Cover: Absolut Medien

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Parallel zum neuen Film über Joseph Beuys von Rüdiger Sünner kommt jetzt sein Buch zum Film heraus. Es berichtet über die Dreharbeiten und Erfahrungen mit Beuys und ermöglicht eine emphatische Entdeckungsreise, die für Rüdiger Sünner mit 16 begann, als er sich aufgewühlt in die Installation „Das Rudel“ in der Kölner Kunsthalle vertiefte. Im Heranfahren an diese Installation beginnen Film und Buch: „Ich konnte Beuys nie als Scharlatan oder Verrückten sehen“, schreibt Sünner, „sondern empfand ihn vielmehr als Hüter und Beschützer von etwas, das ich nicht so recht in Worte fassen konnte“ (zum Trailer).

Doch seit Hans-Peter Riegels Beuys-Biografie ist der Blick auf den Künstler verstellt. Im Film bezieht Wolfgang Zumdick zu den Diskussionen über den fraglichen Flugzeugabsturz auf der Krim Stellung: Das Entscheidende sei, dass diese traumatische Todeserfahrung zum grundlegenden Lebensmotiv wurde, sagt Zumdick.

Und so erleben wir die Kunstwerke in Zusammenhang mit Naturbildern, Aussagen von Beuys, seinen Mitarbeitern und Wegbegleitern. „Die Natur war etwas Heiliges für ihn“, weiß Sonja Mataré zu berichten, Tochter von Ewald Mataré, dessen Bildhauerklasse der Student besuchte und in der er zur Anthroposophie fand.

Von großer Bedeutung bei Beuys sei der Hirsch, schreibt Sünner, das Tier, das in seinem Werk wohl am häufigsten erscheine. Das Geweih dieses „Seelengefährten“, der in Gefahrenmomenten auftauche, diene nach Beuys als Antenne zu spirituellen Erkenntnissen.

1955 fällt Beuys in eine tiefe Krise. Er ist künstlerisch erfolglos und lebt in extremer materieller Not. Wochenlang vergräbt er sich im abgedunkelten Zimmer, setzt sich in eine mit Pech beschmierte Kiste, um einfach mit dem Leben aufzuhören. Es ist die zweite Initiation. 1959 erhält er den Auftrag, in Meerbusch ein Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege zu errichten. Darin schuf er den „tanzenden“ Christus, der die späteren Reisen nach Irland und Schottland vorwegnahm, wo Beuys die Steinkreise, Druidenhaine und Klosteranlagen des keltischen Christentums aufsuchte. In ihren naturnahen Symbolen entdeckte er im Gegensatz zu unserer Überlieferung einen schwebenden Auferstehungs-Christus.

Obwohl Beuys sich zeitlebens mit der Anthroposophie auseinandersetzte, habe er, so Zumdick im Film, keine anthroposophische Formensprache entwickelt. Höchstens in den frühen Zeichnungen könne man das Ätherische oder Astralische Steiners finden. Beuys berühmte Sentenz, die eigentlichen Mysterien fänden nicht im Goetheanum, sondern am Hauptbahnhof statt, resultiere aus seiner Abwehr gegen das Einengende, das er in Dornach empfunden habe.

In den Fundstücken präziser Recherche zu Buch und Film zeichnet sich ein sozusagen staubfreier Joseph Beuys ab, der in heutiger Zeit einiges zu denken geben kann. Hat man nur das Buch, fehlt der Film mit seinen nahen Shots, der allein vielleicht zu dokumentarisch-nüchtern bleibt. Wir raten Eleven und Eingeweihten zum Konsum von beiden.

Zeige Deine Wunde, DVD 85 + 12 Minuten, € 14,80

Filmaufführungen:

Auf der Leipziger Buchmesse

13.3.2015: 19 Uhr – 20 Uhr

Lesung/ Filmpräsentation

Ort: Museum der Bildenden Künste, Katharinenstr. 10, 04109 Leipzig

14.3.2015: 11.30 – 12.00 Uhr

Film- und Buchpräsentation, Leseinsel Buchkunst und Grafik: Halle 3

 

Weitere Termine:

  1. und 31. 03: Urania Berlin

09.04. Kleve, 19.30 Uhr, Museum Kurhaus Kleve  10.04. Dornach, 18.30 Uhr, Goetheanum/Dornach 11.04. Schönach/ Bodensee, Kunsthalle   12.04. Wangen/ Bodensee, Waldorfschule
25.4. Rudolf Steiner-Haus, Hamburg

08.05. Berlin, Rudolf Steiner Haus

19.09. Frankfurt Niederursel, „der hof“

15.11 München, Rio Filmpalast

Das Buch zum Film: Rüdiger Sünner: Zeige deine Wunde. Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys.Europa Verlag 2015, 224 Seiten mit ca. 30 Abbildungen, Hardcover, € 17,99

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