfehden. Deshalb sagt beispielsweise der Koran, wenn einer eures Stammes getötet wurde, dürft ihr auch nur einen töten, oder ihr nehmt Blutgeld statt Menschenleben – aber zu verzeihen ist noch besser. Das sind die weltlichen Regeln. Dann gibt es aber auch angedrohte Sanktionierung im Jenseits.

 

Warum ist das so ausgeprägt?

Weil Gott will, dass wir uns gar nicht erst durch schlechte Taten unseren Weg erschweren, er will vielmehr, dass die Menschen ins Paradies kommen. Die Strafen im Jenseits sind notwendig zu denken, damit die göttliche Gerechtigkeit wiederhergestellt wird – ein Gedanke, den übrigens ähnlich auch Kant postuliert hat.

 

In der christlichen Religion hat man heute ja den strafenden Gott weitgehend ausgeblendet. Dabei wird nicht bedacht, dass es in einer Welt, in der es keinen Ausgleich für moralische Vergehen gibt, weder Freiheit geben kann noch dass eine solche Welt ohne ausgleichende Gerechtigkeit, egal in welcher Form, überhaupt als gottgeschaffen und sinnvoll angesehen werden könnte. Ohne eine höhere Gerechtigkeit gäbe es keinen Ausgleich für all das Schreckliche, das Menschen von Menschen angetan wird.

Genau. Aber letztendlich ist auch die Strafe in der Barmherzigkeit Gottes aufgehoben. Gott will Menschen erziehen, aber er gibt ihnen auch unzählig viele Möglichkeiten, zu ihm zu finden. Alles, wirklich alles, was wir tun, kann Gottesdienst sein – auch ein Gespräch über geistige Dinge zum Beispiel kann Gottesdienst sein, nicht etwa nur das Verrichten der täglichen Gebete oder der Besuch des Freitagsgebets. Im Koran heißt es, weder die Söhne noch Hab und Gut werden im Jenseits etwas nutzen, sondern nur wer ein gesundes Herz zu Gott bringt (Sure 26,88-9). Wir werden Euch für Eure Taten zur Rechenschaft ziehen, sagt der Koran in vielen seiner Verse. Aber der Mensch wird auch beim jenseitigen Gericht folgendermaßen angeredet: Lies dein Tatenbuch, du selbst genügst dir als Zeuge (Sure 17,14-5) – denn alles ist im Geist oder im Herzen aufgezeichnet.

 

Dann wären die sogenannten Höllenstrafen die Konfrontation mit den eigenen Verfehlungen?

Das ist es. Aus der Nahtodesforschung sind ja solche Konfrontationen mit dem Ergebnis des Lebens bekannt, Pim van Lommel beschreibt das in seinen Forschungen sehr schön. Solche Erfahrungen, etwa mit dem Tunnel, gibt es auch in der islamischen Tradition, wo die Menschen ihr ganzes Leben zusammengerafft in einem Moment sehen können. Alle Taten werden aufgezeichnet und man wird das am Lebensende sehen – das ist durchaus etwas Koranisches.

 

Eine der Formen, für seine Taten Verantwortung zu übernehmen und zu einem Ausgleich zu kommen, ist die Idee der Wiederverkörperung. Ist so etwas auch im Islam bekannt?

Es gibt durchaus einige wenige Muslime, die solche Gedanken hegen, insgesamt spricht der Koran aber eher von einer klaren Wand zwischen Diesseits und Jenseits. Es gibt jedoch auch einige Verse, die einen zweimaligen Tod und ein zweimaliges Leben erwähnen (Sure 2,28).

 

Ist die Existenz des Menschen nach dem Tode nach islamischer Vorstellung eine individuelle Existenz?

Ja, selbstverständlich.

 

Selbstverständlich ist das nicht, es wäre ja auch die Vorstellung möglich, dass sich das Individuelle nach dem Tod in ein allgemeines Geistiges auflöst, weil das Individuelle nur im Zusammenhang mit dem Körperlichen besteht – der arabische Philosoph Averroes hat ja die Auflösung der individuellen Seele nach dem Tode gelehrt.

Das ist allerdings eine extreme Position, die man im Koran nicht findet. Was den Menschen ausmacht, ist sein Geist, der seine Identität ermöglicht. Der Begriff der Person ist im Islam sehr wichtig – der Geist entwickelt sich im Körper und kann sich als ein identisches Wesen begreifen. Deshalb ist auch die Existenz nach dem Tode personal. ///

 

 

Das Gespräch erschien in der September-Ausgabe der Zeitschrift Info3. Hier kann man ein kostenloses Probeheft bestellen.