Foto: Frank Meyer

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Zu den Highlights der Anthroposophischen Medizin gehört, wie hier schon öfters dargestellt, die Therapie mit den sogenannten Planetenmetallen. Die mit diesen sieben Metallen und den zugehörigen Himmelskörpern (Saturn-Blei, Jupiter-Zinn, Mars-Eisen, Sonne-Gold, Venus-Kupfer, Merkur-Quecksilber, Mond-Silber) verbundenen Kräfte werden gezielt eingesetzt, um bestimmte Heilungsprozesse anzuregen und zu verstärken, z.B. Abgrenzungsprozesse mit Blei und seinen Verbindungen oder Regenerationsvorgänge mit Silberpräparaten. Das Verständnis der Metallprozesse wird erleichtert durch die Überlieferungen von den antiken Planetengottheiten (Venus, Mars, Merkur usw.) Diese Wesen, welche die besonderen Qualitäten des jeweiligen Planetenmetalls verkörpern, wurden in den griechischen und römischen Mysterien verehrt. Mit ihnen pflegten die Menschen aber auch in ihrer Alltagskultur vertrauten Umgang – bis in die Gegenwart hinein. Wie aber verhält es sich mit den anderen Metallen? Welche (Heil-)Kräfte dürfen wir von ihnen erwarten, und wie können wir diese verstehen?

 

Antimon, das Äthermetall

 

Während die sieben „Planetenmetalle“ bestimmte Archetypen sozusagen in „Reinform“ repräsentieren, sind andere Metalle durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Einflüsse und Kräfte entstanden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie in ihrer Bedeutung den sieben Metallen untergeordnet oder für die praktische Heilkunst weniger wichtig wären. Das gilt besonders für das Antimon, welches als Halbmetall gilt und in der Anthroposophischen Medizin eine wichtige Rolle spielt. Halbmetalle werden Stoffe genannt, die nicht alle typischen Metalleigenschaften voll ausgebildet haben. So ist Antimon, ein hell glänzender, bröseliger Stoff, aufgrund seiner Sprödigkeit nicht geschmeidig wie es Metalle normalerweise sind. Auch ist die metalltypische Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme nicht sehr hoch. Ansonsten aber ist Antimon mit seinem silbrigen Glanz zweifellos ein Metall und wird auch als ein solches verwendet, z.B. in Legierungen. In der Natur kommt Antimon, auch Stibium genannt, vor allem in der Form des weit verbreiteten Grauspießglanzes (=Antimonit=Stibnit) vor, einer Schwefelverbindung (Sulfid) des Antimons. Am Grauspießglanz mit seinen strahlig angeordneten, häufig nadeligen Kristallen zeigen sich für die Anthroposophische Medizin wichtige Eigenschaften des Antimons, und auch die Alchemisten, die dem Antimon ganze Abhandlungen widmeten, sprachen meist vom Grauspießglanz. Dieser bringt die Signatur des Antimons besonders deutlich zum Ausdruck. In ihrem Buch Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst weisen Rudolf Steiner und Ita Wegman auf dies „büschelförmige Gestaltung“ hin und führen weiterhin aus: „Es gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.“* Das bröselige Antimon ist – mit anderen Worten – ein Metall, das sich gegen das Irdischwerden wehrt und dadurch eine starke Affinität zum „Ätherleib“, dem System der Lebenskräfte hat. Ein „unirdisches“ und dadurch besonderes Metall. Seine Kraft verdankt das Äthermetall, heißt es an anderer Stelle** dem „Zusammenwirken, planetarisch gesprochen, von Merkur, Venus und Mond“. Diese addieren sich nicht etwa bloß, so dass die Antimonwirkung lediglich die Summe von Quecksilber, Kupfer- und Silberwirkungen wäre, sondern die Antimonwirkung beruht auf einer eigenständigen Kraft, welcher als Formkraft dem menschlichen Organismus und den Organen die Gestalt verleiht.

 

Mensch = Antimon

 

„Der Mensch ist eigentlich Antimon“, so Rudolf Steiner „wenn man sich heraus denkt alles dasjenige, was in ihn von außen eingeführt wird.“** Dieses Kraftsystem wird bei vielen Krankheiten in Mitleidenschaft gezogen, so dass der Einsatzbereich für Antimon und seine natürlichen und künstlichen Verbindungen sehr groß ist. Aus der Vielfalt von anthroposophischen und homöopathischen Antimon-Arzneimitteln nenne ich nun drei Präparate, die auch häufig zur Selbstmedikation bei eher kleineren, alltäglichen Beschwerden verwendet werden.

 

Die Bismutum/Stibium Creme enthält die (Halb-)Metalle Antimon (Stibium) und das verwandte Wismut (Bismutum) 1:1 in niedriger Potenz (d.h. relativ hoch konzentriert, so dass die Creme leicht grau gefärbt ist). Wismut löst Verhärtungen auf und macht die Haut weich, wirkt wie Antimon entzündungshemmend, vor allem bei Geschwüren. Antimon stellt die gesunde Form wieder her. Hilft zuverlässig bei Problemen von Kopf bis Fuß, v.a. rissigen Lippen (sog. Lippenrhagaden), sowie Dornwarzen, Hornschwielen und Hühneraugen.

 

Birkenkohle comp. Kapseln enthalten neben Birkenkohle und Kamillenwurzel Antimonit (Grauspießglanz). Die Anwendung von Antimonit bei Durchfall geht direkt auf Steiner zurück. Die formenden „antimonisierenden“ Kräfte begrenzen die überschießende Flüssigkeitsbildung im Darm, während die Birkenkohle vor allem die Wiederaufnahme der Flüssigkeit anregt. Kamille wirkt zusätzlich entzündungshemmend. Geeignet auch zur Durchfallvorbeugung auf Reisen.

 

Aurum/Stibium/Hyoscyamus Globuli und die ähnlichen Aurum/ Hyoscyamus comp. Tropfen eignen sich zur Behandlung von Rhythmusstörungen, z.B. bei Menschen mit „nervösem Herz“ (wenn Organerkrankungen ausgeschlossen wurden). Antimon, hier mit dem Gold und Schwarzen Bilsenkraut kombiniert, hilft, die Zeitgestalt bei gestörten Rhythmen (auch Schlafstörungen) wieder herzustellen.

Dosierung siehe jeweils Beipackzettel.

 

 

Achtung dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Autor und Verlag übernehmen keinerlei Haftung.

 

Dr. med. Frank Meyer ist Experte für Naturheilverfahren und Autor von „Das Geheimnis der Metalle – Vom Mythos zur praktischen Anwendung in der Anthroposophischen Medizin“ (Info3 Verlag 2012). Er ist seit 1994 als integrativer Hausarzt in Nürnberg tätig.

 

*Rudolf Steiner Gesamtausgabe Band 27, S. 69

**Rudolf Steiner Gesamtausgabe Band 312, S. 354-356