7Mind app

Der Gong ist das Ereignis. Vom Anschlag bis zum satten Nachhall führt er uns tief hinein in die ungeteilte Aufmerksamkeit. Jeder schon länger Meditierende wird ihn kennen: Beheimatet ist er im Zen, doch eignet er sich auch als Signal bei anderen Meditationen. Jetzt ist dieser „Gong 1“ in den Einstellungen der brandneuen Meditationsapp „7Mind“ unter drei Vorgaben auszuwählen und der ultimative Ton, um die App zu erkunden.

Die anfänglichen Fragen, ob das denn passen kann: die subtile spirituelle Aktivität und das Smartphone oder ob nicht damit die Meditation endgültig in die Fänge Ahrimans geraten sei, sind angesichts der überzeugenden Wirkung (mehr Meditation!) schnell beantwortet. Sollten wir, die wir zumeist auch unter dem Zeichen des angebissenen Apfels arbeiten, nicht wissen, dass Erkenntnis, Weiterentwicklung sich hart an den Widersacherkräften reiben muss, um profund zu sein?

Zwei Studenten der Uni Witten/Herdecke, Manuel Ronnefeldt und Jones Leve, haben das Startup „7Mind“ gegründet, das die Meditation für Smartphones unters digitale Volk bringen soll. In der Wirtschafts-Elite ist Meditation ohnehin seit längerem angesagt. Und so stand der Zen-Lehrer und Führungskräfteberater Paul. J. Kohtes dem Projekt grundlegend zur Seite, auch die Info3-Autorin Nadja Rosmann gehört zum Entwicklerteam. Herausgekommen ist eine minimalistische App, die großartig funktioniert. Es gibt Videos mit animierten Strichmännchen, zu der ein Sprecher – in Kürze! – alles über die mehrere tausend Jahre alte Praxis der Meditation erzählt. Dass in jeder religiösen Tradition meditative Übungen vorkommen, dass heute aber „die Meditation vielfach dem religiösen Zusammenhang entwachsen“ sei, scheint doch genau das Richtige für uns Zeitgenossen der Bewusstseinsseele im globalen Dorf zu sein. Diese App ist für Fortgeschrittene wie für Anfänger gleichermaßen geeignet. Videos zu den verschiedenen Sitzhaltungen finden sich ebenso wie Grundlagen zur Meditation, wovon die meisten aber noch nicht verfügbar sind.

Aufregend ist, wie dieser selbst ernannte digitale „Meditations-Coach“ (Werbetext „7Mind“) tatsächlich zu einem solchen werden kann. Für viele sind Achtsamkeitsübungen im Alltag schwer durchzuführen. Allein, wie wir den Zeitablauf kontrollieren, ist nicht einfach zu klären. Stellt man einen Wecker und erschrickt  beim Schrillen? Entzünden wir Räucherstäbchen? Ein No-Go für die Meditationsverschnaufpause am Arbeitsplatz oder in der U-Bahn.

Stellen wir den Timer im Smartphone, das uns ja schon lange vor der Apple Watch auch zur Uhr geworden ist, muss nach der Meditation – mit zittrigen Fingern – das Alarmsignal ausgestellt werden, was den profanen Abbruch jeder Meditation bedeutet. Vor allem aber: wendet man den Timer auch bei kurzen Abschnitten an? So wie sie Rudolf Steiner für seine Übungen vorgeschlagen hat, wenn wirklich nicht mehr Zeit ist  – für fünf Minuten? Oder schielt man da doch lieber auf eine Uhr, die keinen Pieps von sich gibt?

All das wird mit dem Gong in „7Mind“ und den individuell einzustellenden stillen Meditationen gelöst. Zudem findet sich eine „Spontan“-Funktion, eine durch Worte geführte Meditation (sieben Minuten), die uns während einer kurzen Wartezeit oder unterwegs immer mal wieder meditieren und so erfrischt ankommen lässt. Per Einstellung erhalten wir Erinnerungen an eine festgelegte Meditationszeit oder vom „7Minder“ Aufmerksamkeitsmitteilungen, die allerdings schnell redundant wirken.

„7Mind“ ist kostenfrei bei iTunes und GooglePlay herunterzuladen. In Kürze soll entgeltpflichtig eine erweiterte Version für Firmenkunden erscheinen.

Ronald Richter