Von links: Aiman Mazyek, Dr. Muhammad Murtaza, Dr. Juliane Wetzel / Foto: Sebastian Semmer

Gehört der Koran – wie Thora und Bibel – zu Deutschland? Was ist mit seinen antisemitischen Passagen? Der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza weist in seinem neuesten Buch nach, dass der Islam selber zu wenig Material liefere, um ein Weltbild des jüdischen Verschwörers zu generieren, sondern dass man europäische Texte brauche wie die Protokolle der Weisen von Zion, um im zweiten Nachgang den Koran in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie zu stellen. Sein Buch kommt gerade rechtzeitig zu einem Zeitpunkt, da auch in Deutschland unter muslimischen Einwanderern Antisemitismus neu aufflammt.

Aus diesem aktuellen Anlass lud der Info3 Verlag für die Buchpublikation „Schalom und SalamWider den islamisch verbrämten Antisemitismus“ zum Pressegespräch in die Urania Berlin ein. Auf dem Podium saßen der Autor Dr. Muhammad Sameer Murtaza; der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman M. Mazyek, sowie Dr. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der FU Berlin. Anne-Béatrice Clasmann von der dpa moderierte versiert das Programm, in dem sich Podium wie Publikum zum engagierten Gespräch zusammenfanden, das man sich so auch anderenorts wünscht.

Tatsächlich bietet der Nahostkonflikt, der sich beim Abfassen dieser Zeilen anlässlich aktueller Ereignisse wieder hochschaukelt, für junge Muslime scheinbar rationale Möglichkeiten, sich antisemitisch zu äußern. Die Schüler sind angefüllt mit schlimmen Fernsehbildern und werden im Unterricht damit nicht aufgefangen, der Nahostkonflikt kommt in den Schulen kaum vor. Junge Deutsche muslimischen Glaubens müssen sich fühlen, so Muhammad Sameer Murtaza, als wachsen sie mit zwei Wirklichkeiten auf: der, die sich abbildet in Gewalt und Krieg, und der innerhalb einer besonderen Geschichte Deutschlands mit Israel.

Auch Juliane Wetzel unterstrich die Notwendigkeit des „Wissens um den Nahostkonflikt“ bei jungen Menschen. Für den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, ist er ein Kampf um Grenzverläufe und Ressourcen. Schon seit längerem verfolgt Mazyek das Projekt, mit Muslimen, die seit Kurzem in Deutschland leben, KZ-Gedenkstätten aufzusuchen. Und seit über zehn Jahren veröffentlicht Murtaza Texte auf den Webseiten des Zentralrats. Das Buch biete nun die Chance, das alles noch einmal komprimiert darzustellen, freut sich Mazyek. Es bildet gewissermaßen auch die Grundlage einer Dialogform zwischen Juden und Muslimen, die seit einigen Jahren gegenseitige Begegnungen in muslimischen und jüdischen Gotteshäusern realisiere. Denn, so Mazyek: „Der Islam ist organisch antirassistisch“.

Murtaza ergänzt: Wir müssen ein Narrativ finden, das alle mitnimmt in dieser pluralen deutschen Gesellschaft. Das einzige Mittel, über das wir dabei verfügen, sei Aufklärung.