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In die akute Debatte um eine Impf-Pflicht angesichts der neuerlich besonders in Berlin kursierenden Masern hat sich jetzt auch der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) eingeschaltet. Die Anthroposophische Medizin zählt als eine der komplementärmedizinischen Richtungen, denen man tendenziell impfkritische Positionen zumisst, zu den Adressaten der zahlreichen Appelle von Impfverfechtern, die in den letzten Tagen quer durch alle Medien zu vernehmen waren.

In einer jetzt verbreiteten Erklärung lehnt der DAMID eine allgemeine Impfpflicht klar ab.  Stattdessen setzte die Anthroposophische Medizin vor allem auf den Ausbau einer ausführlichen und unabhängigen Beratung und Aufklärung, heißt es in dem Text. „Nur eine differenzierte ärztliche Aufklärung über das jeweilige Krankheitsbild einschließlich der möglichen Nebenwirkungen kann den Eltern bei einer verantwortlichen Entscheidungsfindung helfen“, wird der Münchner Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Georg Soldner von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) zitiert. In diese Richtung ziele auch der Vorstoß der Bundesregierung, die in ihren Entwurf zum Präventionsgesetz eine verpflichtende Beratung zum Impfen aufgenommen hat. „Die Eltern können nur dann eigenverantwortlich entscheiden, wenn offen und ehrlich über Vorteile und Risiken von Schutzimpfungen informiert wird“, so Soldner weiter.

Die Anthroposophische Medizin vertritt zum Thema Schutzimpfungen seit langem eine differenzierte Position, die auch für die Masern-Impfung gilt: „Impfungen stellen eine freiwillige Form der Krankheitsprophylaxe dar, über die – zu Recht – individuell entschieden werden sollte. Anthroposophische Ärzte/Ärztinnen beraten die Eltern unabhängig und ausführlich und beziehen alle Erkenntnisse, die über Impfungen bei Kinderkrankheiten vorliegen, mit ein“, heißt es. Auch Fragen nach den langfristigen (immunologischen) Auswirkungen einer Impfung sollten in Ruhe und zwar im jeweiligen Einzelfall besprochen werden. „Eine generelle Impfpflicht lässt sich mit dieser Perspektive nicht vereinbaren“, so der Text. Diese Position stehe auch im Einklang mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das der Einführung einer Impfpflicht hohe Hürden entgegenstellen würde.

Die Stellungnahme verweist außerdem darauf, dass auch in Ländern mit bestehender Impfpflicht keine flächendeckende, verlässliche Immunität erreicht worden sei. „Masern traten und treten entgegen anderslautenden Pressemitteilungen auch kontinuierlich weiter in den USA auf. Daran haben auch verpflichtende Impfnachweise an US-amerikanischen Schulen nichts geändert“, so der DAMiD.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Eine Impfung stellt immer einen Eingriff in das kindliche Immunsystem dar. Gerade bei einem Baby, bei dem das Immunsystem noch nicht ausgereift ist, kann nach dem jetzigen Wissensstand aber noch nicht abschließend definiert werden, welche Konsequenzen dieser Eingriff langfristig für das Immunsystem haben kann. Studien konnten zudem zeigen, dass ein sehr früher Impfzeitpunkt zu einem nachhaltig schwächeren Impfschutz führen kann. Mittlerweile mehren sich die Verdachtsmomente, dass gerade der häufige Einsatz von Antipyretika und Antibiotika sowie die Dichte der Schutzimpfungen im frühen Kindesalter die Entwicklung und Individuation des Immunsystems auch negativ beeinflussen können.“

Der DAMiD repräsentiert die Anthroposophische Medizin in allen gesellschaftlichen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens. Als Dachorganisation vertritt der Verband die übergeordneten Belange und Interessen seiner 16 Mitglieder. Mitgliedsorganisationen sind Berufsverbände, Klinikverband, gemeinnützige Altenhilfe, Behindertenhilfe sowie die Hersteller Anthroposophischer Arzneimittel. Die Erklärung im Wortlaut gibt es hier.